Finanzen in die eigene Hand nehmen!

Finan­zi­elle Unab­hän­gig­keit bedeutet mehr, als nur Geld zu ver­die­nen. Für Frauen ist sie der Schlüs­sel zu Freiheit, Selbst­be­stim­mung und Sicher­heit im Alter. Dennoch kümmern sich viele Frauen zu spät oder zu wenig um ihre Finanzen. Oft gelten finan­zi­elle Themen als kom­pli­ziert oder als „Män­ner­sa­che“. Viele ver­las­sen sich auf ihren Partner. Doch was, wenn das Leben anders verläuft: Trennung, Schei­dung, Krank­heit, Job­ver­lust? Dann zeigt sich, wie teuer es ist, die Ver­ant­wor­tung abge­ge­ben zu haben.

Frauen ohne eigenes finan­zi­el­les Fun­da­ment bleiben oft in unge­sun­den Bezie­hun­gen oder Jobs, weil ihnen der wirt­schaft­li­che Ausweg fehlt.

Geld ersetzt keine Liebe, aber es gibt die Freiheit, aus Liebe zu bleiben und nicht aus Angst.

Viele Frauen wünschen sich finan­zi­elle Unab­hän­gig­keit, fühlen sich aber unsicher.

Wissen, das nachhaltig stark macht

Geld­wis­sen ist kein ange­bo­re­nes Talent, sondern erlern­bar – für jede Frau, in jedem Alter. Schritt für Schritt zu ver­ste­hen, wie Rente funk­tio­niert, was ETF-Sparen bedeutet oder wie ein Not­gro­schen auf­ge­baut wird, ver­wan­delt Ohnmacht in Hand­lungs­kraft.​

Als kirch­li­che Orga­ni­sa­tion sehen wir uns in der Ver­ant­wor­tung, ins­be­son­dere beim Thema Geld­an­lage, nicht nur auf die öko­no­mi­sche Rendite zu achten, sondern auch Grund­la­gen zu sozial und öko­lo­gisch wirk­sa­men Geld­an­la­gen zu ver­mit­teln.

„Geld­an­la­gen können pro­duk­tiv und segens­reich sein, aber auch auf viel­fäl­tige Weise negative Effekte mit sich bringen“, so Dr. Jennifer Achten Goz­dow­ski, Finanz­re­fe­ren­tin im Zentrum Bildung und Gesell­schaft der EKHN. „Sie sind folglich ethisch nicht neutral. Daher rückt seit einigen Jahren in der kirch­li­chen Invest­ment­kul­tur die soge­nannte „ethisch-nach­hal­tige Geld­an­lage“ in den Fokus, die neben finan­zi­el­len Gesichts­punk­ten zugleich ethische, soziale und öko­lo­gi­sche Fol­ge­wir­kun­gen mit­be­rück­sich­tigt, also einem umfas­sen­den Nach­hal­tig­keits­be­griff folgt.“

Nach­hal­tig­keit steht mitt­ler­weile auf vielen Pro­duk­ten, doch was verbirgt sich tat­säch­lich hinter diesem Begriff? Erfassen diese Produkte wirklich die SDGs (Sus­tainable Deve­lo­p­ment Goals, d.h. die Nach­hal­tig­keits­ziele der Ver­ein­ten Nationen)?  Dazu geben Finanz­re­fe­ren­tin­nen aus dem Zentrum Bildung und Gesell­schaft, Oiko­credit oder Südwind e.V. in ihren Semi­na­ren wert­volle Infor­ma­tio­nen.

Frühe Planung um, Altersarmut vorzubeugen sind wichtig

Frauen sollten sich früh um ihre Alters­vor­sorge kümmern, da sie eine höhere Lebens­er­war­tung haben und somit länger von Erspar­nis­sen abhängig sind. Der Gender Pension Gap (Ren­ten­lü­cke) zwischen Frauen und Männern ab 65 Jahren liegt aktuell je nach Abgren­zung bei rund 25 bis 30 % in Deutsch­land.

Gleich­zei­tig sind ca. 20% der Frauen ab 65 Jahren schon heute armuts­ge­fähr­det. Pfand­fla­schen sammeln ist kein Ren­ten­kon­zept! Daher gilt es neben der For­de­rung nach armuts­fes­ten Renten, sich und andere Frauen dafür zu sen­si­bi­li­sie­ren, sich um die eigenen Alters­ver­sor­gung Gedanken zu machen.

In der Ev.  Lan­des­kir­che Hessen-Nassau arbeiten von den ca. 18.000 Beschäf­tig­ten über 10.000 Beschäf­tigte weniger als einer halben Stelle, meist Frauen. Das Risiko: geringe Renten. Daher erachten wir es für ungemein wichtig, früh­zei­tig über Fort­bil­dun­gen (in Ver­bin­dung mit Frei­stel­lun­gen) während der Arbeits­zeit über die Ren­ten­be­rech­nung und Ren­ten­ar­ten zu infor­mie­ren.  Wohl­wis­send, dass nicht jede/jeder die finan­zi­el­len Res­sour­cen hat, privat vor­zu­sor­gen.

Je früher sich Frauen mit Finanzen und Alters­vor­sorge beschäf­ti­gen, desto besser! Durch Zin­ses­zin­sen und lang­fris­tige Anlagen kann selbst ein kleiner monat­li­cher Betrag über die Jahre beacht­lich wachsen. Wer sich früh infor­miert, kann außerdem gezielt ent­schei­den, welche Anla­ge­for­men zu den eigenen Zielen und Lebens­si­tua­tio­nen passen – ob ETFs, Immo­bi­lien oder private Ren­ten­ver­si­che­run­gen.

Fazit

Frauen sollten Finanzen als Teil ihrer Selbst­für­sorge sehen. Wer sich Zeit nimmt, die eigenen Finanzen zu ver­ste­hen, legt das Fun­da­ment für ein selbst­be­stimm­tes Leben – unab­hän­gig von Umstän­den und Menschen. Finan­zi­elle Freiheit bedeutet letzt­lich: die Freiheit, Ent­schei­dun­gen nach den eigenen Wünschen zu treffen.

Die Ev. Kirchen in Hessen und Nassau (EKHN) und von Kur­hes­sen-Waldeck (EKKW) bieten in Koope­ra­tion mit weiteren Orga­ni­sa­tio­nen seit fünf Jahren die Fort­bil­dungs­reihe Finanz­kom­pe­tenz für Frauen: „Frauen-Geld-Ver­ant­wor­tung“ an. Exper­tin­nen und Experten geben pra­xis­ori­en­tierte Infor­ma­tio­nen zu Themen wie nach­hal­tige Finanz­kon­zepte mit Fonds und ETFs, Geld in Bezie­hun­gen, private Alters­vor­sorge, Ver­si­che­run­gen, Vererben und Ver­schen­ken sowie Steu­er­fra­gen.

Online bieten wir dazu im Frühjahr und Herbst jeweils drei unter­schied­li­che Themen kos­ten­frei an.

 

Kri­te­rien für die ethisch-nach­hal­tige Geld­an­lage aus evan­ge­li­scher Sicht sind im Leit­fa­den für ethisch-nach­hal­tige Geld­an­lage (EKD-Texte 113) hin­ter­legt.

Heike Miehe, Arbeit & Soziales im Zentrum Bildung und Gesell­schaft der Evan­ge­li­schen Kirche in Hessen und Nassau