WORTMELDUNG JULI 2026: Neues schaffen

Liebe Lesende,

Als Kind hatte ich einen Metall­bau­kas­ten. Aus ver­schie­den metal­le­nen Werkstücken ließ sich fast alles bauen, was kind­li­cher Wahr­neh­mung in der Welt begeg­nete: Flug­zeuge, Schiffe, Möbel, einfach alles.

Die Kunst war, was man sich vor­stellte, in die Wirk­lich­keit umzu­set­zen. Die zur Verfügung ste­hen­den Elemente waren biegsam, so dass ich meine Modelle frei gestal­ten konnte. Schrau­ben und Muttern hielten alles zusammen, sogar auf deren Größe perfekt abge­stimm­tes Werkzeug war dabei.

Vor allem an langen Regen­ta­gen war das eine groß­ar­tige Beschäf­ti­gung. Dazu kam die hoch­wer­tige Ver­pa­ckung in einer dunklen Holz­kiste mit Messing-Ver­schluss – einfach wun­der­bar.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen vor einem leeren Tisch. Dann greifen Sie zu so einem Bau­kas­ten, klappen ihn auf, und darin schlum­mert eine ganze Welt.

Viele Kon­struk­tio­nen sind dort noch ver­bor­gen, die jetzt durch Sie neu ent­ste­hen können. Selbst, wenn Sie sich an eine Vorlage halten, sind Sie schöp­fe­risch tätig. Denn gerade jetzt, zu Beginn Ihrer „Maßnahme“, ist noch nichts Fertiges zu sehen oder anzu­fas­sen.

Ein wenig, in aller Demut, erinnert mich das an Gottes Handeln in der bibli­schen Schöp­fungs­ge­schichte, auch dort war vor Gottes Wort und Handeln nichts von dem, was unsere Welt ausmacht.

Die Bibel erzählt, wie Gott durch sein Wort die Sterne, Pflanzen, Tiere und den Menschen ins Dasein bringt, und er arbeitet auch mit seinen Händen:

„Da formte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem“
(1. Buch Mose, 2. Kapitel).

Für mich ist diese Geschichte so etwas wie der Urtext schöp­fe­ri­scher, Neues schaf­fen­der Tätig­keit.

Hand­wer­ke­rin­nen und Hand­wer­ker sind schöp­fe­risch am Werk. Wenn sie nichts bauen, kon­stru­ie­ren, schaffen, ist nichts da. Das verleiht ihrem Tun Würde.

Sie stellen etwas her, das es ohne sie nicht gäbe. So, wie es das von mir gebaute Spiel­flug­zeug ohne mich nicht gegeben hätte, gäbe es ohne Hand­wer­ker das Produkt aus ihren Händen nicht.

Das fas­zi­niert mich am Handwerk und an der Inge­nieurs­kunst: Neues wird geschaf­fen.

Sei es ein auf­wän­dig geschmie­de­tes Geländer, ein Möbelstück mit vielen Fächern, eine Uhr oder ein medi­zi­ni­sches Prä­zi­si­ons­in­stru­ment: Hand­wer­ker sehen, was sie getan und geleis­tet haben, können es anfassen, etwas damit tun und sich darüber freuen, anderen Menschen Sinn­vol­les zu übergeben: Eine Uhr oder ein Skalpell sind sinnvoll und hilf­reich für unser Leben.

Menschen dürfen auf ihr krea­ti­ves Tun zum Wohl anderer stolz sein. Das ist gesegnet vor Gott und Menschen.

Daher schließe ich mich gerne dem kurzen Gebets­ruf an, der häufig am Schluss fest­li­cher Hand­werks­re­den steht:

Gott schütze das ehrbare Handwerk.“

Pastor Frank Water­straat, Evan­ge­li­sche Agentur Hannover, Team Arbeit + Wirt­schaft, frank.waterstraat@evlka.de