„Ich habe einen Traum. Ich halte die Welt der schlech­ten Nach­rich­ten einfach an.“

So beginnt ein Text von Marietta Slomka, Jour­na­lis­tin und Mode­ra­to­rin des heute-journals, auf­ge­zeich­net von Marc Kayser. „Geheim­nis­vol­ler Frieden erschüttert die Welt“ meldet RTL in diesem Text, eine weitere Schlag­zeile könnte lauten: „Fürchtet euch nicht! Heute gibt es eine gute Nach­richt, die euch Freude und Frieden bringen wird!“

Unsere Sehn­sucht nach Frieden ist in diesem Jahr beson­ders groß geworden. Viele – viel­leicht auch einige von Ihnen – haben hin und wieder die Nach­rich­ten­sen­dun­gen und Brenn­punkte einmal aus­ge­schal­tet, weil die trau­ri­gen, fürchterlichen Nach­rich­ten von Zer­stö­rung und Gewalt manchmal kaum aus­zu­hal­ten waren.

Nun ist Advent, die Erwar­tungs­zeit vor Weih­nach­ten, und wir bereiten uns auf eine Geschichte vor, die uns bekannt und wohl­ver­traut ist, die von Frieden und Liebe erzählt. Das tut gut, ins­be­son­dere in Zeiten großer Unsi­cher­hei­ten. In dieser Geschichte und unseren Tra­di­tio­nen können wir zur Ruhe kommen, wenn wir auf die ver­trau­ten Melodien und Worte hören. Wir feiern Weih­nach­ten als geradezu den Beginn der guten Nach­richt: Der „Friedefürst“ ist geboren. Die Wochen vor Weih­nach­ten sind Tage der Erwar­tung. Erwar­tung und Hoffnung darauf, dass sich dieses weih­nacht­li­che, warme Gefühl in uns aus­brei­tet. Und wir hoffen zutiefst, dass sich weih­nacht­li­cher Friede auf der ganzen Welt aus­breite.

Doch es kann uns auch die Erkennt­nis beschlei­chen, dass das Erwarten allein nicht aus­reicht. Der Theologe Hans-Martin Lübking schreibt: „Wir warten auf die großen Ereig­nisse, die auch uns so überzeugen, dass kein Zweifel mehr möglich ist. Doch Gott […] kommt nicht, die Welt zu ändern, ohne mich zu ändern. Ver­söh­nung, Friede und mensch­li­che Wärme – all das, wofür ich gerade in der Advents­zeit beson­ders emp­fäng­lich bin, es ereignet sich nicht ohne meine eigene Betei­li­gung. Das ist der Unter­schied zwischen Warten und Hoffen. Der Wartende wartet ab, ob sich etwas ver­än­dert. […] Der Hoffende aber macht sich auf den Weg.“

Nach­rich­ten aus­schal­ten kann uns selbst (kurz­zei­tig) helfen, Atem zu holen und Kraft zu sammeln. Doch lang­fris­tig bekommen wir die Ereig­nisse der Welt mit – weil wir sie mit­er­le­ben und diese Welt auch mit­ge­stal­ten.

wei­ter­le­sen…

 

Laura Kawerau
Refe­ren­tin für den
kirch­li­chen Dienst auf dem Lande
Tel.: 0511 1241–405
E‑Mail