Halbzeit-Andacht: Kein Kuchen ist auch keine Lösung

Halbzeit! Die Mittwochsandacht.

Die Hälfte ist geschafft! Mittwoch um zwölf Uhr ist der halbe Mittwoch vorbei, die Hälfte der klas­si­schen Montag-bis-Freitag-Woche und auch die Hälfte der Woche, die nach christ­li­chem Ver­ständ­nis mit dem Sonntag beginnt, liegt hinter einem. Von manchen wird dieser Moment als „Hump-day“ oder „Bergfest“ bezeich­net.

Wer die Hälfte hinter sich hat, hat schon viel erlebt und geschafft – Schönes und Trau­ri­ges, Aben­teu­er­li­ches und Lang­wei­li­ges, Ver­wun­der­li­ches oder Begeis­tern­des. Wer die Hälfte noch vor sich hat, kann sich noch auf Vieles freuen und so Manches meistern.

Die „Halbzeit“ ist also ein guter Moment, um kurz inne­zu­hal­ten und sich eine gedank­li­che Pause zu gönnen. Mit kurzen Texten und Bildern lädt der KDA-Bayern jeden Mittwoch zu einer kurzen Mitt­woch­s­an­dacht ein. Gönnen Sie sich diese kurze Halbzeit-Pause!

Diese Woche:

Kein Kuchen ist auch keine Lösung

Das war vor kurzem der Spruch auf meinem Wochen­ka­len­der. Ich weiß nicht, wie es Ihnen mit diesem Spruch geht. Ich dachte: Wieder ein Spruch, mit dem ich nichts anfangen kann. Nur die hedo­nis­ti­sche Version von „Ohne Mampf kein Kampf“, auch wenn mir dieser Spruch in Anbe­tracht der aktu­el­len Kriege zu mili­ta­ris­tisch klingt. Und dann stand in der Woche die schrift­li­che Gra­tu­la­tion zu einem Geburts­tag an. Und durch diesen neuen Blick­win­kel auf den Spruch änderte sich alles: Ein Geburts­tag ohne Kuchen ist auch keine Lösung.

Denn ohne den Kuchen findet weniger Gemein­schaft statt. Zumin­dest bei uns gehört der Kuchen dazu, auch wenn ich selbst kein Kuche­nes­ser bin. Und während der Mampf nur sicher­stellt, dass die Grund­be­dürf­nisse befrie­digt sind, ist der Kuchen mehr. Erst er ist gemein­schafts­bil­dend. Denn ein Essen, welches nur dazu dient, das Über­le­ben zu sichern, ver­hin­dert nur den Fress­neid. Es bildet keine Gemein­schaft. Damit Essen gemein­schafts­bil­dend wirkt, bedarf es mehr. Erst dann ist Gesel­lig­keit und sogar Soli­da­ri­tät möglich. Die Erin­ne­rung an ein solches Mahl ist daher zu Recht wichtig in der christ­li­chen Tra­di­tion.

Und es ist auch keine neue Erkennt­nis. So for­der­ten im Jahr 1911 Frauen nicht nur Brot, sondern eben auch Rosen: „The woman worker needs bread, but she needs roses too.“ Und in der Bibel ist neben dem letzten Abend­mahl die Speisung der Fünf­tau­send sehr ein­drück­lich.

„Als sie aber satt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt. Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.“ Joh 6.12–12

Hier entstand auch Gemein­schaft und die Vor­aus­set­zung war, dass alle so satt waren, dass sogar noch etwas übrig­blieb. Hier gab es defi­ni­tiv ein Mehr. Klar ist aber auch, nur Kuchen bringt auch nichts. Er kann dann seine Wirkung im beschrie­be­nen Sinn nicht ent­fal­ten. Die Person, die den Satz „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen!“ erfunden und Marie Antoi­nette in den Mund gelegt haben soll, wusste das wohl auch.

Die Erkennt­nis ist trivial?

wei­ter­le­sen…

 

Ein Beitrag von Thomas Krämer, wis­sen­schaft­li­cher Referent im kda Bayern.

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