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Hofgeismar, im November 2016

Die Bundestagung der Arbeitsgemeinschaft „Handwerk und Kirche“ fand dieses Jahr in der Evangelischen Akademie Hofgeismar statt. Nach der Delegiertenversammlung am Freitag Nachmittag wurde am Abend das 60jährige Bestehen der Handwerksarbeit in der Landeskirche Kurhesse-Waldeck gefeiert.

Über 100 Teilnehmende aus dem Netzwerk der Landeskirche hörten die Grußworte von Landesbischof Martin Hein, vom Präsident der Handwerkskammer Kassel, Heinrich Gringel, und vom Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke. Auch kulinarisch war die Feier eine gelungene Einstimmung auf den folgenden (Fach)-Tag: Teile des Menüs wurden regionstypisch von Jugendlichen aus Ländern des Nahen Ostens und Nordafrika gekocht und präsentiert – abgerundet von den Märchenerzählungen, die Frau Ortolano (zT mit prominenter Unterstützung) darbot.

Der Fachtag stand unter dem Motto „Zuwanderung als Herausforderung und Chance für das Handwerk“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie eine gelungene Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt befördert werden kann. Der Schwerpunkt der Vorträge und Diskussionen lag darin, aus den vielfältigen Erfahrungen von Handwerk und kirchlichen/ ehrenamtlichen Engagement zu schöpfen und gemeinsam Schlüsse für verbesserte politische Rahmenbedingungen zu ziehen.

Bischof em. Axel Noack eröffnete den Tag mit einer Andacht. Nach Vorträgen von Mark Weinmeister (hessische Staatssekretär für Europaangelegenheiten, Gerhard Wegner (Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD) sowie Michael Boddenberg (Vorsitzender der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag) wurden am Nachmittag in vier Arbeitsgruppen unterschiedliche Aspekte der Integration debattiert.

Als Teilnehmer der abschließenden Podiumsdiskussion fassten Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Dieter Vierlbeck (Geschäftsführer der Handwerkskammer für München und Oberbayern und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Handwerk und Kirche), Claus Dreier (Handwerkspastor der Landeskirche Hannovers), Silvia Scheffer (Migrations- und Flüchtlingsberatung, Diakonisches Werk im Schwalm-Eder-Kreiß und Markus Hüther (Organisationsleiter des Bildungszentrums Kassel) die Ergebnisse aus unterschiedlichen Arbeitsgruppen zusammen.

Vier Aussagen lassen sich als Resumée der Tagung ziehen:

  • Das Ehrenamt muss helfen können, ohne dass Bürokratie ein Bein stellt. Verwaltung und Rechtsstaat muss verstehbar sein, damit der Mensch sich nicht abwendet. Gute Beispiele entstehen oft durch gute und direkte Kooperation vor Ort.
  • Die Politik muss Strukturen bereitstellen, aber auch Freiraum lassen für individuelle Bedürfnisse der Flüchtlinge. Diese kennt das Ehrenamt oft besser als die Verwaltungsebene.
  • Förderung und Maßnahmen müssen für Flüchtlinge wie auch für andere Bedürftige gleichzeitig gelten.
  • Es kommen Menschen. Dieses sollte das Verständnis gegenüber Flüchtlingen sein, um die Fehler früherer Einwanderungen nicht zu wiederholen. Das Handwerk ist durch seine hohe Integrationskraft ein besonders geeigneter Wirtschaftsbereich für die Aufnahme von Flüchtlingen, dennoch funktioniert diese aber im Einzelfall nicht unbedingt besser. Eine verstärkte Vermittlung von Soft Skills kann hier Abhilfe schaffen.

Der Fachtag klang am Abend mit dem beeindruckenden Ein-Mann-Theaterstück von Zimmermeister Richard Betz aus.

Am Sonntag führte Akademiedirektor Karl Waldeck, der die Tagung moderiert hatte, in einem Spaziergang kenntnisreich über das Akademiegelände, bevor die Tagung mit einem Handwerkergottesdienst in der Altstädter Kirche ihren feierlichen Abschluss fand.

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