PREKÄRE ARBEIT

Vorschläge für Fürbitten-Gebete

Lieber Gott,

viele Frauen arbeiten unter prekären Bedingungen: in Teilzeit, befristet, schlecht bezahlt und oft ohne Sicherheit.

Gleichzeitig tragen sie Verantwortung für Kinder, pflegen Eltern oder Angehörige und halten den Haushalt am Laufen.

Vieles davon geschieht im Verborgenen und bleibt ungesehen.

Wir bitten Dich: Sieh Du diese Frauen, ihre Kraft und ihre Erschöpfung, und schenke ihnen Anerkennung, Gerechtigkeit und Unterstützung.

 

Lieber Gott,

prekäre Arbeit ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis von Entscheidungen, von Wegsehen und von Strukturen, die Ungerechtigkeit zulassen.

Sie betrifft viele Menschen, oft still, oft verborgen.

Wir bitten Dich: Lass uns als Gesellschaft Verantwortung übernehmen, gerechte Arbeitsbedingungen einfordern und Solidarität leben.

Stärke auch Deine Kirche, damit sie hinsieht, Stellung bezieht und an der Seite derer steht, die wenig Schutz haben.

Und erinnere jede und jeden von uns daran, dass unser Handeln, unser Konsum und unser Schweigen Folgen haben.

Hilf uns, nicht nur zu bitten, sondern auch zu handeln.

 

Lieber Gott,

vieles, was um mich herum geschieht, blende ich aus.

Ich fühle mich überfordert, wenn ich beim Einkauf von Lebensmitteln auf Qualität, Preis, Herkunft, Produktions- und Arbeitsbedingungen achten soll.

Dabei fühle ich mich nicht gut. Und so bitte ich Dich: Zeige mir Möglichkeiten auf, wie mein Unbehagen zu aktivem Handeln und zu besseren Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft und Produktion führen kann.

 

Lieber Gott,

viele Menschen arbeiten für mich und ich nehme sie gar nicht wahr.

Wenn ich morgens zur Arbeit komme, ist der Boden gewischt und der Mülleimer geleert.

Im Supermarkt sind die Regale gefüllt, die Angebote wurden pünktlich geliefert, meine Einkäufe und Bestellungen werden mir gebracht.

Das ist angenehm und eine Erleichterung für mein Leben.  Über die Personen, die dies möglich machen, weiß ich jedoch kaum etwas.

Daher bitte ich Dich, lass mich aufmerksamer sein gegenüber meinen Mitmenschen und die Menschen hinter der Dienstleistung bewusster wahrnehmen.

Diese Fürbitten wurden von Beate Schulte und Heike Riemann geschrieben.

 

Guter Gott,

jedes Jahr kommen Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland, um hier als Erntehelfer*innen oder Arbeitskraft in der Lebensmittelindustrie* zu arbeiten. Manche kommen für eine Saison, andere um sich dauerhaft ein neues Leben aufzubauen.

Wir bitten Dich, lass Deutschland für sie zu einer zweiten Heimat werden  –, ob auf Zeit oder auch auf Dauer. Gib ihnen Menschen an die Seite, die sie bei ihrem Start hier begleiten und unterstützen. Lass‘ sie Freunde und Bekannte finden.

 

Guter Gott,

wer seine Heimat verlassen muss, um den Lebensunterhalt für seine Familie zu verdienen, der denkt auch (oft) mit Sorge an seine Liebsten zu Hause.

Wir bitten Dich, zerstreue diese Sorgen. Lass‘ es den Partner*innen, den Kindern, Enkeln oder auch Großeltern zu Hause gutgehen, hilf ihnen, regelmäßig im Kontakt zu sein und dass die gegenseitige Liebe auch Zeiten der Abwesenheit und der großen Distanzen übersteht.

 

Guter Gott,

die Coronakrise hat sichtbar gemacht, was schon lange bekannt war: Menschen leben und arbeiten auch hier in Deutschland unter schlimmen Bedingungen.

Wir bitten Dich, sorge dafür, dass wir wach und aufmerksam bleiben, damit diese Zustände endgültig abgeschafft werden und neue Missstände gar nicht erst entstehen können.

Wir bitten Dich für die Politikerinnen und Politiker, für die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber: Lass‘ sie nie vergessen, dass die Wirtschaft dem Menschen dient und nicht umgekehrt. Schenke ihnen die Einsicht, dass zur Verantwortung auch Respekt und Demut gehören.

 

Guter Gott,

die Menschen in den Großschlachthöfen* und auf den Erntefeldern* sind uns fremd. Sie sprechen andere Sprachen, leben neben und nicht unter uns, haben andere Traditionen. Ihre Arbeit erscheint uns schmutzig und nicht erstrebenswert oder sie ist uns vollkommen unbekannt. Wir bitten Dich für uns alle: Lass‘ uns aufmerksamer, neugieriger und vorurteilsfreier sein, lass‘ uns erkennen, dass auch sie unsere Nächsten sind.

Amen.

 

* ggf. durch andere Beispiele oder Branchen ersetzen.

Aus: SCHAUT HIN – VON DER ARBEIT – FÜR DAS ESSEN AUF UNSEREM TELLER
Arbeitshilfe und Ideensammlung für Kirchengemeinden; Herausgeber: KDA Nordkirche, 09/2020

»Vorschläge Für Fürbitten Gebete – PDF