Die Texte aus dem Buch 7x7 Mor­gen­brie­fing für Füh­rungs­kräfte ermög­li­chen das Nach­den­ken über ein gängiges, mal außer­ge­wöhn­li­ches Wort. Sie durch­kreu­zen das tägliche Handeln und wirken als Anregung für Geist und Seele. Die Autorin­nen und Autoren gehören wei­test­ge­hend zum Evan­ge­li­schen Verband Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt in der Evan­ge­li­schen Kirche in Deutsch­land. Sie arbeiten in den ent­spre­chen­den lan­des­kirch­li­chen Fach­ab­tei­lun­gen im Bereich der Füh­rungs­kräf­te­ar­beit und des Kirch­li­chen Dienstes in der Arbeits­welt.

Freiraum

Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.
Lukas 10,27

Und wieder ein Morgen, an dem ich einfach nur frei sein will. Frei von dem Spagat zwischen Familie und Beruf; frei von dem All­tags­wahn­sinn, in dem zwei Hände, ein Kopf und zwei Beine nicht aus­zu­rei­chen scheinen. Den Kopf frei bekommen, Atem holen, Raum haben.

Muss ich also auch heute wieder? Oder will ich es doch eigent­lich? Will ich oder muss ich? Diese Frage fängt beim Auf­ste­hen an und beglei­tet mich durch den Tag. Wo ich etwas will, habe ich es frei ent­schie­den. Wo ich muss, werde ich ent­schie­den, reagiere ich auf Ter­min­an­fra­gen, Sach­zwänge und Anfor­de­run­gen von außen. Ich will meine Aufgaben erfüllen und die damit ver­bun­dene Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Ich habe Lust, etwas zu gestal­ten und zu bewegen. Das ent­spricht mir und meinen Fähig­kei­ten. Zugleich muss ich dafür häufige Reisen oder ermü­dende Gesprä­che in Kauf nehmen und muss mit Kon­flik­ten und Wider­stän­den umgehen. Wo ich nur muss, beginnt die Sehn­sucht nach Freiheit. Wo es kein Muss mehr gibt, zeigt sich die Fülle von Mög­lich­kei­ten. Und da, wo es kein Muss gibt, stellt sich die Frage, was ich wirklich will. Will ich oder muss ich? Um das frei ent­schei­den zu können, brauche ich einen Ori­en­tie­rungs­rah­men. Meiner heißt: „Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lukas 10,27). Dieser bibli­sche Satz ver­schafft mir den Raum zwischen Wollen und Müssen. Was will und brauche ich jetzt? Was dienst der Sache und dem gemein­sa­men Leben? Und was ergibt in Gottes Namen Sinn?

Autorin: Renate Fallbrüg

 

Renate Fallbrüg
Spe­che­rin des Aus­schus­ses Führung und Ver­ant­wor­tung KWA

Pastorin, Leiterin des
Kirch­li­chen Dienstes in der Nord­kir­che
König­straße 54
22767 Hamburg
Telefon: 040  30 620 1361
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