Text: Zen­tral­ver­band des Deut­schen Bäcker­hand­werks

Foto: Wolfgang Reiher

Der Erfolg der Deutschen Brotkultur

Mit ca. 3.200 ein­ge­tra­ge­nen Brot­spe­zia­li­tä­ten haben Innungs­bä­cker es geschafft: Die Deutsche Brot­kul­tur wurde durch die natio­nale UNESCO-Kom­mis­sion im Jahr 2014 in das Bun­des­weite Ver­zeich­nis des imma­te­ri­el­len Kul­tur­er­bes auf­ge­nom­men. Aber auch wenn das Rog­gen­brot von Ferne gesehen das her­vor­ste­chende Merkmal „deut­schen Brotes“ sein mag, so ist die deutsche Brot­kul­tur damit jedoch noch kei­nes­wegs erschöp­fend cha­rak­te­ri­siert. Die Arten­viel­falt der Brot­sor­ten in Deutsch­land sucht weltweit ihres­glei­chen. Fragt man nach dem Grund hierfür, so wird man in die Tiefen der Geschichte ver­wie­sen, denn so fraglos die große affek­tive Bindung der Deut­schen an ihr schwar­zes Brot hin­ge­nom­men wird, so schwer ist sie eigent­lich zu erklären. Erst im his­to­ri­schen Rück­blick lassen sich eine ganze Anzahl ver­schie­de­ner Tra­di­ti­ons­li­nien nach­zeich­nen, die zur Eigenart des „deut­schen Brotes“ und seiner Vielfalt geführt haben mögen.

Diese Vielfalt, die in Deutsch­land aus­ge­präg­ter ist als in anderen euro­päi­schen Staaten, hat min­des­tens eine doppelte Ursache. Das sind zum einen seine pedo­lo­gi­schen und kli­ma­ti­schen Vor­aus­set­zun­gen und zum anderen die beson­dere Ent­wick­lung seiner Staats­form.

Für den Getrei­de­an­bau in Deutsch­land ist im wahrsten Sinne die Beschaf­fen­heit der vor­han­de­nen Böden grund­le­gend. Tra­di­tio­nell wurde hier­zu­lande neben Weizen in weiten Teilen mehr­heit­lich Roggen angebaut, der auf sandigen Böden in kühlerem Klima besser wächst als etwa südlich der Alpen, wo fast aus­schließ­lich Weizen angebaut wurde (Dinkel in Schwaben).

In kul­tu­rel­ler Hinsicht fast noch wich­ti­ger war die noto­ri­sche Klein­staa­te­rei des älteren Reiches. Schon unter den späteren Staufern und dann vor allem in der Kai­ser­lo­sen Zeit nach der Abset­zung Kaiser Fried­richs II. (1245 – 1273) kam der kaum begon­nene Prozess der Zen­tra­li­sie­rung der Staats­ge­walt zum Erliegen – ganz im Gegen­satz zu Frank­reich, England und Spanien. So konnte es dazu kommen, dass Brot­for­men von Stadt zu Stadt und von Land­schaft zu Land­schaft wech­sel­ten oder lokale Eigen­hei­ten auf­wie­sen.

In neuester Zeit erlebt diese his­to­risch ange­legte Vielfalt noch einmal einen neuen Schub, vor allem befeuert durch die stei­gende Kon­kur­renz eines immer härter umkämpf­ten Marktes, auf dem sich die Deut­schen Innungs­bä­cker ein weiteres Mal durch­ge­setzt haben. Beson­ders deren Krea­ti­vi­tät hat die Brot­viel­falt und Erfolg erneut ange­scho­ben.

Die Deut­schen Innungs­bä­cker haben somit die Vielfalt der Deut­schen Brot­kul­tur mit ihrem meis­ter­li­chen Können weiter vor­an­ge­trie­ben. Trotz Her­aus­for­de­run­gen in der Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart hat die Deutsche Brot­kul­tur immer ihren Weg gefunden und ist über die Lan­des­gren­zen hinaus beliebt. Auch die aktuelle schlechte Getrei­de­ernte erschwert das Handwerk der Innungs­bä­cker, wird aber nicht die Vielfalt schwä­chen. So können auch dieses Jahr wieder zahl­rei­che Kon­fir­man­den bei der belieb­ten Aktion 5.000 Brote teil­neh­men.

Mehr Infor­ma­tio­nen sowie den Bäcker­fin­der mit allen Deut­schen Innungs­bä­cker und deren geprüfte Back­wa­ren und Brot­spe­zia­li­tä­ten finden Inter­es­sierte unter www.innungsbäcker.de. Eine optimale Mög­lich­keit, die Deutsche Brot­kul­tur live bei seinem Bäcker um die Ecke zu erleben.

Kul­tu­relle und wis­sen­schaft­li­che Hin­ter­gründe bietet die Inter­net­seite des Deut­schen Bro­t­in­sti­tu­tes www.brotinstitut.de.

Zen­tral­ver­band des Deut­schen Bäcker­hand­werks