Am 26. September finden bundesweit Demonstrationen für einen starken Sozialstaat statt. Der Aktionstag nimmt eine Debatte auf, die weit über einzelne sozialpolitische Leistungen hinausgeht: Wie wollen wir soziale Sicherheit, gute Arbeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Zukunft gestalten?
Wie viel Sozialstaat können und wollen wir uns leisten? Diese Frage prägt derzeit viele politische Debatten. Es geht um Rente, Pflege und Gesundheitsversorgung, um Arbeitszeiten, soziale Leistungen und die Finanzierung öffentlicher Aufgaben.
Dabei ist der Sozialstaat mehr als die Summe einzelner Leistungen. Er gibt Menschen Sicherheit in Lebenssituationen, in denen sie Unterstützung benötigen: bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit, im Alter oder wenn Pflege notwendig wird. Soziale Sicherheit ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe und trägt dazu bei, dass individuelle Lebensrisiken nicht allein vom Einzelnen getragen werden müssen.
Aus evangelischer Perspektive gehört dazu ein grundlegender Gedanke: Der Wert eines Menschen bemisst sich nicht an seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Jeder Mensch besitzt eine unverfügbare Würde. Daraus erwächst die Verantwortung, soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Menschen ihr Leben selbstbestimmt führen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Dieser Gedanke prägt auch die bisherige sozialethische Argumentation des KWA.
Arbeitszeit zeigt, worum es konkret geht
Wie eng Sozialstaat und Arbeitswelt miteinander verbunden sind, zeigt sich beispielsweise in der aktuellen Diskussion über Arbeitszeit. Forderungen nach längeren Arbeitszeiten treffen auf eine Realität, in der viele Menschen neben ihrer Erwerbsarbeit Kinder betreuen, Angehörige pflegen, sich ehrenamtlich engagieren oder in körperlich und psychisch belastenden Berufen arbeiten.
Sonja Borski, Mitglied im Vorstand des Evangelischen Verbandes Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt (KWA), macht deutlich:
„Die Debatte um längere Arbeitszeiten zeigt beispielhaft, worum es bei der Zukunft des Sozialstaats geht. Wir dürfen Erwerbsarbeit nicht isoliert betrachten. Menschen leisten neben ihrer beruflichen Tätigkeit Sorgearbeit, erziehen Kinder, pflegen Angehörige oder engagieren sich ehrenamtlich. Gleichzeitig erleben wir in vielen Berufen eine hohe Arbeitsbelastung. Die Antwort kann deshalb nicht einfach lauten: Alle müssen mehr arbeiten. Wir müssen vielmehr fragen, wie gute Arbeit, soziale Absicherung und Zeit für gesellschaftlich notwendige Sorgearbeit zusammengedacht werden können.“
Auch in seiner bisherigen Positionierung zur Arbeitszeit hat der KWA darauf hingewiesen, dass Arbeit dem Menschen dienen muss und Care-Arbeit sowie gesellschaftliches Engagement nicht aus dem Blick geraten dürfen.
Ein zukunftsfähiger Sozialstaat muss deshalb wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und soziale Verantwortung zusammendenken. Reformen werden notwendig sein. Entscheidend ist jedoch, nach welchen Maßstäben sie gestaltet werden und wie die damit verbundenen Lasten verteilt werden.
Bundesweiter Aktionstag am 26. September
Am 26. September 2026 finden bundesweit Demonstrationen und Kundgebungen für einen starken Sozialstaat statt. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften mobilisieren für den Aktionstag; ver.di wirbt unter dem Motto „Rette mit uns den Sozialstaat“ für die Beteiligung.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem gute und sichere Arbeit, Rente, Gesundheit und Pflege sowie die Frage, wie soziale Sicherheit auch künftig gewährleistet werden kann.
Wer sich informieren und an einer der Demonstrationen oder Kundgebungen beteiligen möchte, findet bei den Gewerkschaften weitere Informationen zu den Aktionen vor Ort.
Informationen DGB: https://www.dgb.de/mitmachen/kampagnen/aktionstag-sozialstaat/
Informationen ver.di: https://www.verdi.de/stabilbleiben-sozialgestalten/rette-uns-den-sozialstaat
Weitere Impulse für eine gerechte und lebensdienliche Gestaltung von Arbeit finden Sie in unserem ABC der Arbeitszeitverkürzung.
Kontakt:
Sonja Borski, Evangelisches BildungsWerk Arbeitsbereich Arbeitswelt: Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA), sonja.borski@kirche-bremen.de
Angela Haubrich, Öffentlichkeitsarbeit, a.haubrich@kwa-ekd.de
