Aktualisierung vom 15. Juli 2026:
Die Debatte um den Schutz des Sonntags hat eine bedenkliche Dynamik erhalten. DIHK-Präsident Peter Adrian ging so weit, in einem Interview mit der Funke Mediengruppe eine Änderung des Grundgesetzes zu fordern, um beliebig viele Sonntagsöffnungen im Einzelhandel zu ermöglichen. Er bezeichnete die verfassungsrechtliche Begründung des Sonn- und Feiertagsschutzes als „nicht zeitgemäß“.
Der Evangelische Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA) hält dagegen an seiner Position fest: Der Sonntag ist kein wirtschaftliches Hemmnis, sondern ein aus gutem Grund verfassungsrechtlich geschütztes gesellschaftliches Gut. Er schafft gemeinsame freie Zeit für Familien, Freundschaften, Gottesdienst, Ehrenamt, Kultur und Erholung. Gerade in einer zunehmend flexibilisierten Arbeitswelt bleibt ein gemeinsamer Ruhetag unverzichtbar.
Die aktuelle Diskussion zeigt, dass der Schutz des Sonntags weiterhin verteidigt und gesellschaftlich begründet werden muss – nicht nur aus kirchlicher Perspektive, sondern im Interesse des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Seit mehr als 1.700 Jahren hat sich der Sonntag in unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Ordnungen als gemeinsamer Tag der Ruhe, der Begegnung und der Orientierung bewährt. Seine Bedeutung reicht deshalb weit über wirtschaftliche Interessen hinaus.
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Statement des Evangelischen Verbandes Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA):
Der Sonntag gehört den Menschen – nicht dem Markt
Hannover, 08. Juli 2026: Kaum beginnt das Sommerloch, wird der Sonntagsschutz erneut zur Disposition gestellt. Für den Evangelischen Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA) greift diese regelmäßig wiederkehrende Debatte zu kurz. Sie reduziert den Sonntag auf einen Wirtschaftsfaktor und verkennt seinen Wert für das gesellschaftliche Zusammenleben.
„Die Frage ist nicht, ob sonntags eingekauft werden kann. Die Frage ist, ob wir als Gesellschaft noch gemeinsame Zeit füreinander schützen wollen. Der freie Sonntag schafft genau diesen Raum – und deshalb ist er auch heute unverzichtbar“, erklärt die KWA-Vorsitzende Gudrun Nolte.
Der Sonntag ist keine Ausnahme von der Arbeitswelt. Er ist ein Maßstab dafür, wie wir Arbeit verstehen. Aus Sicht des KWA geht es nicht um einen Gegensatz zwischen Wirtschaft und Sonntagsschutz. Eine leistungsfähige Wirtschaft braucht Menschen, die gesund bleiben, Zeit für ihre Familien haben und sich ehrenamtlich engagieren können. Gemeinsame freie Zeit ist deshalb kein Luxus, sondern eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Aus evangelischer Sicht dient Arbeit dem Menschen – nicht der Mensch der Arbeit. Der Sonntag erinnert daran, dass der Mensch mehr ist als Arbeitskraft und Konsument. Er schafft Raum für Begegnung, Erholung, Glauben, Kultur und gesellschaftliches Engagement. Gerade in einer Zeit, in der vieles jederzeit verfügbar ist, bleibt ein gemeinsam geschützter Ruhetag von besonderer Bedeutung.
Als Mitglied der Allianz für den freien Sonntag (https://allianz-fuer-den-freien-sonntag.de/) setzt sich der KWA gemeinsam mit Gewerkschaften, Kirchen und weiteren gesellschaftlichen Organisationen für den Erhalt des verfassungsrechtlich geschützten Sonntags als gemeinsamen Ruhetag ein.
„Der Sonntagsschutz muss sich nicht immer wieder neu rechtfertigen. Wer ihn infrage stellt, muss erklären, warum gemeinsame freie Zeit künftig weniger schützenswert sein soll.“
Kontakt
Angela Haubrich
Öffentlichkeitsarbeit
Evangelischer Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA)
Telefon: 0511 473877–15
E‑Mail: a.haubrich@kwa-ekd.de
Über den KWA
Der Evangelische Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA) ist eine Stimme der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die sich im gesellschaftspolitischen Diskurs für gute Arbeit und soziale Gerechtigkeit einsetzt. Er fördert den Dialog zwischen Kirche, Wirtschaft und Arbeitswelt und engagiert sich für eine nachhaltige und am Menschen orientierte Wirtschaftsordnung.
