PRESSEMITTEILUNG: Nicht jede Reform ist ein Fortschritt

KWA warnt vor einer Aushöhlung des Arbeitszeitgesetzes und fordert Ehrlichkeit in der Reformdebatte

Hannover, 7. Juli 2026. Die geplante Reform des Arbeits­zeit­ge­set­zes ist für den Evan­ge­li­schen Verband Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt (KWA) mehr als eine arbeits­recht­li­che Detail­frage. Sie steht bei­spiel­haft für einen Wandel des Reform­be­griffs: Immer häufiger werden unter dem Schlag­wort der Moder­ni­sie­rung soziale Schutz­rechte infrage gestellt.

„Reformen hatten früher das Ziel, das Leben der Menschen besser zu machen. Heute ver­bin­den viele Menschen mit diesem Begriff vor allem den Abbau sozialer Sicher­hei­ten. Das gefähr­det das Ver­trauen in poli­ti­sche Gestal­tung.“

Gudrun Nolte, Vor­sit­zende des KWA

Arbeitszeitgesetz ist ein Schutzgesetz

Der KWA warnt davor, bewährte Schutz­rechte zuguns­ten größerer Fle­xi­bi­li­tät auf­zu­wei­chen. Das Arbeits­zeit­ge­setz sei kein büro­kra­ti­sches Hin­der­nis, sondern ein Schutz­ge­setz. Der Acht-Stunden-Tag sei keine ideo­lo­gi­sche Grenze, sondern das Ergebnis jahr­zehn­te­lan­ger Erfah­run­gen darüber, was Menschen auf Dauer gesund arbeiten lässt. Arbeits­zeit­gren­zen seien nicht zufällig ent­stan­den, sondern über Gene­ra­tio­nen hinweg erkämpft worden.

Reformen müssen den Menschen dienen

Der Verband fordert eine ehrliche Reform­de­batte. Wirt­schaft­li­che Her­aus­for­de­run­gen ließen sich nicht allein durch längere Arbeits­zei­ten oder den Abbau von Schutz­rech­ten lösen. Reformen müssten den Menschen dienen und dürften nicht dazu führen, dass bewährte soziale Siche­run­gen schritt­weise verloren gingen.

Aus evan­ge­li­scher Sicht dient Arbeit dem Menschen – nicht der Mensch der Arbeit. Deshalb dürfen wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit und der Schutz der Beschäf­tig­ten nicht gegen­ein­an­der aus­ge­spielt werden.

„Fle­xi­bi­li­tät darf niemals zur Ein­bahn­straße werden. Wer mehr Fle­xi­bi­li­tät fordert, muss zugleich erklären, wie Gesund­heit, Familie und Erholung der Beschäf­tig­ten künftig geschützt werden. Eine starke Wirt­schaft braucht starke Menschen – und starke Menschen brauchen ver­läss­li­che Schutz­rechte.“

Gudrun Nolte, Vor­sit­zende des KWA

Die voll­stän­dige Pres­se­mit­tei­lung steht Ihnen hier als PDF zum Download zur Ver­fü­gung.

Kontakt
Angela Haubrich
Öffent­lich­keits­ar­beit
Evan­ge­li­scher Verband Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt (KWA)
Telefon: 0511 473877–15
E‑Mail: a.haubrich@kwa-ekd.de

Über den KWA
Der Evan­ge­li­sche Verband Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt (KWA) ist eine Stimme der Evan­ge­li­schen Kirche in Deutsch­land (EKD), die sich im gesell­schafts­po­li­ti­schen Diskurs für gute Arbeit und soziale Gerech­tig­keit einsetzt. Er fördert den Dialog zwischen Kirche, Wirt­schaft und Arbeits­welt und enga­giert sich für eine nach­hal­tige und am Menschen ori­en­tierte Wirt­schafts­ord­nung.