Die Texte aus dem Buch 7x7 Mor­gen­brie­fing für Füh­rungs­kräfte ermög­li­chen das Nach­den­ken über ein gängiges, mal außer­ge­wöhn­li­ches Wort. Sie durch­kreu­zen das tägliche Handeln und wirken als Anregung für Geist und Seele. Die Autorin­nen und Autoren gehören wei­test­ge­hend zum Evan­ge­li­schen Verband Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt in der Evan­ge­li­schen Kirche in Deutsch­land. Sie arbeiten in den ent­spre­chen­den lan­des­kirch­li­chen Fach­ab­tei­lun­gen im Bereich der Füh­rungs­kräf­te­ar­beit und des Kirch­li­chen Dienstes in der Arbeits­welt.

Grenzen

Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.
Psalm 18,30

Grenzen spielen keine Rolle. Nichts, das mich ein­schränkt, mich begrenzt. Pure Ent-Grenzung! Ein Bild, das eine Ver­hei­ßung dar­stellt und für Menschen zu einer Quelle der Hoffnung und des Antriebs werden kann. Gerade dort, wo sie sich ein­ge­engt – be-grenzt – fühlen und darunter leiden.
Ent-Grenzung kann gut tun. Aber ist das zugleich auch ein Plädoyer für eine völlig ent­grenzte (Arbeits-) Welt oder eine Wirt­schaft, in der alle Schran­ken fallen? Steht sie für die gren­zen­lose Freiheit, die Reinhard Mey über den Wolken loka­li­siert? Und wem gilt sie? Wer pro­fi­tiert davon? Zu wessen Lasten geht sie im Zwei­fels­fall?
Grenzen sind wichtig. Das gilt für diese Welt im All­ge­mei­nen und die Arbeits­welt im Beson­de­ren. Grenzen können Ori­en­tie­rung geben, schaffen Sicher­heit und not­wen­dige Schutz-Räume. Wird solch eine Grenze über­schrit­ten, dann kommt es zum Tabu-Bruch, weil jemand zu weit gegangen ist.
Grenzen haben auch etwas mit dem Mensch-Sein zu tun. Als Mensch bin ich in meinem Wesen und Handeln begrenzt. Dessen muss ich mir immer wieder bewusst sein und werden. Ansons­ten wird’s ungesund!

Wir brauchen also Grenzen. An den rich­ti­gen Stellen. Mit dem rich­ti­gen Maß. Genau das ist Teil der hohen Führungs-Kunst: Die Grenzen richtig zu ziehen.

Und wenn das nicht der Fall ist? Dann bleiben uns die Hoffnung des Psalm­dich­ters und die Ver­hei­ßung Gottes; denn über solche Grenz-Mauern springen wir dann mit Ver­gnü­gen und: völlig zu Recht.

Autor: Dr. Urs-Ullrich Muther

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