Saisonarbeiter lag zwei Tage ohne Hilfe auf dem Boden – jetzt ist er tot

Liebe Kol­le­gin­nen und Kollegen, liebe Weg­be­glei­ter: innen aus Kirche, Politik und Zivil­ge­sell­schaft,

manche Fälle bleiben. Auch dann, wenn man seit vielen Jahren mit Aus­beu­tung, Not und Unge­rech­tig­keit kon­fron­tiert ist.

Der Tod von Janos ist so ein Fall.

Janos kam aus Rumänien nach Baden-Würt­tem­berg, um im Weinbau zu arbeiten. Er wollte seine Familie unter­stüt­zen. Im Oktober erlitt Janos in der Unter­kunft seines Arbeit­ge­bers einen schweren medi­zi­ni­schen Notfall. Über zwei Tage lag er bewusst­los auf dem Boden seines Zimmers. Kolleg: innen und der Arbeit­ge­ber waren vor Ort, dennoch wurde keine Hilfe gerufen. Erst durch ver­zwei­felte Tele­fo­nate seiner Familie über Län­der­gren­zen hinweg wurde schließ­lich Hilfe orga­ni­siert. Janos fiel ins Koma und starb kurz vor Weih­nach­ten.


Janos mit seiner Tochter

Dieser Tod lässt sich nicht als tra­gi­scher Zufall erzählen. Er verweist auf Abhän­gig­kei­ten, auf Wegsehen und auf Struk­tu­ren, in denen Menschen zu aus­tausch­ba­ren Arbeits­kräf­ten werden. In der Bera­tungs­ar­beit von Faire Arbeit Baden-Würt­tem­berg begegnen uns solche Struk­tu­ren immer wieder. In diesem Fall endeten sie tödlich.

Aus christ­li­cher und gesell­schaft­li­cher Sicht ist das nicht hin­nehm­bar. Janos war einer der Unsicht­ba­ren. Und genau dort ent­schei­det sich, wie ernst wir es mit Men­schen­würde, Ver­ant­wor­tung und Soli­da­ri­tät meinen.

Zugleich ist dieser Fall poli­tisch.

Wir pro­fi­tie­ren als Gesell­schaft von Sai­son­ar­beit und mobiler Beschäf­ti­gung. Doch wenn Menschen krank werden, schutz­los sind oder sterben, zeigt sich, wie lücken­haft Kon­trol­len, Zustän­dig­kei­ten und Schutz­me­cha­nis­men tat­säch­lich sind. Das darf nicht als Ein­zel­fall abgetan werden.

Die Bera­tungs­stelle Faire Arbeit Baden-Würt­tem­berg beglei­tet die Familie von Janos derzeit bei Reise‑, Unter­brin­gungs- und Über­füh­rungs­kos­ten, bei recht­li­chen Fragen sowie bei der Auf­ar­bei­tung dessen, was gesche­hen ist. Diese Unter­stüt­zung ist konkret und not­wen­dig.

Wenn Sie die Familie von Janos unter­stüt­zen möchten, können Sie dies über den Spen­den­auf­ruf von Faire Arbeit tun.


Der Spendenaufruf wird von Faire Arbeit verantwortet und ist auf der Webseite von Faire Arbeit sowie über gofundme zugänglich.
Spenden für Janos – faire-arbeit-bw.de
https://gofund.me/17b246cc4

Für Janos. Für seine Familie. Und für eine Gesell­schaft, die Ver­ant­wor­tung über­nimmt und nicht weg­schaut.

 

Kontakt:
Renate Zäckel, Kirch­li­cher Dienst in der Arbeits­welt Baden, Leitung Faire Arbeit Baden-Würt­tem­berg Bera­tungs­stelle für Betrof­fene von Arbeits­aus­beu­tung und Geschäfts­füh­re­rin Faire Arbeit e.V., 0621 28000–172 | Mobil­num­mer 01799284991, 
renate.zaeckel@ekiba.de