PREKÄRE ARBEIT

Prekäre Arbeit in der Gebäudereinigung

Ein Fallbeispiel

Im Februar meldeten sich bei uns zwei rumä­ni­sche Arbeit­neh­mer, ein Mann und eine Frau, die in Baden-Würt­tem­berg im Rei­ni­gungs­ge­werbe beschäf­tigt waren. Die Frau arbei­tete als Rei­ni­gungs­kraft und der Mann als Haus­meis­ter bei der­sel­ben Firma. Sie beschwer­ten sich darüber, dass sowohl ihre Arbeits­ver­träge als auch ihre Miet­ver­träge gleich­zei­tig gekün­digt wurden. Zusammen mit den frist­lo­sen Kün­di­gun­gen erhiel­ten sie jeweils drei ver­hal­tens­be­dingte Abmah­nun­gen in einem Schrei­ben.

Sie beschrie­ben einen Arbeits­platz, der teil­weise von einem bedroh­li­chen, rumä­nisch spre­chen­den Vor­ar­bei­ter geleitet wurde, den sie „Nelu“ nannten. Er wird auch als rechte Hand des Arbeit­ge­bers beschrie­ben. Das Paar sprach nur wenig Deutsch, sodass sie ihre Papiere weder lesen noch ver­ste­hen konnten. Hilfs­be­reit wie immer bot „Nelu“ immer wieder an, ihre Papiere und Doku­mente für sie zu lesen. Bei genaue­rem Hinsehen mit uns wurde dem Paar schnell klar, dass sie ständig belogen wurden.

Der Mann beschrieb mehrere Vorfälle, in denen der Vor­ar­bei­ter „Nelu“ und der Geschäfts­in­ha­ber ihn während der Arbeit tätlich angrif­fen, ein­schließ­lich frem­den­feind­li­cher Bemer­kun­gen und Mord­dro­hun­gen. Bei einer anderen Gele­gen­heit zwang ihn der Vor­ar­bei­ter, Steine mit einem Gewicht von mehr als 60 kg zu heben, und drohte ihm, ihn „nach Mol­da­wien zurück­zu­schi­cken“, wenn er dies nicht tue. Dies führte zu einer Rücken­ver­let­zung und Ner­ven­schä­den, unter denen der Mann noch heute leidet. Unnötig zu erwähnen, dass dieser Arbeits­un­fall nie gemeldet wurde.

Die Frau erzählte uns, dass sie immer noch unter Schmer­zen leidet, die sie sich bei der Arbeit zuge­zo­gen hat. Sie war gezwun­gen, ohne Sicher­heits- und Schutz­aus­rüs­tung in großer Höhe zu arbeiten. Dabei stürzte sie ab und ver­letzte sich an den Rippen und am Kopf. „Nelu“ und der Geschäfts­in­ha­ber boten ihr an, sie ins Kran­ken­haus zu beglei­ten, da sie kein Deutsch sprach. Dort sprachen sie für die Frau und erklär­ten ohne ihr Wissen und Ein­ver­ständ­nis, dass der Unfall zu Hause passiert sei. Leider war dies nicht der einzige Unfall, den die Frau an diesem Arbeits­platz erlitt. Sie rutschte vor Erschöp­fung auf der Treppe aus und ver­letzte sich am Kopf. Auf dem Papier ist sie 35 Stunden pro Woche beschäf­tigt. In der Realität muss sie jedoch regel­mä­ßig bis spät in den Abend hinein das gesamte Fir­men­ge­bäude ihres Arbeit­ge­bers putzen und die Schmutz­wä­sche waschen.

Neben den aus­beu­te­ri­schen Arbeits­be­din­gun­gen war das Paar auch zu Hause nicht sicher. Ihre von Ratten ver­seuchte Kel­ler­woh­nung wurde ihnen von ihrem Arbeit­ge­ber zur Ver­fü­gung gestellt und befand sich im selben Gebäude wie das Unter­neh­men. Sie erhiel­ten keinen Schlüs­sel für ihren Brief­kas­ten, und ihr Arbeit­ge­ber übergab ihnen ihre gesamte per­sön­li­che Post bei der Arbeit, die in der Regel bereits geöffnet war.

Das Paar brach später in unserem Büro in Tränen aus, erschöpft und über­wäl­tigt von der Gewalt und Aus­beu­tung. Die Frau arbeitet aus finan­zi­el­ler Not weiter in der­sel­ben Firma (obwohl sie „gekün­digt“ wurde) und hofft, eine neue Arbeit zu finden. Der Mann durfte dort nicht weiter arbeiten. Wir haben ihm geholfen, eine Kün­di­gungs­schutz­klage gegen seinen Arbeit­ge­ber ein­zu­rei­chen. Außerdem beglei­te­ten wir ihn zur Polizei, als er zwei Anzeigen und einen Straf­an­trag erstat­tete.

Glück­li­cher­weise fanden sie eine neue Wohnung und der Mann eine neue Arbeits­stelle. Mit der Frau bleiben wir in Kontakt, bis sie einen sicheren Arbeits­platz gefunden hat.

Renate Zäckel, KDA Mannheim

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