Abschluss­erklä­rung der 6. bun­des­wei­ten Initia­ti­venkon­fe­renz zu den Arbeits­be­din­gun­gen in der Fleisch­in­dus­trie

2021 wurden aus Arbei­ten­den auf dem Schlacht­hof Ange­stellte des Schlacht­ho­fes und aus Schlacht­hof­be­trei­bern Arbeit­ge­ber. Ein Erfolg des Arbeits­schutz­kon­troll­ge­set­zes. Doch Kon­trolle und Ver­ant­wor­tung bleiben lücken­haft.  So sehr, dass gefragt werden muss: Ist es noch ein System mit Mängeln oder haben die Mängel System?

Seit 2018 treffen sich Enga­gierte aus Gewerk­schaf­ten, Kirchen, Bera­tungs­stel­len, Wis­sen­schaft, Politik und Initia­ti­ven min­des­tens einmal im Jahr bun­des­weit zu Aus­tausch und Beratung über die Situa­tion der migran­ti­schen Beschäf­tig­ten in der Fleisch­in­dus­trie in Deutsch­land. Ende Juni war es wieder so weit. Aller­dings fiel die Bilanz der 6. bun­des­wei­ten Initia­ti­venkon­fe­renz mager aus.  Zwar sei „das Werk­ver­trags­ver­bot für die Fleisch­in­dus­trie im Arbeits­schutz­kon­troll­ge­setz … die ent­schei­dende Vor­aus­set­zung dafür, die Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der Beschäf­tig­ten dort zu ver­bes­sern“, doch zwei­ein­halb Jahre nach dem Inkraft­tre­ten des Gesetzes sei fest­zu­stel­len: „Papier ist geduldig. Ein Gesetz allein löst nicht alle Probleme.“, so die Abschluss­erklä­rung der 6. Initia­ti­venkon­fe­renz.

Und weiter: „Die Arbeit­ge­ber schaffen es noch immer, sich an vielen Stellen der Ver­ant­wor­tung zu ent­zie­hen. Nach wie vor gibt es in vielen Betrie­ben keine mani­pu­la­ti­ons­si­chere Arbeits­zeit­er­fas­sung. Wichtige Aufgaben, wie zum Beispiel Per­so­nal­ge­win­nung, Ein­ar­bei­tung, Trans­port, Lohn­buch­hal­tung und vieles mehr wurden an ehe­ma­lige Sub­un­ter­neh­mer in Dienst­leis­tungs­ver­trä­gen aus­ge­glie­dert. Auch sind Unter­künfte noch immer häufig qua­li­ta­tiv man­gel­haft und über­teu­ert, bis hin zum Miet­wu­cher.

Unser Eindruck: Es fehlen Kon­trol­len und es gilt, noch bestehende Geset­zes­lü­cken zu schlie­ßen.“

Neben der gegen­sei­ti­gen Infor­ma­tion aus den Regionen und Unter­stüt­zer­krei­sen standen dieses Mal die Themen Unter­brin­gung und Anwer­bung im Vor­der­grund. Bei beiden ist aus Sicht der Kon­fe­renz­teil­neh­men­den der Geset­zes­ge­ber dringend erneut gefor­dert.

Auch der Blick „nach Europa“ stieß auf großes Inter­esse. Mit der Kampagne „Meat the stan­dards“ setzt sich z.B. der Euro­päi­sche Gewerk­schafts­bund für die Bereiche Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Tou­ris­mus ( EFFAT) für fairere Arbeits­be­din­gun­gen in ganz Europa ein. Denn die Aus­beu­tung migran­ti­scher Beschäf­tig­ter ist auch in anderen Ländern „auf der Tages­ord­nung“. (weitere Infor­ma­tio­nen zur euro­päi­schen Gewerk­schafts­ar­beit dazu unter: effat.org)

Bereits im November steht in diesem Jahr die 7. Initia­ti­venkon­fe­renz zur Fleisch­in­dus­trie an. Nähere Infor­ma­tio­nen bei: Heike.Riemann@kda.nordkirche.de

Abschluss­erklä­rung der 6. bun­des­wei­ten Initia­ti­venkon­fe­renz zu den Arbeits­be­din­gun­gen in der Fleisch­in­dus­trie, Hamburg 5. Juli 2023 – hier als PDF zu öffnen

 

Heike Riemann
KWA-Beauf­tra­gung Prekäre Arbeit

KDA der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kirche
in Nord­deutsch­land
Refe­ren­tin, Regi­ons­ver­ant­wort­li­che Hamburg

Hölert­wiete 5 | 21073 Hamburg
Tel.: 040 519000942
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In einer Welt, die von tech­no­lo­gi­schem Fort­schritt und wirt­schaft­li­chem Wachstum geprägt ist, wird oft über­se­hen, dass Wohl­stand nicht für alle glei­cher­ma­ßen zugäng­lich ist. Hinter den glän­zen­den Fassaden der modernen Gesell­schaft verbirgt sich eine Realität, die viele Menschen betrifft: prekäre Arbeit. Diese Form der Beschäf­ti­gung ist durch Unsi­cher­heit, geringe Löhne und fehlende soziale Absi­che­rung gekenn­zeich­net. Sie betrifft nicht nur die Arbeit­neh­men­den selbst, sondern hat auch weit­rei­chende Aus­wir­kun­gen auf unsere Gesell­schaft und die Werte, die wir ver­tre­ten.

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