Liebe Lesende,
Als Kind hatte ich einen Metallbaukasten. Aus verschieden metallenen Werkstücken ließ sich fast alles bauen, was kindlicher Wahrnehmung in der Welt begegnete: Flugzeuge, Schiffe, Möbel, einfach alles.
Die Kunst war, was man sich vorstellte, in die Wirklichkeit umzusetzen. Die zur Verfügung stehenden Elemente waren biegsam, so dass ich meine Modelle frei gestalten konnte. Schrauben und Muttern hielten alles zusammen, sogar auf deren Größe perfekt abgestimmtes Werkzeug war dabei.
Vor allem an langen Regentagen war das eine großartige Beschäftigung. Dazu kam die hochwertige Verpackung in einer dunklen Holzkiste mit Messing-Verschluss – einfach wunderbar.
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen vor einem leeren Tisch. Dann greifen Sie zu so einem Baukasten, klappen ihn auf, und darin schlummert eine ganze Welt.
Viele Konstruktionen sind dort noch verborgen, die jetzt durch Sie neu entstehen können. Selbst, wenn Sie sich an eine Vorlage halten, sind Sie schöpferisch tätig. Denn gerade jetzt, zu Beginn Ihrer „Maßnahme“, ist noch nichts Fertiges zu sehen oder anzufassen.
Ein wenig, in aller Demut, erinnert mich das an Gottes Handeln in der biblischen Schöpfungsgeschichte, auch dort war vor Gottes Wort und Handeln nichts von dem, was unsere Welt ausmacht.
Die Bibel erzählt, wie Gott durch sein Wort die Sterne, Pflanzen, Tiere und den Menschen ins Dasein bringt, und er arbeitet auch mit seinen Händen:
„Da formte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem“
(1. Buch Mose, 2. Kapitel).
Für mich ist diese Geschichte so etwas wie der Urtext schöpferischer, Neues schaffender Tätigkeit.
Handwerkerinnen und Handwerker sind schöpferisch am Werk. Wenn sie nichts bauen, konstruieren, schaffen, ist nichts da. Das verleiht ihrem Tun Würde.
Sie stellen etwas her, das es ohne sie nicht gäbe. So, wie es das von mir gebaute Spielflugzeug ohne mich nicht gegeben hätte, gäbe es ohne Handwerker das Produkt aus ihren Händen nicht.
Das fasziniert mich am Handwerk und an der Ingenieurskunst: Neues wird geschaffen.
Sei es ein aufwändig geschmiedetes Geländer, ein Möbelstück mit vielen Fächern, eine Uhr oder ein medizinisches Präzisionsinstrument: Handwerker sehen, was sie getan und geleistet haben, können es anfassen, etwas damit tun und sich darüber freuen, anderen Menschen Sinnvolles zu übergeben: Eine Uhr oder ein Skalpell sind sinnvoll und hilfreich für unser Leben.
Menschen dürfen auf ihr kreatives Tun zum Wohl anderer stolz sein. Das ist gesegnet vor Gott und Menschen.
Daher schließe ich mich gerne dem kurzen Gebetsruf an, der häufig am Schluss festlicher Handwerksreden steht:
„Gott schütze das ehrbare Handwerk.“
Pastor Frank Waterstraat, Evangelische Agentur Hannover, Team Arbeit + Wirtschaft, frank.waterstraat@evlka.de
