Wenn ich erst mal Königin bin…

Autorin: Gerda Egbers

Es gibt eine wunderbare kleine Geschichte von Heinz Janisch, in der der König die Katze fragt, was sie gerade macht. „Ich lasse mir von der Sonne das Fell wärmen“, sagt die Katze und streckt sich auf der Wiese aus. „Dann ist die Sonne heute das Größte für Dich?“ „Heute schon“, sagt die Katze. „Heute ist die Sonne mein König!“ Der König denkt kurz nach. Dann zieht er sein Hemd aus und legt sich neben die Katze auf die Wiese und lässt sich die Sonne auf die Haut scheinen.

Das klingt wie Urlaub. Hatten wir gerade. Doch „nun rollt schon wieder ein Tsunami auf mich zu“, sagte eine Kollegin am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub. Ein früher sehr engagierter Betriebsratsvorsitzender, der schon einige Jahre in Rente ist, erzählt mir, dass er sich gar nicht mehr vorstellen kann, wie er das früher alles geschafft hat. Er macht heute viel weniger und hat sich trotzdem noch nicht einen Tag gelangweilt.

Die Alles-ist-möglich-Lüge

Zwei neue Bücher zur Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus diesem Jahr (eines von zwei Frauen, eines von zwei Männern geschrieben) stellen unisono fest, dass Kinder, Liebe und Karriere einfach nicht zu vereinbaren sind. Sie sprechen von der „Al- les-ist-möglich-Lüge“. Die Zeit ist für Väter und Mütter so eng getaktet, dass ihnen gefühlt immer mal wieder die Puste ausgeht. Henry Kissinger soll einmal gesagt haben: „Nächste Woche kann keine Krise sein. Mein Terminkalender ist voll.“

Acht-Stunden-Tag kippen?

Nun wollen die Arbeitgeberverbände den Acht- Stunden-Tag kippen und aus dem Arbeitszeitgesetz streichen. Dieses Arbeitsschutzgesetz haben Arbeit-

nehmerInnen in vielen Kämpfen mühsam errungen. Es dient dem Gesundheitsschutz und einer verläss- lichen Tagesstruktur, aber vor allem verhindert es eine „Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit“ von abhängig Beschäftigten – noch dazu, wenn sie in einem Betrieb arbeiten, der keinem Arbeitgeberverband angehört. Das geltende Arbeitszeitgesetz ist ein verlässlicher Bo- den, der eine totale Flexibilisierung der Arbeitszeit im Interesse der Arbeitgeber verhindern hilft. Im Zeitalter der Digitalisierung und zunehmenden Arbeitsdichte ist dieses Schutzgesetz nötiger denn je. Nicht nur Sport- vereine müssten Sturm laufen gegen diesen Angriff auf das Arbeitszeitgesetz.

Alles hat seine Zeit!

Die Familienministerin Schwesig hat eine 32-Stun- den-Woche für Eltern und pflegende Angehörige mit Teillohnausgleich vorgeschlagen als lebensphasenori- entierte Arbeitszeit. Gemeint hat sie aber sicher nicht, dass diese 32 Stunden auf drei Tage aufgeteilt werden – wenn es die betrieblichen Zwänge gerade erfordern. Wir haben unsere Kinder nicht bekommen, um sie nur noch schlafend im Bett zu bewundern, versorgt von einer Nanny.

Wenn ich erst mal Königin bin, dann sind sechs Stun- den Erwerbsarbeit pro Tag genug, und die Sonne ist das Größte.

„Alles hat seine Zeit“,
sagte schon der weise König Salomo.

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