Totalsanktionen bringen Menschen nicht in Arbeit – sondern in die Obdachlosigkeit

Pres­se­mit­tei­lung, 10.11.2025

Die Reform der Grundsicherung müsse Vermittlungshemmnisse abbauen, statt Menschen zu destabilisieren, fordert Pfarrer Peter Lysy, Leiter des kda Bayern.

BERLIN / NÜRNBERG. Beim bun­des­wei­ten „Treffen der Menschen mit Armut­s­er­fah­rung“ in Berlin for­der­ten am Samstag 100 Teil­neh­mende mehr Respekt und Augen­höhe für sich ein. Diese For­de­rung unter­stützt der evan­ge­li­sche Theologe Peter Lysy. Der Leiter des Kirch­li­chen Dienstes in der Arbeits­welt (kda Bayern) kri­ti­siert die aktuelle Debatte um die Grund­si­che­rung.

„Die geplante Umwand­lung des Bür­ger­gel­des in eine „Neue Grund­si­che­rung“ war laut Poli­ti­kern der Regie­rungs­ko­ali­tion mit der Erwar­tung ver­bun­den, durch schär­fere Sank­tio­nen fünf Mil­li­ar­den Euro ein­zu­spa­ren. Diese Annahme hat sich als falsch erwiesen.“, betont Lysy. Fach­leute rech­ne­ten nur mit Aus­ga­ben­sen­kun­gen im nied­ri­gen Mil­lio­nen­be­reich. „Tat­säch­lich ist die Aus­ga­ben­quote für die Grund­si­che­rung im Ver­hält­nis zur Wirt­schafts­leis­tung Deutsch­lands seit Jahren ten­den­zi­ell rück­läu­fig.“, so Lysy.

„Das Problem ist, dass in der Politik jah­re­lang behaup­tet wurde, Mil­lio­nen Bür­ger­geld­emp­fän­ger seien arbeits­un­wil­lig und könnten mit Druck sofort wieder einen Job finden. In Wirk­lich­keit trifft das aber nur auf sehr wenige Personen zu.“, erläu­tert Lysy. Die meisten Menschen in der Grund­si­che­rung hätten so genannte Ver­mitt­lungs­hemm­nisse oder könnten etwa wegen Kin­der­be­treu­ung oder Ange­hö­ri­gen­pflege nur ein­ge­schränkt arbeiten. Die ange­kün­dig­ten schnel­len Leis­tungs­kür­zun­gen schon beim ersten Ter­min­ver­säum­nis und die gerin­gere Aner­ken­nung von Unter­kunfts­kos­ten ver­grö­ßer­ten die Not und die Angst sehr vieler Haus­halte.

Es sei gut, dass Menschen mit Armut­s­er­fah­rung, so wie jetzt in Berlin, von der Politik Respekt ein­for­dern. „Durch Stig­ma­ti­sie­rung und Sank­tio­nie­rung wird das Leben dieser Menschen zusätz­lich desta­bi­li­siert. Viel besser wäre es, Menschen zu stärken und in die Über­win­dung der Bedürf­tig­keit zu inves­tie­ren. Wir fordern daher einen Bil­dungs­vor­rang, damit Hilfs­be­dürf­tige eines Tages wieder dau­er­haft für sich selbst sorgen können.“, so der Leiter des kda Bayern.

Eine Kürzung sämt­li­cher Leis­tun­gen, selbst der Miet­zah­lung, so wie es erste Gesetz­ent­würfe aus dem Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rium vorsehen, könne schwer­wie­gende Folgen für die gesamte Gesell­schaft haben. „Totals­ank­tio­nen bringen Menschen nicht in Arbeit, sondern in die Obdach­lo­sig­keit“, so Lysys Fazit.

Ansprech­part­ne­rin: Lisa Schür­mann | schuermann@kda-bayern.de | 0911 43100208


Informativ und kritisch: Bürgergeld-Bingo & Trickfilm zur Grundsicherung

 

Mit krea­ti­ven Formaten wie dem Bür­ger­geld-Bingo oder dem Trick­film zur Grund­si­che­rungs­de­batte lädt der kda Bayern dazu ein, gängige Vor­ur­teile über Armut und soziale Siche­rung kritisch zu hin­ter­fra­gen – anschau­lich und fak­ten­ba­siert.

Diese Projekte zeigen: Kirche mischt sich ein – für Gerechtigkeit, Teilhabe und eine Sozialpolitik, die Menschen stärkt statt stigmatisiert.

Unser Ansprech­part­ner im KWA: Philip Büttner, Wis­sen­schaft­li­cher Referent im kda Bayern und aktiv im KWA ESA-Auschuss (Erwerbs­lo­sig­keit, Sozial- und Arbeits­markt­po­li­tik – ESA), 
buettner@kda-bayern.de

Bei­trags­foto: Jürgen Schnei­der