“ Wir brauchen (jetzt nach der Bür­ger­wahl in GB) Reformen für mehr Hand­lungs­fä­hig­keit, Gerech­tig­keit und Demo­kra­tie in Europa…  Um die gefühlte Ferne zu den Bürgern zu ver­rin­gern, müssen die Türen im Minis­ter­rat auf­ge­sto­ßen werden. Dafür braucht es eine Allianz der euro­päi­schen und natio­na­len Par­la­men­ta­rier. Europa muss für sozial Abge­hängte Hoff­nungs­trä­ger statt Feind­bild sein.“ Sven Gigold (MEP)

Nun ist es so gekommen, wie Viele befürch­tet und ähnlich Viele gewünscht haben. Die Briten haben gewählt: Wir behaup­ten unser Eigenes und trennen uns von der Gemein­schaft. Die anderen Europäer bringen uns weniger, als sie uns ein­schrän­ken und schaden.

Ja, viele Menschen spüren seit Jahren, was es heißt, dass das Wachstum Weniger, Viele viel kostet. Sie spüren die Folgen von prekärer Beschäf­ti­gung und mini­mier­ten Sozi­al­leis­tun­gen vor Ort und sie hören, wie Ver­tre­ter der EU betonen, dass die EU eine Wirt­schafts­ge­mein­schaft und keine Sozi­al­ge­mein­schaft ist.   So formal richtig Letz­te­res ist – ver­ant­wort­li­ches Wirt­schaf­ten hat die Folgen für Menschen wie für Unter­neh­men im Blick.

Und ja, u.a. dies macht emp­fäng­lich für Ein­flüs­te­rer, die auf popu­lis­ti­sche Weise ver­brei­ten: „Teilen macht arm“ oder „Es sind die Zuwan­de­rer, die uns alles weg­neh­men“ oder „Brüssel ist Schuld, dass unsere bri­ti­schen Inter­es­sen nicht zum Zuge kommen“. Sie ver­spre­chen einfache Lösungen und an solche Stroh­halme klammern sich (ver­meind­lich) Zukurz­ge­kom­mene. Die Folgen werden nun die Briten und auch alle andere Europäer in vielen Facetten erleben.

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Schon 1991 hat sich die EKD dif­fe­ren­ziert mit den Wech­sel­wir­kun­gen von Gemein­wohl und Eigen­nutz aus­ein­an­der gesetzt. In der Denk­schrift wird die Ein­bin­dung von Eigen­nutz in die Ordnung der Gegen­sei­tig­keit durch das Gebot der Nächs­ten­liebe reflek­tiert. Es zeigt sich heute in Zeiten der Glo­ba­li­sie­rung wieder neu: Aus­gleich von eigenen Inter­es­sen und all­ge­mei­nen Inter­es­sen, Soli­da­ri­tät und gerechte Regeln müssen trans­pa­rent und für alle erfahr­bar sein, um als gute Grund­lage des Zusam­men­le­bens aner­kannt zu sein und um das Recht des Stär­ke­ren oder Schnel­le­ren zu begren­zen. Dies ist offen­sicht­lich zuneh­mend weder in GB noch in Deutsch­land der Fall.

Da sind wir als Kirche, als Staat, als Gesell­schaft gefor­dert! Was leitet die Ver­ant­wort­li­chen auf  lokaler, natio­na­ler und euro­päi­scher Ebene bei der Dis­kus­sion und Ver­ab­schie­dung von gesetz­li­chen Rege­lun­gen, bei der Vergabe von finan­zi­el­len Mitteln, bei der Bewil­li­gung oder Ver­sa­gung von Unter­stüt­zung? Die Fähig­keit Ein­zel­in­ter­es­sen auch im Zusam­men­hang von Gemein­schafts­in­ter­es­sen sehen zu können und eine Kultur der Mit­ver­ant­wor­tung zu ent­wi­ckeln, ist ein Bildungs- und Erzie­hungs­ziel, das im Kern pro­tes­tan­ti­schen Glaubens angelegt ist. Diese Fähig­keit aber bildet sich nicht durch Pre­dig­ten oder Regie­rungs­er­klä­run­gen heraus, sondern durch kon­ti­nu­ier­li­che konkrete Erfah­run­gen.

Wer beide Hände zum Fest­hal­ten braucht,  weil der Boden unter ihm schwankt, hat keine Hand mehr frei um zu teilen oder zu gestal­ten.