Eine gelungene Tagung der Arbeitsgemeinschaft Handwerk und Kirche 2024

Die Bun­des­ta­gung Handwerk und Kirche 2024 fand vom 15. bis 17. November in der his­to­ri­schen Drei­flüs­se­stadt Passau statt. Unter dem Titel „Grenz­erfah­rung Handwerk“ wurde die Tagung in Koope­ra­tion mit der Hand­werks­kam­mer Nie­der­bay­ern und Ober­pfalz aus­ge­rich­tet. Die Ver­an­stal­tung brachte Hand­wer­ke­rin­nen und Hand­wer­ker, Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter der Kirche und weitere Inter­es­sierte zusammen, um sich über die Schnitt­stel­len von Glauben, Gesell­schaft und hand­werk­li­cher Praxis aus­zu­tau­schen.

Wie Peter Lysy, Leiter des Kirch­li­chen Dienstes in der Arbeits­welt Bayern, in seinem Grußwort am Sams­tag­abend betonte, gibt es zahl­rei­che Ver­bin­dun­gen zwischen Handwerk und Kirche – vom Segen für die Walz bis hin zu Got­tes­diens­ten in Betrie­ben. Diese Begeg­nun­gen und Projekte wie die Aktion „5000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt“ ver­deut­li­chen die enge Zusam­men­ar­beit der beiden Bereiche.

Mit einem viel­fäl­ti­gen Programm an Fach­vor­trä­gen, Betriebs­be­sich­ti­gun­gen und Andach­ten bot die mehr­tä­gige Tagung Gele­gen­heit, die Rolle des Hand­werks in Grenz­re­gio­nen zu reflek­tie­ren und neue Impulse für die Zusam­men­ar­beit von Handwerk und Kirche zu gewinnen.

Tag 1: Auftakt und Erfahrungsberichte

Die Ver­an­stal­tung begann am Freitag, dem 15. November, mit einem herz­li­chen Empfang in den Räum­lich­kei­ten der Hand­werks­kam­mer Nie­der­bay­ern und Ober­pfalz. Nach einem kleinen Mit­tags­im­biss begrüß­ten Jürgen Kilger, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Hand­werks­kam­mer, und Dieter Vier­l­beck, Vor­sit­zen­der der Arbeits­ge­mein­schaft Handwerk und Kirche, die Teil­neh­men­den offi­zi­ell und eröff­ne­ten die Tagung.

Der anschlie­ßende Fachtag widmete sich dem Thema „Hand­werks­be­triebe in einer Grenz­re­gion erfolg­reich ent­wi­ckeln“. Andreas Keller, Bereichs­lei­ter der Hand­werks­kam­mer, leitete die Dis­kus­sion mit einem Über­blick über die beson­de­ren Her­aus­for­de­run­gen und Chancen von Hand­werks­be­trie­ben in Grenz­re­gio­nen ein.

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Den Höhe­punkt des Nach­mit­tags bildeten vier Erleb­nis­be­richte von Unter­neh­mern und Unter­neh­me­rin­nen, die ihre per­sön­li­chen „Grenz­erfah­run­gen“ teilten:

  • Harald Knei­din­ger (Natur­stein Knei­din­ger, Hau­zen­berg) sprach über die Bedeu­tung von Tra­di­tion und Inno­va­tion in seinem Betrieb. Er betonte, dass er weltweit tätig ist und teilte mit uns in seinem Erfah­rungs­be­richt die Her­aus­for­de­run­gen, denen er dabei begeg­nete.  https://naturstein-kneidinger.de/
  • David Pilger von der Genie­ßer­bä­cke­rei Pilger prä­sen­tierte seine Stra­te­gie, regio­nale Qualität mit unter­neh­me­ri­schem Wachstum zu ver­bin­den. Er teilte seine Lei­den­schaft für hoch­wer­tige Roh­stoffe und betonte, dass er in seinem Handeln eine Ver­ant­wor­tung für die Gesund­heit der Ver­brau­cher emp­fin­det. https://www.baeckerei-pilger.de/
  • Thomas Hierbeck (Schrei­ne­rei Hierbeck) schil­derte, wie er durch Nach­hal­tig­keit und kreative Lösungen seinen Betrieb stärkte. Seit fünf Gene­ra­tio­nen ist die Familie dem Handwerk ver­bun­den.
    https://hierbeck.de/
  • Anna-Lena Nissen (Raum­aus­stat­ter-Meis­ter­be­trieb Sprung­fe­der) berich­tete über Her­aus­for­de­run­gen und Erfolge als junge Unter­neh­me­rin und die damit ver­bun­de­nen eigenen Grenzen, die sie sich immer wieder neu setzte. https://www.sprungfeder.eu/

Nach einem regen Aus­tausch während der mode­rier­ten Dis­kus­sion, die von Meike Lotze-Franke und Peter Grohme geleitet wurde, klang der Abend bei einem gemein­sa­men Essen und Begeg­nun­gen mit dem lokalen Handwerk aus.

v.l.n.r.: Peter Grohme, Thomas Hierbeck, Anna-Lena Nissen, Dieter Vier­l­beck, Harald Knei­din­ger, David Pilger, Meike Lotze-Franke

Tag 2: Handwerk und Kirche in Bewegung

Der zweite Tag begann mit einem fas­zi­nie­ren­den Einblick in ein tra­di­ti­ons­rei­ches Handwerk. Nach einem mor­gend­li­chen Spa­zier­gang erreich­ten die Teil­neh­men­den die Glo­cken­gie­ße­rei Perner GmbH, einen renom­mier­ten Fami­li­en­be­trieb, der sich seit Gene­ra­tio­nen auf die Her­stel­lung von Kir­chen­glo­cken spe­zia­li­siert hat. Herr Perner erklärte den Gästen die ver­schie­de­nen Schritte des Pro­duk­ti­ons­pro­zes­ses und gab span­nende Ein­bli­cke in den Wer­de­gang seines Unter­neh­mens. Dabei wurde deutlich, wie eng in diesem Handwerk Kunst­fer­tig­keit und christ­li­cher Glaube mit­ein­an­der ver­bun­den sind. „Bevor der Guss der Glocken beginnt, sprechen wir ein Gebet“, betonte Herr Perner und unter­strich damit die spi­ri­tu­elle Dimen­sion seines Schaf­fens.

Nach einer Mit­tags­pause im Restau­rant „Am Pau­lus­bo­gen“, das mit seiner Lage direkt an der Donau beein­druckte, führte ein kurzer Spa­zier­gang die Gruppe zum Passauer Dom St. Stephan. Dort erwar­tete die Teil­neh­men­den eine exklu­sive Führung durch Matthias Koopmann, der die his­to­ri­sche und kul­tu­relle Bedeu­tung dieses Bauwerks her­vor­hob. Beson­ders beein­druckte die Gäste die kunst­volle Hand­werks­ar­beit des Fres­ken­ma­lers Tencalla und den Stu­cka­teu­ren, die mit ihrer detail­rei­chen Gestal­tung und ihrem präzisen Können die Pracht des Doms her­vor­brach­ten.

Der Nach­mit­tag wurde mit einer Andacht in der Stadt­pfarr­kir­che St. Matthäus, der evan­ge­li­schen Haupt­kir­che Passaus, spi­ri­tu­ell berei­chert. Regio­nal­bi­schof Fried­rich Selter, theo­lo­gi­scher Vor­sit­zen­der von Handwerk und Kirche, hielt zusammen mit dem Dekan der Stadt­pfarr­kir­che, Jochen Wilde, die Andacht, die dazu einlud, über das Erlebte nach­zu­den­ken und die Ver­bin­dun­gen zwischen Handwerk, Glaube und Gesell­schaft zu ver­tie­fen.

Der Höhe­punkt des Abends war der Empfang der Evan­ge­li­schen Lan­des­kir­che Bayerns durch seinen Hand­werks­be­auf­trag­ten Roland Hacker, im Gemein­de­zen­trum der Stadt­pfarr­kir­che Passau. Jochen Wilde, Dekan der Stadt­pfarr­kir­che, stellte die Räume zur Ver­fü­gung, begrüßte die Gäste herzlich und berich­tete über die Her­aus­for­de­run­gen und Chancen der evan­ge­li­schen Kirche in einer über­wie­gend katho­li­schen Region.

Im Anschluss richtete Dieter Vier­l­beck, der Vor­sit­zende der Arbeits­ge­mein­schaft Handwerk und Kirche im Evan­ge­li­schen Verband Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt, Gruß­worte an die Teil­neh­men­den. Dabei erin­nerte er an das gemein­same Projekt, die bun­des­weite Aktion „5000 Brote“, die die enge Zusam­men­ar­beit von Handwerk und Kirche ein­drucks­voll ver­deut­licht. Zudem hob er Themen wie Fach­kräf­te­man­gel und Nach­wuchs­ge­win­nung als zentrale Her­aus­for­de­run­gen und ver­bin­dende Anliegen hervor.

Peter Lysy, Leiter des Kirch­li­chen Dienstes in der Arbeits­welt (KDA), eröff­nete den Abend mit einem Grußwort, das sowohl zur Refle­xion als auch zur Inspi­ra­tion anregte. Er betonte die kul­tu­relle und geist­li­che Bedeu­tung von Tra­di­tio­nen wie „Grüß Gott“ oder „Vergelt’s Gott“ und hob hervor, dass diese Gruß­for­meln in der heutigen Zeit nicht mehr selbst­ver­ständ­lich sind. Dabei stellte er dar, wie sich Handwerk und Kirche trotz Ver­än­de­run­gen in der Gesell­schaft wei­ter­hin eng mit­ein­an­der ver­bun­den fühlen. „Es gibt Hand­wer­ker, die sich einen Segen beim Antritt der Walz wünschen, und andere, die die Kirche zur Ein­wei­hung ihres Betrie­bes einladen“, erklärte Lysy und schil­derte ein­drucks­voll die viel­fäl­ti­gen Berüh­rungs­punkte zwischen den beiden Berei­chen.

Tag 3: Abschluss und Delegiertenversammlung

Der dritte und letzte Tag der Bun­des­ta­gung war den Dele­gier­ten der Arbeits­ge­mein­schaft Handwerk und Kirche gewidmet. Die Ver­samm­lung begann mit einer Andacht, die von Fried­rich Selter, dem theo­lo­gi­schen Vor­sit­zen­den der Arbeits­ge­mein­schaft Handwerk und Kirche (AHK), geleitet wurde.

Es folgte ein inspi­rie­ren­der Vortrag von Hille de Maeyer, Hand­werks­pas­to­rin der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Lan­des­kir­che Han­no­vers, unter dem Titel „Auf Treu und Glauben. Ein Streif­zug durch die Bibel“. In ihrer Prä­sen­ta­tion beleuch­tete sie die Werte von Ver­trauen, Ehr­lich­keit und Glauben, die Handwerk und Kirche mit­ein­an­der ver­bin­den.

Die Dele­gier­ten nutzten die Fishbowl-Methode, um über drin­gende Themen zu dis­ku­tie­ren, darunter Will­kom­mens­kul­tur, Aus­bil­dungs­sys­teme und die Öffent­lich­keits­ar­beit für den Bereich Handwerk und Kirche. Dabei ging es ins­be­son­dere darum, wie mehr Menschen von diesen Initia­ti­ven erfahren können.

Außerdem prä­sen­tierte der Vorstand unter der Leitung von Dieter Vier­l­beck seinen Bericht über das ver­gan­gene Jahr.

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Mit zahl­rei­chen neuen Ein­drü­cken, Kon­tak­ten und Ideen ver­ab­schie­de­ten sich die Teil­neh­men­den von Passau.

Wir möchten uns herzlich bei der Hand­werks­kam­mer Nie­der­bay­ern und Ober­pfalz bedanken, ins­be­son­dere bei Kathrin Zellner, der Vize­prä­si­den­tin, und Alex­an­der Stahl, dem Geschäfts­füh­rer.

Fazit: Diese Tagung ist ein hervorragendes Beispiel für „Kirche am anderen Ort“. Besonders bemerkenswert sind die vielen „kleinen“ Begegnungen, wie die des Kochs, der am Samstagabend das übrig gebliebene Essen zur Bahnhofsmission bringt und dort täglich Mahlzeiten spendet. Oder Herr Perner, der Glockengiesser, der hervorhebt, dass wir mehr Demut in unserer Gesellschaft benötigen und vor jedem „Anstich“ gemeinsam mit seinem Team betet.

Wir freuen uns auf nächstes Jahr, wenn wir wieder mit Handwerk und Kirche unter­wegs zu den Menschen sind.

Hier können Sie den Zei­tungs­ar­ti­kel der Passauer Neuen Presse zu dieser Ver­an­stal­tung her­un­ter­la­den.

 

Ein Beitrag von: Angela Haubrich, Öffent­lich­keits­ar­beit im KWA, a.haubrich@kwa-ekd.de

Fotos: Angela Haubrich, KWA