Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2018

Heute einen Krieg beenden

Predigtentwurf zu Offenbarung 3, 14 – 22  zum Buß- und Bettag 2018: „Heute einen Krieg beenden“

Predigtentwurf zu Offenbarung 3, 14 – 22 zum Buß- und Bettag 2018: „Heute einen Krieg beenden“

Liebe Gemeinde!

Europa droht zu zerfallen, in Nationalismen und in Reich und Arm. Es droht einen Krieg gegen Benachteiligte und Arme zu führen, im eigenen Land und in Europa. Wie wäre dagegen der Krieg aller gegen alle zu beenden: durch Geld oder Gott? Europa hat eine gemeinsame Vergangenheit der Hoffnung auf Zukunft und Frieden. Das Gemeinsame der Geschichte in europäischer Vielfalt zu entdecken, wäre mit Walter Benjamin einen neuen Versuch wert, heute einen Krieg zu beenden:

Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen …“ (Über den Begriff der Geschichte, These IX)

Dieser Engel der Geschichte täte uns als Kirche und Gemeinde in der Nachfolge Jesu Christi not, wenn wir am Buß- und Bettag im Jahr 2018 aus der Apokalypse des Johannes hören:

 

  • Dem Engel derer, die berufen sind, in der Stadt Laodizea, schreibe: So spricht der, der das Amen über unser Leben sagt, der Zeuge, der treu und wahrhaftig ist als der Anfang der Schöpfung Gottes.

Wer aber wäre berufen, ein solcher Engel für uns im gemeinsamen Europa zu sein? Wer könnte in Gottes Namen uns vor Irrwegen warnen und das Richtige raten, für Mit-Menschen als Gottes Geschöpfe wahr zu nehmen und füreinander aufrichtig Sorge zu tragen? Grenzen sich aber Europas Nachbarn und wir selbst durch Zäune voneinander ab, droht uns selbst geistig-leibliche Verarmung. Der Engel könnte uns in der Nachfolge Jesu erinnern, die Vielfalt der Menschen und ihrer Geschichte in Europa und anderswo als Reichtum zu erkennen.

Die Christen, von den denen die Bibel hier spricht, haben in der Stadt Laodizea nur ihren eigenen Reichtum vor Augen: Laodizea ist ein berühmter Wirtschafts- und Handelsplatz, ein begehrter Studienort der Medizin, eine mit heißen Quellen gesegnete Wellness-Oase für gestresste Manager und Militärs und ihre Gattinnen jener Zeit, und bekannt als Platz für Anlagevermögen. Da gilt damals wie heute: “Money, money, money / Must be funny / In a rich man’s world.” (Abba)

Wenn das Europa unserer Zeit in Nationalismen und in Arm und Reich zerfällt: Auf wen oder was berufen wir unsern Wohlstand, in dem wir uns – auf Dauer? – eingerichtet zu haben wähnen? Wer spricht – in der Geschichte – das letzte Wort, das A und O über uns? Wer sagt Amen zu diesem unseren reichen armen Leben? Und hat das letzte Wort?

  • Ich weiß von deinen Werken, dass du weder kalt noch heiß bist, wärst du doch bloß kalt oder heiß.

Reichtum kann leicht die Augen blenden und Wohlstand die Wahrnehmung für andere Menschen verstellen. Wenn sich Kirche als Gemeinde in der Nachfolge Jesu Christi versteht und auf den Gekreuzigten und Auferstandenen beruft: Wo stehen wir als seine Gemeinde – in einer sich verfestigenden Hartz-IV Gesellschaft? Tun sich da die Schattenseiten und Abgründe unseres Wohlstands auf?

Was bedeutet dann aber unser sich Berufen auf Glaube, Hoffnung und Liebe vor dem Ausspruch Jesu: „Niemand kann zwei Herren dienen … Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Mt 6, 24). Nationalismen und einen Krieg zwischen Arm und Reich zu beenden, erscheint als Konsequenz unausweichlich, wenn die Gemeinde hier hört:

  • So aber zeigst du dich als weder heiß noch kalt, darum werde ich dich ausspucken aus meinem Mund.

Nachweislich jüngster archäologischer Erkenntnisse gab es in der Stadt Laodizea (nahe Pamukkale) heiße Quellen. Damals schon eine Touristenattraktion. Wer es sich leisten konnte, Militärs und Banker, begab sich dort zur Kur.

Heiß oder kalt? Das war früher ein unter uns Kindern das beliebte Spiel von „Blinde Kuh“: „Heiß“ bedeutete: „Nah dran“, und „ganz kalt“ war weit weg. „Lau“ ging dagegen gar nicht, da gab es keine Orientierung, das ließ einen in die Irre gehen.

Gibt es nur kalt oder heiß und daher kein Ausweichen vor der Konsequenz, den Krieg der zwischen Arm und Reich und die Konkurrenz der Nationen zu beenden? Wenn wir heute Grenzen gegen andere errichten, Reich gegen Arm und Nachbarn gegen Fremde: Wer garantiert uns, dass wir morgen nicht selbst ausgegrenzt und hinausgeworfen werden aus der feinen Gesellschaft? Vom Winde verweht? Sollte am Ende Brecht Recht behalten:

„Dem Geld erweisen die Menschen Ehren.
Das Geld wird über Gott gestellt.
Willst du deinem Feind die Ruhe im Grab verwehren.
Schreibe auf seinen Stein: Hier ruht Geld.“?
(Bert Brecht, Mahagonny).

Der Engel hält der Gemeinde und damit uns die Wahrheit vor Augen:

  • Du sagst: Ich bin reich und bin im Wohlstand, und bin nicht angewiesen auf Unterstützung anderer. Aber du weißt nicht, dass du erbärmlich bist, armselig, blind und nackt.

Ist alles eine Frage der Perspektive, wie uns das Märchen von ‘Des Kaisers neue Kleider’ lehrt? Vor einigen Jahren war auf Autoaufklebern der Spruch zu lesen: „Eure Armut kotzt mich an“ Doch worauf gründet unser Reichtum in Europa? Und von wem und um welchen Preis wurde und wird ein oft fragwürdiger Fortschritt erkauft? Von Ländern anderer Erdteile und dem Gefälle zwischen Arm und Reich. Am Buß- und Bettag sollten Christinnen und Christen Ehrlichkeit mit sich selbst und Aufrichtigkeit gegenüber der Geschichte Europas in ihrer Vielfalt einüben. Wir können uns in Gottes Namen um Christi Willen ermutigen lassen, die Schere zwischen Arm und Reich sich nicht weiter öffnen zu lassen und ‘heute einen Krieg zu beenden’, denn die Bibel lehrt uns:

„… ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr. (Jer 9, 22f.).

Der Engel Gottes der Gemeinde Gottes lehrt auch uns heute:

  • Ich rate dir: Kaufe feuerfestes Gold von mir, damit du dich reich nennen kannst, und weiße Kleider, damit du dich angemessen kleiden kannst und deine Nacktheit nicht offensichtlich wird, und Salbe, um deine Augen zu behandeln, damit du (klar) siehst.

Am Golde hängt. Zum Golde drängt. Alles, so sagt Goethe im Faust. ‘Feuerfestes’ Gold? Mit Ironie wird uns unsere Selbsttäuschung vor Augen geführt, denn: Geld macht blind, vor allem für die Not anderer. Dem gegenüber gilt das ärgerliche Wort Jesu: „Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Himmelreich kommt.“ (Mt 19, 24).

Kleider machen Leute, so sagt der Volksmund. Darum unterscheidet sich Reichtum immer noch gern äußerlich von den Zeichen der Armut derer, die sich mit Hartz-IV nicht die teuren Klamotten leisten können und auch deswegen Ausgrenzung in Schule und Gesellschaft erleiden.

Laodizea war eine Modestadt und besonders berühmt für seine Textilien in Schwarz. Dem setzt der Engel den Kontrast entgegen. Die Gemeinde soll als Leib Christi in ihrer Kleidung keine Unterschiede hervorheben.

Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen, heißt es in der Bibel (Apg 9, 18). In Laodizea wurden kostbare Salben hergestellt und es war berühmt für seine Augenheilkunde. Damals wie heute sind die Wunschproduktionen die gleichen. Die Kundschaft wünscht, was gut und teuer ist. Wer reich ist, kann sich Wohlstand leisten. Die andern sind und bleiben eben arm. So unterscheiden sich Menschen voneinander. Doch die Bibel und Paulus lehren die Gemeinde, sich und einander mit anderen Augen zu sehen: „Stellt euch nicht der Welt gleich, sondern lasst eure Wahrnehmung verändern, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist: das Gute, Angemessene und Vollkommene“ (Röm 12,2). Darum hört die Gemeinde hier:

  • Denen, die ich liebe, setze ich Widerstand entgegen, und erziehe sie dazu, anders zu denken. Gemeinde, nimm’s dir zu Herzen und wähle also den besseren Weg.

Ganz wie Paulus sagt: „ich will euch einen noch besseren Weg zeigen … Glaube, Hoffnung, Liebe…“ (1.Kor 12,31; 13,13). Du Gemeinde, sieh also zu, dich eines anderen zu besinnen als der Sorge um deinen geldbestimmten Reichtum. Denn es klopft einer unerwartet an die Tür. Sind wir darauf vorbereitet zu hören und lernen – als seine Gemeinde?

Da Jesus Christus selbst es ist, der anklopft und ruft, lehrt ER die Gemeinde, unsere Kriege zu beenden und seine Ethik des Friedens zu lernen. In menschlicher Begegnung kommt er uns nah, wenn er sagt:

  • Sieh’, ich steh’ vor der Tür und begehre Einlass. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, trete ich ein, komme zu ihm und esse mit ihm.

Wer steht draußen? Europa steht vor der Tür. Darum wird es Zeit, heute einen Krieg der Nationalismen und zwischen Arm und Reich zu beenden. Europa verändert sich mit den Menschen: „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden die zu Tisch sitzen im Reich Gottes.“ (Lk 13, 29). Wir sind als Gemeinde gefragt: Für wessen Stimme sind wir empfänglich? „Wenn es heißt: ‘Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht…’.“ (Hebr. 3, 15). Mit wem wollen wir uns an einen Tisch setzen? Trauen wir uns am Ende gar selbst nicht über den Weg, mit unserer Ichsucht, unserer Angst und unserem Kleinglauben? Würden wir uns mit uns mit uns selbst an einen Tisch setzen, um Brot und Wein zu teilen, wie Jesus sagt? „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25, 40). Den Krieg in uns und mit uns selbst beendet ER heute und hier. So lautet seine er-lösende Botschaft für die Gemeinde:

  • Dein Erfolg wird sein, zusammen mit mir Verantwortung zu teilen, so wie mein Vater mit mir Verantwortung geteilt hat.

Die Haltung als Gemeinde in der Nachfolge Jesu Christi soll nicht in irdischer Skepsis enden: „The Winner takes it all / And the Loser has to fall.” (Abba), sondern „Ein Stück vom Himmel, ein Platz von Gott…“ (Herbert Grönemeyer) gilt als Zusage und Ermutigung, in Gottes Namen heute den Krieg der Nationalismen und zwischen Reich und Arm zu beenden. Aus diesem Geist soll und kann die Gemeinde in der Nachfolge Jesu Christi einen Krieg beenden, Zukunft und Frieden gewinnen:

  • Wer Ohren hat zu hören, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.

Geschichte zu erinnern, so lehrt die jüdische Weisheit (Baal Schem Tob), birgt das Geheimnis der Erlösung. Mit Walter Benjamin kann uns der Engel lehren, heute den Krieg, den Zwiespalt in uns selbst, zu beenden. Denn er, der Engel der Geschichte, „ hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. … Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm“. Die Vergangenheit hat Europa beinahe in den Untergang geführt. Wo hingegen Menschen aus der Geschichte gemeinsam in Verantwortung menschlich gestalteter Zukunft handeln lernen und Frieden zu stiften, entsteht Neues im Geiste Jesu. SEINEM Geist zu folgen heißt gleich zu sein „den Menschen, die auf ihren Herrn warten …, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun./ Selig sind die Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet. … Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint.“ (Lk 12, 40). Amen.

Literatur:

  • Christof Bäumler, Godwin Lämmermann, Falk Wagner: Friedenserziehung als Problem von Theologie und Religionspädagogik, München, Christian Kaiser 1981
  • Falk Wagner: Geld oder Gott. Zur Geldbestimmtheit der kulturellen und religiösen Lebenswelt, Klett-Cotta Stuttgart 1985
  • Bernhard Waldenfels: Der Stachel des Fremden, Suhrkamp Verlag Frankfurt a.M. 2009

Hinweis: der Texte enthält eigene Übertragungen aus dem Griechischen ins heutige Deutsch.

Dr. theol. Roland Pelikan, Sozialpfarrer 
Vorstand Bundes-KDA

Beauftragter für Entrepreneurship
KDA Bayern
Schwanthaler Straße 91
80336 München
Tel.: 089 53 07 37 32
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Heute einen Krieg beenden – bedingungsloses Grundeinkommen einführen

Heute einen Krieg beenden – bedingungsloses Grundeinkommen einführen

Im Mai 1984 veröffentlich Wolfgang Niedecken eine Platte auf der unter anderem folgender Satz zu finden ist: „Die rüsten weiter als wäre gar nichts mit der Wahnsinns-Konsequenz, dass man Kriegsminister jetzt Verteidigungsminister nennt“. Das Lied, in dem der Satz vorkommt ist eine Vision über den möglicherweise bevorstehenden dritten Weltkrieg, damals im Angesicht der atomaren Hochrüstung in Ost und West. Diese Hochrüstung ist zumindest in der damaligen Form Geschichte. Die Frage nach Krieg und Frieden jedoch nicht. Im Gegenteil, sie scheint präsenter denn je!

Sozialgeschichtlich wird Krieg unter anderem als eine Form der Aggression zwischen Gruppen beschrieben. Der Wettbewerb um Ressourcen führt zu unterschiedlichsten Gestalten von Gewalt. Deutlich wird mir dies in meiner täglichen Arbeit mit Langzeiterwerbslosen und Menschen, die von Einkommen am Existenzminimum leben müssen. Im laufenden Jahr war ich mit einer solchen Gruppe zu einer einwöchigen Studienreise in Süditalien. Dieser Reise voraus gegangen sind die Auseinandersetzungen mit der Frage, ob Teilhabe auch bedeutet, eine solche Reise möglich zu machen. Die Gespräche in meinem Umfeld waren alles andere als „solidarisch“. Viele Menschen können nicht verstehen, warum Arbeits- beziehungsweise Erwerbslose auch noch in den Urlaub geschickt werden.

Ein Gespräch ist mir hierbei besonders in Erinnerung geblieben. Eine Seniorin, weit über achtzig meinte: „Es gab Zeiten, da hätten wir die ins Arbeitslager geschickt, und Sie fahren in den Urlaub“. Da war sie, die Aggression zwischen Gruppen zum Greifen. Solche Rückmeldungen, sie sind leider keine Einzelfälle, habe ich tatsächlich als Krieg empfunden. Vielleicht ist die Vision eines dritten Weltkrieges bereits real? Nur eben nicht als atomarer Endzeitakt, sondern als alltägliche Kontroverse in einem der reichsten Länder der Erde. Getarnt als Destruktion dessen, was in unserem Grundgesetz ganz am Anfang steht, der Würde des Einzelnen. Der Mensch darf sein, bedingungslos!

Ich nehme dagegen wahr, dass diese Würde von immer mehr Menschen mit dem Leistungsgedanken verbunden wird. Das Ganze wird verstärkt, seit in unserer Gesellschaft durch eine große Volkspartei die biblische Feststellung, dass nur essen soll, wer auch arbeitet, zutiefst unredlich missbraucht und exegetisch völlig falsch angewandt wurde! Denn ob zu biblischen Zeiten oder auch heute, ist die Ebenbildlichkeit des Menschen zu Gott, beziehungsweise seine Würde im Sinn unseres Grundgesetzes, an keinerlei Bedingung geknüpft. Wie kann es also gelingen, die alltägliche Aggression zwischen gesellschaftlichen Gruppen abzuschalten? Wie kann es gelingen, den sozialen Kampf – Krieg um unfassbar reichhaltige Ressourcen, zu beenden.

Aus genau diesen Gründen beschäftige ich mich mit dem Thema eines bedingungslosen Grundeinkommens. Ist es möglich, jedem Menschen das zur Verfügung zu stellen, was er zu einem würdevollen Leben braucht? Können wir als Menschen ein System schaffen, ähnlich dem Beispiel des Alten Testaments, als Gott bedingungslos Manna vom Himmel regnen lässt? Kann ein solches System zu sozialem Frieden beitragen?

Oder lässt es eben, durch Aggressionen zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, ein weiter Auseinanderdriften zu? An dieser Stelle sei der Hinweis gestattet, dass Finanzierung und Machbarkeit hier nicht dargestellt werden kann. Ich unterstelle jedoch, dass bei einem erklärten politischen Willen, ein bedingungsloses Grundeinkommen möglich ist! Weiterführende Informationen finden sich auf der Webseite des Netzwerks Grundeinkommen: www.grundeinkommen.de

Deshalb jetzt zum Zentrum der Fragestellung: Heute einen Krieg beenden; wie geht das im konkreten Fall? Kriegsminister oder Verteidigungsminister? Krieg ist eine Form kollektiven Handelns. Frieden, oder der Wille Frieden zu schließen, ebenso! Für Krieg gibt es die These, dass es sich um einen gesellschaftlichen Evolutionsbeschleuniger handelt. Warum soll dies nicht auch für Frieden gelten? Unser Sozialsystem hat sich immer dann entwickelt und verändert, wenn evolutionäre Eckpunkte dazu gezwungen haben. Heute sind wir wieder an einem solchen Punkt. Die Welt verändert sich im Zeichen der Digitalisierung rasend schnell! Damit einhergehend, wird das Gedankengut der Abgrenzung, des Nationalstaatentums und der Entsolidarisierung nicht nur gesellschaftsfähig, es erscheint vielen auch als alternativlos.

Dies steht insbesondere im Zusammenhang mit den Veränderungen und Ängsten, die durch die digitale Revolution unserer Welt ausgelöst werden. Kann da ein bedingungsloses Grundeinkommen die Antwort sein? Die Vision hat einen entscheidenden Hacken, es gibt kein Beispiel, dass als Vorbild taugt. Fragmente, Teilergebnisse und zum Großteil unsachliches Halbwissen, getrieben von unterschiedlichen Lobbygruppen, erschweren den Diskurs. Besonders tragisch erscheint mir hierbei, dass es immer wieder gelingt, Menschen gegeneinander auszuspielen. Rentner gegen Aufstocker, Geringverdiener gegen Hartz-IV-Bezieher, Arbeiter gegen Arbeitslose, Studenten gegen Handwerker. All diese Gruppen hätten jedoch eins gemeinsam, sie würden von einem solchen System profitieren. Hier muss Frieden ansetzen.

Den Aggressoren der unterschiedlichen Gruppen ein Friedensangebot machen. Klar formulieren, dass es Ressourcen gibt, die so unerhört vorhanden sind, dass man sie in ausreichendem Maß verteilen kann. Nämlich nicht, um den Leistungsgedanken auszuhebeln, sondern um ein Fundament der Würde zu schaffen. Eine Basis, die den vielleicht schon tobenden dritten Weltkrieg, den um die Verteilung der vorhandenen Ressourcen, beendet. Wer etwas Neues nicht probiert, wird nie erfahren, ob es funktioniert. Ich meine, ein bedingungsloses Grundeinkommen taugt zum Friedensstifter. Es kann helfen Aggressionen in Mitmenschlichkeit zu transformieren, es kann eine Antwort sein. Eine Antwort auf den Krieg, der ganz klein, aber flächendeckend in unser Leben Einzug gehalten hat. Deshalb die These:

Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann als Evolutionsbeschleuniger zum Frieden taugen, in einer sich rasend schnell verändernden Welt.

Ralf Weidner
Bildungsreferent im Sprengel Hanau, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik
Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales der EKKW
Tel: 06103 939490
E-Mail

Gleich, gleicher, am gleichsten und noch viel gleicher

Gleich, gleicher, am gleichsten und noch viel gleicher

Vor Gott sind alle Menschen gleich, heißt es so schön. Aber, …

Natürlich wissen wir, dass nicht alle Menschen wirklich gleich sind. Wir sehen alle anders aus, denken anders und sprechen anders. Mit dem Satz „vor Gott sind alle Menschen gleich“ ist zum Glück auch nicht gemeint, dass wir alle gleich denken, sprechen und aussehen. Der Satz soll aussagen, dass wir alle gleich viel wert sind. Wir sind als Menschen wertvoll, unabhängig davon, wie wir aussehen, was wir denken und wie wir sprechen.

Gott macht keinen Unterschied zwischen uns. Vor Gott sind alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit gleich, das ist wundervoll. Durch diesen Gleichheitsgrundsatz muss keiner anders sein, als er ist. Keiner muss einem Ideal gleichen, weil es nicht das EINE Ideal gibt, sondern eben alles nebeneinander sein darf: bunt und vielfältig.

Und wie sieht es bei uns Menschen auf der Erde aus? Sind für uns alle Menschen gleich? Gleich viel wert? Egal wie sie aussehen, wie sie denken oder sprechen?

Formal gilt dieser Gleichheitsgrundsatz auch „auf Erden“, formal ist jeder Mensch vor dem Gesetz gleich. Aber, ….

Es gibt viele Menschen, die unterstützen sich gegenseitig, sind freundlich und wertschätzend anderen gegenüber. Es gibt aber leider auch Menschen, die sich selbst als wichtiger oder wertvoller erachten, die sich anderen Menschen gegenüber nicht so verhalten, als seien diese gleich viel wert wie sie selbst. Es scheint für einige einen Unterschied zu machen, wie man aussieht, wie man denkt oder spricht. Ein Unterschied in der Wertigkeit wird besonders oft gemacht, wenn Menschen aus einem anderen Land kommen oder eine Behinderung haben.

Was hat das alles mit dem Thema des diesjährigen Buß- und Bettages zu tun „Heute einen Krieg beenden“?

Wenn es um die Gleichwertigkeit aller Menschen geht, um gleiche Rechte und Pflichten, dann haben Menschen mit Migrationshintergrund oder mit Behinderung oft Schwierigkeiten zu ihrem Recht zu kommen, gleichwertig zu sein mit den anderen.

Ein Blick zurück verrät, dass es uns Frauen noch vor einiger Zeit auch so erging. Mann und Frau waren nicht gleich vor dem Gesetz. Zum Beispiel war es Frauen verboten ohne die Erlaubnis des Ehepartners zu arbeiten oder ein Konto zu führen. Heute scheint uns das absurd. Heute sind diese Rechte zum Glück gesetzlich verankert. Keiner kommt mehr auf die Idee, dieses Recht in Frage zu stellen. Frauen und Männer sind gleich in ihrem Recht.

Seit einigen Jahren ist auch das Recht auf schulische Inklusion gesetzlich verbrieft. Kinder und Jugendliche mit Behinderung haben das Recht eine Regelschule zu besuchen, gemeinsam mit allen anderen Kindern. Endlich! Für viele Eltern, die genau dies für ihr Kind wollten, ist ein jahrelanger Kampf gewonnen, ein Kampf, den man oft als Krieg bezeichnen konnte, einen Kleinkrieg mit Behörden, Lehrer*innen und Schulleiter*innen und mit bzw. gegen andere Eltern, die glauben, ihr Kind würde darunter „leiden“, wenn ein Kind mit Behinderung neben ihm auf der Schulbank säße. Dieser Kleinkrieg war oft zermürbend, man brauchte einen sehr langen Atem und musste viel Gegenwehr aushalten, ein mühsamer „Belagerungskrieg“.

Das neue Recht auf inklusive Beschulung ist ein Teil der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, die seit 2008 in Kraft ist. Es ist ein unglaublich wichtiger Schritt hin zu einem selbstbestimmten, bunten und auch individuelleren Leben von uns allen. Denn Inklusion meint ja nicht, wie oft völlig verkürzt dargestellt, „nur“ die Integration von Menschen mit Behinderung. Inklusion bedeutet eine größere Sichtbarkeit des Individuums. Für den schulischen Bildungsweg bedeutet Inklusion in einer vollständigen Umsetzung, dass bei allen Schüler*innen genau hingeschaut wird, was ihre Stärken und Schwächen sind und wo und wie sie bestmöglich gefördert und gefordert werden können.

Klar, Inklusion klappt (noch) nicht überall, viel Engagement ist nötig und oft viel Improvisation. Wir wissen, dass es noch nicht rund geschweige denn perfekt läuft. Aber das liegt im Zusammenhang mit der Schule eigentlich nicht am Thema Inklusion, sondern daran, dass es einfach nicht ausreichend Lehrer*innen gibt, dass die Klassen viel zu groß sind und die Schulen finanziell viel zu schlecht ausgestattet sind. Mit 33 anderen Kindern kann kein Kind optimal und individuell von einer/m Lehrer(in) gefördert werden.

Schulische Inklusion ist die Vision, dass wir unseren Schüler*Innen ein Lernen ermöglichen, was individuelles Fordern und Fördern ermöglicht, und das nicht nur bei Kindern mit Behinderung, sondern auch bei besonders begabten, bei besonders leisen und bei besonders lauten Kindern, bei sportlichen und musikalischen oder phantasiebegabten. Eben eine optimale Förderung für alle.

Für den diesjährigen Buß- und Bettag wünsche ich mir, dass wir alle einmal in uns gehen und uns selbst ehrlich hinterfragen im Hinblick auf uns eigenes Denken und auch konsequentes Handeln.

Sind in meinen Augen alle Menschen gleich wertvoll?

Handele ich dementsprechend?

Wen grenze ich aus und warum?

Ich persönlich wünsche mir, dass Inklusion, ob nun in der Schule oder anderswo, als Chance begriffen wird. Als Chance dafür, genauer hinzugucken, den einzelnen Menschen deutlicher in seine Fassetten wahrzunehmen und nicht zu versuchen, alle über einen Kamm zu scheren. Kein Mensch ist wie der andere, jeder ist besonders. Wenn wir das wissen, wirklich verinnerlicht haben und tatsächlich umsetzen wollen, dann stellt sich mir die Frage, warum wir versuchen, Unterricht so durchzuführen, als seien alle gleich, als würde für alle der gleiche Maßstab gelten, als seien alle einheitlich. Hoffen wir, dass wir in einigen Jahren auf diese gesetzliche Verankerung von schulischer Inklusion genauso zurückblicken wie heute auf das Recht der Frauen zu wählen. Dann ist nicht nur ein „Krieg“ für Eltern mit Kindern mit Behinderung beendet, sondern auch das Fundament für eine bunte Gesellschaft geschaffen. Denn auch unsere Kinder werden erwachsen und sind dann mit der Erkenntnis „groß geworden“, dass die Gesellschaft bunt gemischt ist und dass das die Normalität ist.

Und dann, dann sind sie wieder alle gleich, unsere Kinder, gleich gut gefordert und gefördert, gleich vor dem Gesetz, gleich wertvoll. Dann sind alle Menschen gleich, vor Gott und auf der Erde.

 

Nora Langerock-Siecken
Referentin für Arbeit und Soziales
KWA
Arnswaldtstraße 6
30159 Hannover
Tel.: 0511 473877-13
E-Mail

Was ist nötig um „heute einen Krieg zu beenden“?  Gewalt überwinden, Frieden fördern – zu Ziviler Konfliktbearbeitung beitragen

Was ist nötig um „heute einen Krieg zu beenden“? Gewalt überwinden, Frieden fördern – zu Ziviler Konfliktbearbeitung beitragen

Seit Kriegsflüchtlinge vermehrt in Deutschland Schutz suchen und in der Ukraine Krieg herrscht, ist die Notwendigkeit Kriege zu beenden, Frieden zu schaffen und Gewalt zu überwinden wieder verstärkt in unser öffentliches Bewusstsein gerückt. Wie wir wissen, gibt es auf dem Weg zu einer Welt mit mehr Gerechtigkeit, in der alle Menschen in Würde leben können, unausweichlich viele Konflikte zu bewältigen. In unser globalisierten Welt tragen wir alle direkt oder indirekt zu Konflikten bei. So hängen viele Konflikte, die die Menschen im globalen Süden betreffen, auch mit unserer Politik und unserer Lebensweise zusammen. Um diese Konflikte nicht in Gewalt oder gar Kriege münden zu lassen, müssen deren Ursachen erkannt und mit zivilen Mitteln bearbeitet und überwunden werden. Die zivile Konfliktbearbeitung befasst sich dabei mit folgenden Fragen: Was ist zu tun, damit Konflikte gewaltfrei ausgetragen werden können? Und wie können Beziehungen auf Augenhöhe aufgebaut werden, damit Gewalt beendet und Lösungen für Konflikte gesucht werden können? In welchen Zusammenhang ist der Konflikt entstanden und wie kann man die Ursachen überwinden? Die Zivile Konfliktbearbeitung erarbeitet die Lösungen gemeinsam mit den Betroffenen und möchte mit ihren Methoden neue Gewalt verhindern. Brot für die Welt unterstützt Partnerorganisationen in vielen Teilen der Welt, die diesen auf Frieden setzenden Ansatz verfolgen und auf Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und eine grundlegende Verbesserung der Lebensbedingungen und Perspektiven für die Betroffenen hinarbeiten – und damit einen wichtigen Beitrag zur Überwindung von Kriegen und Gewalt leisten.

Gewalt hat viele Ursachen

Syrien, Jemen, Afghanistan, Südsudan, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Myanmar – die Liste der Länder, in denen gekämpft und getötet wird, ließe sich leicht fortsetzen. Die massivste Gewalt wird ohne Zweifel in Kriegen ausgeübt, doch es gibt viele andere Formen der Gewalt, die das Leben der Betroffenen zerstören und die globale Dimension von Konflikten verdeutlichen. Etwa wenn ein multinationaler Konzern mit Unterstützung der Regierung eine Bäuerin von ihrem Land vertreibt, um dort großflächig Soja für den Export anzubauen. Oder wenn Rassisten eine Anwältin bedrohen, weil sie sich für die Rechte ethnischer Minderheiten einsetzt. Oder wenn ein Bergbau-Unternehmen mit seinen Minen die Umwelt und damit die Lebensgrundlage einer indigenen Dorfgemeinschaft zerstört.

Der Anteil Deutschlands an gewalttätigen Konflikten

Derzeit wüten die meisten gewaltsamen Konflikte außerhalb Europas. Im Jahr 2017 gab es weltweit 36 Konflikte mit hoher Gewaltintensität, 20 davon hat das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung als Kriege eingestuft. Auch wenn diese Konflikte ferne Länder betreffen, haben politische Entscheidungen in Europa und Deutschland erheblichen Einfluss darauf. Unser Konsumverhalten, unsere Handels- und Wirtschaftsinteressen und die dazugehörige Politik können zu Landraub und Vertreibung führen. Damit verschärfen sie Konflikte und deren Ursachen. Die deutsche Rüstungs- und Sicherheitspolitik haben oft sogar gewaltfördernde Wirkung, weil Waffen in Konfliktregionen geliefert werden. Da Deutschland einer der größten Exporteure von Klein- und Leichtwaffen ist, sterben Menschen auch durch deutsche Waffen.

Konflikte müssen nicht zu Gewalt führen

Konflikte sind natürliche und notwendige Bestandteile des Zusammenlebens von Menschen. Oft sind sie Anlass für gesellschaftliche Veränderung. Es geht nicht darum, Konflikte zu unterdrücken, sondern einer gewaltsamen Eskalation vorzubeugen. Um Kriege zu beenden, müssen die Ursachen für Gewalt und Unfrieden überwunden werden. Dazu zählen die ungerechte Verteilung natürlicher Ressourcen, extreme Wohlstandsgefälle sowohl national als auch global, Unterdrückung gesellschaftlicher Minderheiten, Verletzung der Menschenrechte und die Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen.

Wo Konflikte entstehen, kann  zivile Konfliktbearbeitung dazu beitragen, dass die schwierigen Beziehungen der Konfliktparteien verbessert und gemeinsame Lösungen gefunden werden. So kann die Grundlage für ein friedliches Miteinander geschaffen werden. Doch das setzt langfristiges und an lokalen Bedingungen orientiertes Engagement voraus. Bei der Entwicklung von Konzepten zur Förderung friedlicher Konfliktaustragung ist es deshalb unersetzbar, die betroffene Bevölkerung intensiv zu beteiligen und mit ihnen gemeinsam die Prozesse zu einem gerechten und nachhaltigen Frieden zu gestalten.

Was Brot für die Welt tut

Wir setzen uns gemeinsam mit unseren zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen weltweit dafür ein, das Potentiale für ein friedliches Miteinander zu stärken und gewaltfreie Formen der Konfliktbearbeitung zu entwickeln. Dabei helfen uns unsere langjährige Erfahrung, innovative Maßnahmen und internationale Vernetzung. Während und nach Konflikten unterstützen wir die Menschen vor Ort in ihren Friedensbemühungen und beim Wiederaufbau des zerstörten Gemeinwesens. Auf der politischen Ebene weisen wir auf die oft konfliktfördernde Wirkung deutscher und internationaler Politik hin und setzen uns für die Beteiligung lokaler Friedensakteure sowie für abgestimmtes und konfliktsensibles Regierungshandeln ein. Außerdem fordern wir, den Export von Waffen stark einzuschränken und langfristig ganz einzustellen (s.a. https://info.brot-fuer-die-welt.de/blog/stopp-kleinwaffenexporten). Zudem muss die Politik Lizenzen zum Nachbau deutscher Waffen zurücknehmen, Maßnahmen zur Abrüstung verstärken und bereits produzierte Waffen verschrotten.

 

 

z.B. Projekt in der DR Kongo

Handwerk führt Kindersoldaten auf den rechten Weg zurück

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Was Sie tun können

Jeder kann dazu beitragen, dass Konflikte weltweit friedlicher ausgetragen werden und Menschen im Globalen Süden ein Leben in Sicherheit und mit Entwicklungsperspektiven haben. Schreiben Sie Briefe an Abgeordnete, unterstützen Sie Petitionen und nehmen Sie an Demonstrationen teil. So können Sie sich dafür stark machen, dass der Globale Norden sich künftig stärker für eine friedensfördernde Entwicklungszusammenarbeit einsetzt, statt Konflikte durch Waffenexporte und konfliktverschärfende Politik eskalieren zu lassen. Auch ein Wandel des eigenen Konsumverhaltens und eine Reduzierung des individuellen Energie- und Rohstoffverbrauchs können dazu beitragen, Konflikten um knapper werdende Ressourcen vorzubeugen. Sprechen Sie darüber auch mit Ihrer Familie, Ihren Freundinnen und Freunden sowie Kolleginnen und Kollegen. Denn je mehr Menschen sich für Frieden stark machen, desto größer ist die Chance, Konflikte in Zukunft häufiger friedlich zu lösen. Auch Spenden für Hilfsorganisationen, die sich vor Ort engagieren sind wichtig und Sie können auch bei Brot für die Welt mit einer Spende zur Verbesserung der Lebenschancen aller Menschen und an der Arbeit zur weltweiten Verwirklichung der Menschenrechte und einer Kultur des Friedens beitragen!

Material zum Downloaden unter https://www.brot-fuer-die-welt.de/themen/frieden/

Unser Leitbild für den Frieden

Was heißt friedenslogische Flüchtlingspolitik? In dieser Publikation wird unter anderem ein alternatives Szenario einer von „Friedenslogik“ geleiteten Flüchtlingspolitik entworfen.

Download (PDF)

 

Weitere Materialien für Sie thematisch zusammengestellt:

Fachpublikationen zum Thema Frieden

Caroline Kruckow, Referentin für Frieden und Entwicklung bei Brot für die Welt

Heute einen Krieg beenden – ein Anfahrtsversuch

Heute einen Krieg beenden – ein Anfahrtsversuch

Wie Tim aus dieser Twitter-Nachricht kann man sich leicht fühlen. Ganz wenig Frieden in sich selbst tragen, auch innerlich zerrissen sein angesichts der vielen oft konfliktiven Ereignisse um einen herum. Sei es durch Umbrüche in der großen Weltpolitik beeinflusst, durch innergesellschaftliche Konflikte und Schieflagen oder durch innere Kriege mit sich selbst oder seinem nächsten Umfeld – alles das kann lähmen oder einen auf Wege treiben, aus denen man sich nur schwer lösen kann und die scheinbar nicht zu einer Beendigung dieser Kriege und Konflikte führen.

So ging es wohl auch Peer Gynt selbst, dem Protagonisten des Dramas von Henrik Ibsen aus dem Jahre 1874, welches Edvard Grieg – nebenbei gesagt nur mit großen Mühen und über zwei Jahre lang – vertonte. Peer Gynt, so liest sich in dem Drama, ließ sich seit seiner Jugend orientierungslos durch die Welt treiben, legte unterwegs viele moralischen Werte ab, um durchzukommen. Peer Gynt betrog und raubte – und wurde selbst auch oft betrogen und beraubt. – Aber er schafft es nicht allein, sein Leben in friedlichere Bahnen zu führen.

Natürlich kann man sich in turbulenten und unsicheren Zeiten, in inneren und äußeren Kriegsmomenten mehr auf sich besinnen, kann achtsamer werden oder versuchen, mit äußeren Gegebenheiten leben zu lernen. Aber bringt das Frieden? Führt einen dieses auf einen Weg, der Kriege beendet oder verbreitert es doch nur den Radius beim Kreisen um sich selbst?

In den letzten Wochen bin ich zufällig immer wieder jenseits massenmedialer politischer und gesellschaftlicher Berichterstattung über kleine Geschichten und Fragmente gestolpert, die mich fasziniert haben, ohne dass ich genau verstanden habe, warum. Mit der Morgenstimmung im Ohr merke ich nun, dass es insbesondere Informationen und Bilder über drei unterschiedliche Frauen waren, deren persönliche Haltung bei den jeweils sie umgebenden Konflikten für mich wegweisend erscheinen.

Da ist zuerst einmal Amel Karboul, eine muslimische Tunesierin, deren überraschende politische Karriere als Tourismusministerin in ihrem Heimatland durch den Arabischen Frühling ermöglicht wurde, aber eben auch nach nur zwei Jahren wieder vorbei war. Seitdem ist sie zwar überaus erfolgreich international als Führungskräftecoach unterwegs, zahlt dafür aber auch einen hohen Preis und fühlt sich immer als Fremde und einer Heimat beraubt.

Dieses Gefühl als Stärke umzumünzen und nun vorwiegend weißen, christlich geprägten Männern gesetzteren Alters Offenheit, Perspektivwechsel und Pragmatismus im internationalen Wirtschaften beizubringen, ist nur eine Facette von ihr. Zusätzlich engagiert sie sich im Namen vieler NGOs und Think Tanks für gerechte Bildungschancen.
Mich persönlich hat gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Renationalisierungstendenzen in Europa und Übersee ihre eingängige und mit Leichtigkeit vorgetragene Argumentation beeindruckt und für einen Perspektivwechsel gesorgt, den ich seitdem immer gerne mal wieder folge. Amel Karboul plädiert aus ganz rationalen Gründen für eine engere Kooperation zwischen Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten, für ein gemeinsames Regionsverständnis, bei der sich das demographisch alternde Europa mit seinem hohen (Management-)Wissen aufs Beste mit gut ausgebildeten jungen nordafrikanischen Arbeitskräften und den finanziellen Mitteln des Nahen Ostens kombinieren ließe.

Da ist das Foto einer jungen verschleierten Frau, die sich dem Betrachter mit strahlendem Lächeln zudreht und mit zum Victory-Zeichen gespreizten Fingern an einer Straße entlanggeht. Das Foto, ein Schnappschuss, hat eine magische Anziehungskraft und hat sich Ende August 2018 in den Sozialen Medien viral verbreitet. Es handelt sich bei der Frau um die Iranerin Roya Saghiri, eine junge Studentin, die im Juli zu 23 Monaten Haft verurteilt wurde und auf dem Weg zum Haftantritt fotografiert wurde.

Roya Saghiri ist durch dieses Foto das Gesicht für die vielen Frauen im Iran, die seit einiger Zeit gegen ihre Unterdrückung durch das autoritäre Regime im Iran protestieren. Diese Frauen legen ihr Kopftuch ab, bewegen sich ungezwungen in der Öffentlichkeit, stellen Fotos und Videos davon online und solidarisieren sich untereinander mit Hilfe sozialer Netzwerke. Roya hatte Ende Dezember 2017 an einer Protestaktion teilgenommen, die gleichzeitig in rund einhundert iranischen Städten stattfand und dabei ihr Kopftuch abgelegt, um für Frauenrechte zu protestieren. Dafür wurde sie zusammen mit anderen Demonstranten auf dem Sa’at-Platz in Täbris verhaftet. Landesweit sollen nach Angaben der Washington Times rund 8000 Menschen für die Teilnahme an den Protesten im Dezember 2017 und Januar 2018 verhaftet worden seien.

Und vor kurzem hing da in einer Fotoausstellung im Wolfsburger Kunstmuseum dieses Bild einer Frau aus dem Jahre 1968, das Gesicht spiegelt gleichzeitig tiefe Trauer und freudige Hoffnung wider. Und sie hält, nein sie reckt vor der Kirche ein Kreuz in die Höhe, um ein Bekenntnis zu setzen, während sie der Beerdigungsfeier von J.F. Kennedy beiwohnt. Der Name dieser Frau ist leider nicht bekannt. Robert Lebeck, der Fotograph, widmet ihr dennoch einen prominenten Platz in einer der Fotoreportagen, mit dem er die gesellschaftliche Stimmung in den USA aus dem Jahre 1968 dokumentiert.

„Mein Bruder muss nicht idealisiert werden oder im Tode größer gemacht werden als er im Leben war; er sollte einfach erinnert werden als guter und ehrlicher Mann, der Unrecht sah und versuchte Recht zu schaffen, der Leid sah und versuchte, es zu lindern, der Krieg sah und versuchte, ihn zu stoppen.“ Ted Kennedy, Trauerrede für seinen Bruder Robert F. Kennedy

Was haben diese Frauen alle gemeinsam? Sie alle haben ihren inneren Kompass gefunden, sie glauben – an ihren Gott, an gesellschaftliche Werte, an das friedliche Zusammenleben von Menschen. Und sie stehen dafür öffentlich ein, über ihren individuellen Rahmen hinaus.

Mit diesem Schritt über den eigenen Tellerrand beginnt für mich der erste Schritt, einen Konflikt zu befrieden und Kriege zu beenden.

Welch Kraft und welch Geschenk ist dafür der Glaube! Dieser hilft über den steinigen Beginn dieses Weges, der manchmal erst durch tiefe Täler führt. Bei den drei Beispielen ins Gefängnis, über unvorhergesehene Wendungen im Beruf oder erst einmal über tiefe Trauer.

Bei Peer Gynt ist es eine Frau, Solvent, die seine Seele Jahrzehnte später durch ihre ungebrochene Liebe zu ihm rettet, auch wenn sie von ihm betrogen und hintergangen wurde. Und auch bei der Musik beginnt in der Morgenstimmung für Peer Gynt der neue Tag erst, wenn sich die dunklen Wolken lichten und – so wird es von Grieg selbst überliefert – die Sonne beim ersten Fortissimo sich ihren Weg durch die Wolken bricht.

 

link Youtube "Morgendämmerung"

Annelies Bruhne
Referentin für Wirtschaft und Europa
KWA
Arnswaldtstraße 6
30159 Hannover
Tel.: 0511 473877-14
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Heute einen Krieg beenden – ein persönlicher Brief

Heute einen Krieg beenden – ein persönlicher Brief

Ich habe heute etwas gelesen, das mir bekannt vorkam und folge nun einem Impuls der Hoffnung: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen ebenso“ (Mt. 7,12 und Lk. 6,31)

Ich möchte Dich daher etwas fragen. Ich frage nicht alle – nur Dich. Was bin ich Dir eigentlich wert? Wie behandelst Du mich? Was erwartest du von mir, wenn wir uns begegnen?

Du bist enttäuscht über den Verlauf unserer Arbeitsbeziehung. Du bist unsicher, wie du mir begegnen sollst? Das ist, weil Du im Konzert derer mit machst, die mich heimlich oder vor allen Leuten als verschrobenen Kauz hinstellen. Oder – ist Dir noch gar nicht aufgefallen, dass ich darunter leide? Die kleinen und großen abfälligen Bemerkungen meine ich. Die, die ich am Anfang überhört habe und die jetzt wie eine gewohnte Prozedur der seelischen Akkupunktur auf mich einregnen. Weißt Du eigentlich noch wie und wann das angefangen hat – damals?

„Lach doch mal …“, sehr witzig – denn das Lachen ist mir seit langem vergangen.

Zwischenzeitlich wollte ich die Stelle wechseln, weil ich aber bin wie ich bin, wird an einer neuen Stelle wieder jemand auf meine Besonderheiten aufmerksam werden und mich lächerlich machen. Da kann ich genauso gut hier bleiben. Falls es Dir nicht aufgefallen ist, es lacht schon lange keiner mehr. Deine Kommentare sind nicht witzig und es langweilt in gewisser Weise auch.

Wenn Du nicht aufhörst, dann – ja was dann – dann bleibt mir nur erneut der Gang zum Arzt. Vielleicht verschreibt er mir wieder eine Kur, und danach? Selbsthilfegruppe? Rechtsberatung? Mitarbeitervertretung? Alles schon durch, ich bin chancenlos. Ich habe es satt.

Du solltest wissen, dass mich kein Gesetz schützt. Du solltest wissen, dass ich Dir nichts anhaben kann, weil ich gegen Dich keine Chance habe. Du findest Zustimmung im Kreise der Belegschaft. Du kannst gegenüber der Personalabteilung nachweisen, dass meine Arbeitsleistungen immer mehr absacken. Mich ermüdet dieser tägliche Kampf mehr und mehr.

Von den Anderen kann ich nichts erwarten, sie sind sich alle selbst am nächsten und werden den Teufel tun, mich gegen den Strom zu unterstützen. Bei Dir, denn du sprichst doch sonst von Idealen, habe ich noch eine leise Hoffnung.

Kannst du Dir also vorstellen, diesen Krieg zu beenden und mir endlich meinen Frieden lassen?
Oder soll ich „Sie“ sagen?

Dein Mobby Dyck

Peter Grohme
Bildungsreferent Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales der EKKW
Tel: 06456 3059956
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Heute einen Krieg beenden – Coaching eröffnet dazu Möglichkeiten

Heute einen Krieg beenden – Coaching eröffnet dazu Möglichkeiten

Nach dem Politologen Sven Chojnacki ist Krieg eine Extremform der militärischen Gewalt und damit wohl die schlimmste Form der Auseinandersetzung, die sich Menschen gegenseitig antun können. Einen Krieg zu beenden, erscheint daher immer als etwas Gutes und Erstrebenswertes – Leid und Entbehrungen hören auf, etwas Neues kann beginnen. Wenn es gut läuft, entsteht vielleicht sogar dauerhafter Frieden. Für die meisten Menschen ist das eine ganz natürliche Sehnsucht. Eigentlich will niemand Krieg und doch ist die Welt voll davon. Aber welcher Krieg soll heute nun genau beendet werden? Die Auswahl ist groß: Trumps Krieg gegen die Medien, Assats Krieg gegen sein eigenes Volk, ein drohender Handelskrieg zwischen China und den USA, Krieg gegen terroristische Bedrohung, Krieg der Kulturen, Beziehungskrieg, Cyberkrieg oder Geschlechterkrieg. Für den Einzelnen ist es unmöglich, diese Kriege zu beenden. Wenn aber Buß- und Bettag ein Tag des Innehaltens und der Selbstreflexion ist, und sich an diesem besonderen Tag vielleicht Räume für Besinnung, Versöhnung und Umkehr öffnen, dann lohnt es sich schon einmal über die Frage nachzudenken, welche „Kriege“ führe ich eigentlich selber. An welchen Orten führe ich „Krieg“? Warum und wozu führe ich „Krieg“? Wen bekriege ich? Womit bekriege ich den anderen?

Im Coaching können solche Fragen thematisiert werden. S.T.E.P. PRO nach Björn Migge bietet dazu eine gute Möglichkeit. Der Klient wird gebeten, sich eine typische Konfliktsituation vorzustellen, die er gerne bearbeiten möchte. Sobald er sich ganz in seiner Vorstellungswelt befindet, wird er aufgefordert sein imaginäres Gegenüber verbal anzugreifen. In diesem geschützten Raum wird ihm erlaubt nach Herzenslust loszuschimpfen und all seinem Ärger Luft zu machen. Nicht selten kommt es zu einem großen „Kriegsgeheul“, begleitet von Emotionen, Wutausbrüchen und lautem Geschrei. An diese sehr persönliche und aufgeheizte Einheit schließt sich eine abgekühlte und eher rationale Phase an. Coach und Klient reflektieren in einem sokratischen Dialog, was in diesem imaginären „Kriegsgeschehen“ eher der Wirklichkeit entspricht und welche Anteile einer übersteigerten Phantasie, Wertung und persönliche Interpretation entspringen. Außerdem wird die Frage aufgeworfen, welchen Nutzen der Klient von seinem Verhalten hat und welcher Preis damit verbunden ist. Was passiert, wenn er sein Verhalten ändern würde? Welcher Preis wäre damit verbunden? Gäbe es auch Vorteile? Vielen Klienten wird in dieser Phase bereits deutlich, welche eigenen Anteile sie in diesen „Krieg“ einbringen. Gerade das, was wir bei uns selbst so schlecht ansehen können, projizieren wir gerne auf andere, um es dort zu bekämpfen. Zumeist beginnt in dieser Phase ein erstes Nachdenken darüber, welche emotionale Entlastung mit einem Waffenstillstand oder einer friedlichen Aussöhnung verbunden wäre.

Am Ende wird der Klient gebeten, seinen Zeigefinger umzudrehen und auf sich selbst zu zeigen. Die Frage, die sich dann stellt, lautet: Und was hat dieser ganze „Kleinkrieg“ mit mir selbst zu tun? Pause, schweigen, innehalten, nachdenken – oft fallen alle Masken, nicht selten gibt es Tränen. Was passiert, wenn ich mich selbst erkenne? Meine eigene Schuld an diesem ganzen Dilemma zugeben muss? Mit Gottes Hilfe kann ich umkehren und einen Neuanfang wagen. Vielleicht gelingt es mir, auf meinen „Feind“ zuzugehen, um „Heute einen Krieg zu beenden“.

„Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde unter uns.“  (Lied  von Christoph Lehmann und Thomas Laubach)

Dr. Axel Brassler
Geschäftsführer
Evangelischer Verband
Kirche Wirtschaft Arbeitswelt (KWA)
Arnswaldtstraße 6
30159 Hannover
Tel.: 0511 473877-11
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Heute einen Krieg beenden – Konflikte in Unternehmen bearbeiten

Heute einen Krieg beenden – Konflikte in Unternehmen bearbeiten

Es gibt einen Zusammenhang zwischen auftretenden Konflikten und der Motivation von Mitarbeitenden. Man kann zwar nicht sagen, dass ein konfliktarmes Arbeitsverhältnis automatisch die Mitarbeitenden motiviert, aber andersherum gilt das auf alle Fälle. Da wo es eine Menge Konflikte gibt, fehlt häufig die Motivation für zufriedenstellendes Arbeiten und zufriedenstellende Arbeitsergebnisse.

In Zeiten da Arbeitskraft in im Übermaß vorhanden ist, lässt sich auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden gut verzichten. Manchen Firmeninhabern, Managern und Vorgesetzten waren die Menschen in den Betrieben oder Einrichtungen trotzdem wichtig. Diese Betriebe haben in den nun auf uns zu kommenden Jahren schon eine Philosophie vorzuweisen und Erfahrung in Führungsfragen erworben. Anderen wird erst die „Not am Mann, die Not an der Frau“ klar machen, dass die Art und Weise des Miteinanders bei der Wahl des Arbeitsplatzes mitentscheidet.

Aus den Personalabteilungen einiger klein- und mittelständischer Unternehmen, vor allem in ländlichen Gebieten und von Handwerkern hören wir, dass geeignete Mitarbeitende zu finden, ein Problem ist. Die Gründe dafür sind vielfältig, genauso die Maßnahmen, die für Werbung für die freien Stellen eingesetzt werden. Es wird teilweise viel Geld ausgegeben, um Mitarbeitende anzuwerben. Das ist eine Seite der Problematik. Andere drehen sich um die Frage, ob und wie es gelingt qualifizierte und motivierte Mitarbeitende im Betrieb zu halten.

Die Hemmschwelle ein Unternehmen zu verlassen sinkt aus vielfältigen Gründen. Die Bindung der Mitarbeiter an ihre Unternehmen ist allgemein gering. Nur ungefähr jeder achte Mitarbeitende hat eine hohe emotionale Bindung zum Unternehmen. Umfragen, Statistiken und Datenerhebungen gibt es viele zum Thema. Die Aussagen gehen dabei eindeutig in eine Richtung. Geld ist nicht so wichtig wie man denken mag, sondern die Unternehmenskultur nimmt den höchsten Stellenwert ein. Interessant ist auch, dass bei den Ursachen für Fehlzeiten, psychische Probleme in die Spitzengruppe gerückt sind (Fehlzeiten-Report 2017).

Nicht allen Konflikten soll und muss aus dem Wege gegangen werden und keinesfalls sind alle Konflikte zu vermeiden. Manche Konflikte sind sogar sehr hilfreich. Ungelöste persönliche Konflikte am Arbeitsplatz aber nehmen dem Mitarbeitenden die Freude und die Motivation an der Arbeit, wirken sich daneben negativ auf das Privatleben aus und machen letztlich krank.

Wer sich die Klagen mancher Betriebsräte, Personaler und Mitarbeiter anhört, die meist unter vorgehaltener Hand mitgeteilt werden, kann kaum zu glauben, von welchen Zuständen berichtet wird. Die menschliche Verwahrlosung im Umgang miteinander geht in manchen Betrieben, Organisationen und Behörden ins Unsägliche. Ich ertappe mich dabei, vieles zu relativieren und lieber wegzuschauen, weil ich nicht bereit bin zu glauben, was sich hier und da abspielt.

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind teilweise durch die Arbeit an sich gegeben. Wer im Job mit Not, Elend, Krankheiten oder Schicksalskrisen aller Art konfrontiert ist, erlebt zweifelsohne starke psychische Belastungen und muss damit umgehen lernen. Diese Nöte gibt es. Wir müssen dankbar sein für alle, die sich den Aufgaben in diesen Feldern stellen.

An fehlende Führungskompetenz, mangelnden Respekt im Umgang miteinander, Maßlosigkeit, Vorteilsnahme, Macht- oder Amtsmissbrauch, muss, kann und will ich mich aber nicht gewöhnen. Solches wird dennoch viel zu oft hingenommen. Keine Frage, dass sich Mitarbeitende nicht mehr für ihre Arbeitgeber interessieren und nur noch Dienst nach Vorschrift machen. Dabei hat doch jeder einmal mit Elan angefangen. Manche Arbeitgeber haben das verstanden und arbeiten daran. Zusammen mit ihren Mitarbeitenden schaffen sie Strukturen, die am Ende allen Nutzen bringen.

Aber nicht nur Führungsebenen lassen im Umgang mit Weisungsempfängern Fragen offen. Die Solidarität auf gleicher Hierarchieebene lässt ebenfalls nach. Machtgebaren, Niedertracht, Neid oder Missgunst sind Hauptbeweggründe, warum sich Mitarbeitende untereinander das Leben zur Hölle machen. Kaum zu glauben, dass höhere Ebenen das nicht sehen wollen und die Chancen liegen lassen, durch ein besseres Konfliktmanagement zumindest die verlorengehenden Ressourcen zurückzugewinnen. Ein besserer Umgang miteinander könnte ja vielleicht als Kollateralgewinn mitgenommen werden.

Im schlimmsten Falle aber passiert es, dass als personalplanerisches Mittel, Soziopaten zum Abwracken eingestellt werden. Deren Job ist es, unliebsame Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen so unter Druck zu setzen, dass sie über die Schiene des psychischen Zusammenbruchs die Stelle räumen müssen. Für derlei Handeln gibt es Seminare und Hilfestellung durch Fachanwälte. Es gibt sozusagen einen Ausbildungsmarkt für soziales Fehlverhalten. Das ist bekannt und bleibt doch weitestgehend medial unkommentiert und auch seitens der Politik wird nicht wirklich etwas dagegen unternommen. Wer möchte eigentlich bei einem so handelnden Arbeitgeber beschäftigt sein?

Zu einem direkt Betroffenen gehören Familie, Verwandte, Freunde und Bekannte. Die Zahl derer, die sich durch Fehlverhalten „von irgendwo da oben“ betroffen fühlen können, ist also Größer als die Zahl der direkten Opfer. Motivierend ist das nicht.

Wenn die Kosten für krankmachendes Verhalten von den Verursachern getragen werden müssten, käme Bewegung ins Spiel. Die Kosten trägt aber in doppeltem Sinne die Gemeinschaft der Krankenkassenbeitragszahler. Das motiviert auch nicht.

So trägt es sich natürlich nicht überall zu, aber leider all zu oft. Das sich, wie oben beschrieben, nur eine geringe Prozentzahl Mitarbeitende ihrem Arbeitgeber gegenüber emotional verbunden fühltr und dafür ein ebenso großer Anteil sich in innerer Emigration befindet, hat sicher auch damit zu tun, dass auf das seelische und psychische Wohl der Arbeitenden zu wenig Wert gelegt wurde. Auf Dauer können wir uns das als Gesellschaft aber gar nicht leisten. Es besteht geradezu eine Notwendigkeit mit den Mitarbeitenden das Minenfeld gegenseitigen Umgangs zu räumen.

In der Pflicht stehen die Vorgesetzten. In alle Hierarchieebenen gehört die Aufgabe für respektvollen Umgang zu sorgen. Ein Ziel könnte heißen, dass in meinem Verantwortungsbereich die Arbeitenden ein Umfeld vorfinden, das ihnen Respekt und psychische Unversehrtheit gewährt. Führen muss besser gelehrt und gelernt werden.

Das Maß der Arbeitszuteilung soll nicht über und nicht unterfordern. Hierbei ist auch ein generelles Umdenken gefordert. Die Menschen sind nicht gleich und haben deswegen auch unterschiedliche Möglichkeiten Arbeit zu leisten. Es muss neue Modelle geben, die das berücksichtigen. Jedenfalls da, wo immer das möglich ist.

In der Pflicht stehen aber auch die Mitarbeitenden und Weisungsempfänger. Teilweise kindisches Einfordern von Gleichbehandlung, die Verdrängungskämpfe, Neid und Missgunst sind allgegenwärtige Phänomene und sie sind gewissermaßen unerträglich. Wir alle tragen auch Verantwortung füreinander. Dieses Bewusstsein muss zurück in unser Denken. Wenn Verantwortung immer nur auf Andere abgewälzt wird, zerbricht unser System an uns selbst. Solidarität untereinander und Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber sollten keine Gegensätze sein.

Jeder Einzelne kann an seinem Arbeitsplatz zum beenden dieses Krieges beitragen. Jeder Betrieb, der ein gutes Konfliktmanagement betreibt, kann damit werben und sollte unterstützt werden.

Heute einen Krieg beenden? Das geht!

Quellen:

– TÜV-SÜD: https://www.tuev-sued.de/uploads/images/1345810110112213890885/studie-bei-mitarbeiterzufriedenheit-liegt-grosses-potenzial-brach.pdf

– Fehlzeiten-Report 2017, Badura, Bernhard u.a. (Hrsg.) Krise und Gesundheit – Ursachen, Prävention, Bewältigung, Springer 2017

Peter Grohme
Bildungsreferent Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales der EKKW
Tel: 06456 3059956
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Heute einen Krieg beenden – Warum eigentlich?

Heute einen Krieg beenden – Warum eigentlich?

Das Motto: „Heute einen Krieg beenden“, löst eher Widerstand aus, da es ein impliziter Appell ist, dass Krieg nicht sein darf und wenn, dass dieser schnell beendet wird, dass Menschen eben nicht mehr streiten dürfen, um etwas zu kriegen, was sie wollen. Dabei ist es heute wichtiger denn je zu kämpfen, für etwas einzustehen, sich verantwortlich zu zeigen für sein eigenes Leben, sein familiäres und berufliches Umfeld, aber auch für das System, in dem wir leben. Unter Krieg bezeichnet man neben der militärischen Bedeutung schlicht eine Auseinandersetzung oder einen Streit zwischen Partner*innen im weitesten Sinne. Dieser Bedeutung folgend, ist es nicht unbedingt immer erstrebenswert, vorschnell in die Beendigung zu gehen, um die Harmonie zu wahren. Denn eine Auseinandersetzung hat einen guten Grund und erst durch die Darlegung von unterschiedlichen Positionen wird das Leben vielfältig und spannend.

Anlehnend an den Slogan lohnt es sich eine Ermutigung zum Buß- und Bettag auszusprechen, nämlich darüber nachzudenken, wofür man und frau kämpfen, wofür sie stehen, wofür sie streiten, wofür sie leben. Von daher ließe sich der Leitsatz in „Heute einen Kampf beginnen“ umdeuten, denn es lohnt sich darüber nachzudenken, für welche Werte jede*r einzelne steht, für die es sich lohnt zu kämpfen, wofür sich der Widerstand lohnt, etwas zu behalten und zu kriegen, selbstverständlich mit friedlichen Mitteln, nicht mit Waffengewalt.

Gila Zirfas-Krauel 
Referentin für Bildungsmanagement und Netzwerkarbeit 
KWA
Arnswaldtstraße 6
30159 Hannover
Tel.: 0511 473877-16
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Wir haben Angst vor der vielen Gewalt
die allenthalben durch unsere Tage schwappt
und die nicht nur auf den Straßen stattfindet
sondern auch unsere Herzen vergiftet
Sie hat viele Gesichter, die Gewalt!

Gewalt erzeugt Gegengewalt – nie war das anders
Wir versuchen die eine Gewalt mit der anderen aufzuhalten
und erreichen nur noch mehr Gewalt
und dann denken wir: „Es war wohl noch nicht genug“…

Und so treiben sie an, die Spirale nach unten –
hin in Unsicherheit und Angst und Misstrauen
gegen letztlich alles und jeden

Und dann rufen wir nach der Polizei, die soll uns schützen,
weil wir noch mehr Angst haben
vor letztlich allem und jedem

Dieses Denken ist ein Energiefresser!

Weil wir immer an den Möglichkeiten der Lösung vorbeistolpern
Weil wir nicht ernsthaft fragen, wo Gewalt ihre Ursache hat
Weil viele von uns vorschnell auf die fahrenden Züge aufspringen,
die von denen gesteuert werden und angeheizt,
die glauben, die vermeintliche Ursache zu kennen…

Sie schaffen aber nur Feindbilder!
Eine angemessene Analyse bleiben sie schuldig
während sie weiter ihre alten Parolen rufen,
die unser Land schon einmal fast in den Untergang geführt haben

Manchmal rufen sie auch neue Parolen
und führen uns damit in die Irre…

Ihr Denken aber ist das gleiche geblieben:
Es führt weit weg von Mitmenschlichkeit und Toleranz
Viele folgen bereits diesem gefährlichen Weg und hinterfragen ihn nicht…
Sie möchten so gerne glauben,
dass es einfache Lösungen gibt gegen die Ursachen von Gewalt
Aber es gibt sie nicht – weder auf der Straße, noch im Herzen!

Deshalb brauchen wir alle Energie,
damit wir nicht dem Schwarz-Weiß-Denken anheim fallen

Wir brauchen alle Energie, um zu fruchtbaren Lösungen zu gelangen
Wir brauchen all unsere Energie – um unser Zusammenleben zu schützen und zu gestalten
Um miteinander zu reden – über die Probleme, die wir miteinander und mit der Welt haben
Um einander kennen zu lernen – über alle Nationalitäten und Religionen hinweg oder durch sie hindurch
Um uns einander zu öffnen – in der gemeinsamen Suche nach den Ursachen
Wir brauchen unsere Energie, um einander zu helfen – denn jede Nation und jede Religion leidet unter ihren extremistischen Auswüchsen
Wir brauchen unsere Energie, um einander Sicherheit zu gewähren – in unserer Stadt und anderswo
Um einander die Ängste zu nehmen, weil die uns krank machen – jede*n von uns, unsere Familien, unsere Gesellschaft, die ganze Welt

Wir brauchen unsere Energie für die Erhaltung des Friedens und der Freundlichkeit!
Weil wir in Frieden und Freundlichkeit miteinander leben wollen – hier und anderswo!
Ohne Angst vor Gewalt!
Und ohne Hass im Herzen –
weil der alles Gute in dieser Welt verhindert…

Friede sei mit uns allen!

—–

„Werbung“ ist ein Prosatext von Martina Spohr aus dem Jahr 2014, der Beginn der Pegida-Demonstrationen

Martina Spohr
Bildungsreferentin Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales der EKKW
Tel: 0561 7036948
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