Die Hälfte ist geschafft! Mittwoch um zwölf Uhr ist der halbe Mittwoch vorbei, die Hälfte der klas­si­schen Montag-bis-Freitag-Woche und auch die Hälfte der Woche, die nach christ­li­chem Ver­ständ­nis mit dem Sonntag beginnt, liegt hinter einem. Von manchen wird dieser Moment als „Hump-day“ oder „Bergfest“ bezeich­net.

Wer die Hälfte hinter sich hat, hat schon viel erlebt und geschafft – Schönes und Trau­ri­ges, Aben­teu­er­li­ches und Lang­wei­li­ges, Ver­wun­der­li­ches oder Begeis­tern­des. Wer die Hälfte noch vor sich hat, kann sich noch auf Vieles freuen und so Manches meistern.

Die „Halbzeit“ ist also ein guter Moment, um kurz inne­zu­hal­ten und sich eine gedank­li­che Pause zu gönnen. Mit kurzen Texten und Bildern laden wir Sie jeden Mittwoch zu einer kurzen Mitt­woch­s­an­dacht ein. Gönnen Sie sich diese kurze Halbzeit-Pause!

Jeden Don­ners­tag ver­sen­den wir die Halbzeit-Andacht des KDA aus Bayern in unserem News­let­ter, um auch am Don­ners­tag noch mal inne zu halten.

Mühselig und beladen

Ein kleiner, weißer Kas­ten­wa­gen steht mit lau­fen­dem Motor in der Straße, der Warn­blin­ker ist an, die Heck­tü­ren sind offen. Zunächst ist niemand zu sehen. Plötz­lich kommt ein Mann hektisch aus einem Haus­ein­gang. Mit zwei Paketen auf dem Arm macht er sich auf zum nächsten Haus­ein­gang. Kurz darauf kommt er ohne Päckchen zurück, läuft zum Auto, um sich mit weiteren Paketen zu beladen und wieder auf den Weg zu den nächsten Haus­ein­gän­gen in der Straße zu machen. So geht das eine ganze Zeit, acht oder zehn Pakete lang dauert es bis er in das Auto springt, davon braust, um in der nächsten Straße wieder anzu­hal­ten, den Warn­blin­ker zu betä­ti­gen und die Heck­tü­ren zu öffen …

Sie kennen diese Situa­tion? Ja, mitt­ler­weile gehört so ein Anblick wohl leider zum hek­ti­schen Alltag. In der Coro­na­zeit und noch mehr jetzt in den Wochen vor Weih­nach­ten sind sie wieder in Scharen unter­wegs, die Klein­busse und Kas­ten­wa­gen mit ihren Lenkern (und einigen wenigen Len­ke­rin­nen) die Päckchen und Pakete zu uns bringen. Und das immer häufiger zu „außer­ge­wöhn­li­chen“ Uhr­zei­ten, spät am Abend noch oder am Wochen­ende. Ein Kno­chen­job, denke ich mir, die armen Fahrer.

Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erqui­cken.“ Dieser Satz steht im Mat­thä­us­evan­ge­lium in Kapitel 11, Vers 28. In alten Über­set­zun­gen der Luther­bi­bel heißt es auch „durch anstren­gende Arbeit ermüdet“ oder „belastet sein.“
Mühselig und Beladen im wahrsten Sinne des Wortes denke ich mir dann, wenn ich wieder so einen Menschen sehe, der hektisch und mit großem Zeit­druck seiner schlecht bezahl­ten Arbeit nach­ge­hen muss. Was für eine Arbeit, bei jedem Wetter, immer im Stress weil ja jeder von uns seine Pakete am besten sofort haben will. Und dabei soll das Paket­auto natür­lich nicht im Weg stehen, es soll bloß keine Ausfahrt blo­ckie­ren, keinen Radweg, keinen Gehsteig. Und natür­lich soll der Fahrer auch die Zeit haben, wenn nach dem Klingeln nicht sofort jemand aufmacht. Statt­des­sen soll er warten bis endlich der Tür­summ­mer Einlass gewährt. Und natür­lich ist das alles für mich als Ver­brau­cher am besten „ver­sand­kos­ten­frei“.

In der Bibel ver­spricht Jesus denen, die mühselig und beladen sind, dass er sie erquickt. Viel­leicht ist es an der Zeit, dass wir als Chris­tin­nen und Christen diesem Auftrag auch einmal nach­kom­men. Ob ich den Fahrer erqui­cken kann, weiß ich nicht. Aber wenn wir schon nicht erqui­cken, viel­leicht schaffen wir es ja, das nächste Mal ein wenig mehr Ver­ständ­nis für den Menschen hinter den Paketen auf­zu­brin­gen. Dass wir uns nicht mehr so über den Lie­fer­wa­gen in der Straße aufregen, nicht gleich hupen, min­des­tens ein „Danke“ oder eine ver­ständ­nis­volle Geste für den Paket­fah­rer haben. Und uns viel­leicht einfach nur bewusst machten, dass der, der Pakete liefert, in der Regel nicht der­je­nige ist, der sie bestellt. Viel­leicht ist das schon mal ein erqui­cken­der Anfang.

Ulrich Gottwald, kda Augsburg

Weitere Halbzeit-Andach­ten finden Sie direkt beim Kirch­li­chen Dienst in der Arbeits­welt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern https://kda-bayern.de/mensch-und-arbeit/halbzeit/