Das 11. Forum Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt hat sich im Sephans­stift Hannover mit dem her­aus­for­dern­den Thema Gute Pflege und den damit ver­bun­de­nen Finan­zie­rungs­op­tio­nen beschäf­tigt. Über 70 Teil­neh­mende haben sich zu einem kon­struk­ti­ven Gedan­ken­aus­tausch getrof­fen, um an The­men­ti­schen die momen­tane Situa­tion und Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten zu dis­ku­tie­ren – darunter Aus­zu­bil­dende, Pfle­ge­kräfte, Klinik- und Pfle­ge­di­rek­to­ren sowie Gesund­heits­be­ra­ter und Ver­bands­funk­tio­näre.

In der Keynote machte Pro­fes­sor Dr. Michael Simon deutlich, in welchem Maße die Pflege in Kran­ken­häu­sern von den poli­ti­schen und öko­no­mi­schen Rah­men­be­din­gun­gen abhängt. Diese Rah­men­be­din­gun­gen haben sich in den letzten Jahren stark ver­än­dert, weil es einen fun­da­men­ta­len Wandel im Kran­ken­haus­leit­bild der Politik gegeben hat. Waren früher Kran­ken­häu­ser gemein­wohl­ori­en­tierte Ein­rich­tun­gen der staat­li­chen Daseins­vor­sorge, sind sie heute Wirt­schafts­un­ter­neh­men, die einer Ren­di­te­er­war­tung unter­lie­gen. Beglei­tet wurde diese Ver­än­de­rung mit einer grund­le­gen­den Reform der Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung, die zu dem heute gel­ten­den DRG-Fall­pau­scha­len­sys­tem führte. Nun war nach Ansicht von Pro­fes­sor Simon das Geld nicht mehr Zweck der Kran­ken­ver­sor­gung, sondern die Kran­ken­ver­sor­gung wurde zum Zweck der „Erlös­ge­ne­rie­rung“.

Die anschau­li­chen Folien des gesamten Vor­tra­ges finden Sie hier: Simon (2022) Rah­men­be­din­gun­gen Pflege Im KH

Nach ein­ge­hen­der Dis­kus­sion der Teil­neh­men­den unter­ein­an­der und mit den Expert*innen auf dem Podium wurde deutlich: Kürzere Lie­ge­dau­ern und immer mehr Pati­en­ten mit immer weniger Personal zu ver­sor­gen, steigert zwar kurz­fris­tig die Wett­be­werbs­fä­hig­keit und Ren­di­te­er­war­tung eines Kran­ken­hause, sind aber kein nach­hal­ti­ger Weg für Gute Arbeit in der Pflege und eröffnen auch keine mit­mensch­li­che Form der indi­vi­du­el­len Kran­ken­ver­sor­gung. Vielmehr braucht es neben besseren Gehäl­tern und einem bun­des­weit gel­ten­den Per­so­nal­schlüs­sel auch flexible Arbeits­zeit­mo­delle, mul­ti­pro­fes­sio­nelle Teams, die ein Arbeiten zwischen Ärzten und Pfleg­kräf­ten auf Augen­höhe ermög­licht und eine spürbare Reduk­tion der viel­fäl­ti­gen Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten.

In jüngster Zeit sind poli­ti­sche Anzei­chen für eine Umkehr erkenn­bar. Es bleibt aber abzu­war­ten, ob es zu einer spür­ba­ren Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen in der Pflege kommen wird.

 

Dr. Axel Brassler
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