Fünf Euro am Tag für die Ernäh­rung, ein Euro täglich für die Mobi­li­tät und nur ein Euro pro Monat für die Bildung – Hartz IV deckt grund­le­gende Bedarfe kaum ab. Das kri­ti­sie­ren nun auch die Ver­ein­ten Nationen.

Im Rahmen einer Über­prü­fung des UN-Sozi­al­pak­tes hatte der Sozi­al­aus­schuss am Hoch­kom­mis­sa­riat für Men­schen­rechte Ende Sep­tem­ber in Genf eine Dele­ga­tion der Bun­des­re­gie­rung und Ver­tre­ter der deut­schen Zivil­ge­sell­schaft angehört. Im nun vor­ge­leg­ten Abschluss­be­richt spart das Gremium nicht mit Kritik. Der Aus­schuss sei besorgt, dass das Niveau der Grund­si­che­rung – also u.a. Hartz IV – keinen ange­mes­se­nen Lebens­stan­dard erlaube, heißt es in dem Papier. „Der Aus­schuss emp­fiehlt eine Erhöhung der Grund­si­che­rung durch eine Ver­bes­se­rung der Berech­nungs­me­thode“ (Abs. 47). Daneben fordert er u.a. die Über­prü­fung der Sank­ti­ons­pra­xis in den Job­cen­tern. Erhöht werden müssten auch die Miet­sätze, um den hohen Preisen am Woh­nungs­markt zu ent­spre­chen. Zudem sollten arme Haus­halte vor Strom­sper­run­gen geschützt werden.

Die baye­ri­sche Initia­tive Rechte statt Reste, die sich an dem Ver­fah­ren mit einem so genann­ten Par­al­lel­be­richt betei­ligt hat, sieht sich durch die For­de­run­gen der UN bestä­tigt. „Wir sind nach Genf gefahren, um deutlich zu machen, dass die sozialen Men­schen­rechte auch im reichen Deutsch­land bedroht sind“, so Wil­li­bald Strobel-Win­ter­gerst von der Caritas München. Aus Sicht von Hubert Thier­meyer, ver.di Bayern, muss die Rüge der Ver­ein­ten Nationen schnell zu einem Umdenken in der Sozi­al­po­li­tik führen: „Wir fordern, dass die Bun­des­re­gie­rung die Vorgaben der UN unmit­tel­bar umsetzt.“ Der Hand­lungs­be­darf sei groß, bestä­tigt Efthymia Tsakiri vom Dia­ko­ni­schen Werk Bayern: „Nach unseren Gut­ach­ten müssten die Hartz-IV-Sätze min­des­tens um ein Viertel erhöht werden.“

Der Sozi­al­pakt der Ver­ein­ten Nationen ist seit 1976 gel­ten­des Recht in Deutsch­land. Die Ein­hal­tung der darin ent­hal­ten­den Men­schen­rechte, wie z.B. das Recht auf Soziale Sicher­heit, wird alle fünf Jahre von den Ver­ein­ten Nationen über­prüft.

Pres­se­mit­tei­lung: PM 30.10.2018_Vereinte Nationen fordern höheres Hartz IV

Abschluss­be­richt der Ver­ein­ten Nationen (englisch): https://tbinternet.ohchr.org/_layouts/treatybodyexternal/Download.aspx?symbolno=E%2fC.12%2fDEU%2fCO%2f6&Lang=en

Par­al­lel­be­richt der kirch­lich-gewerk­schaft­li­chen Initia­tive Rechte statt Reste: https://kda-bayern.de/parallelbericht-rechte-statt-reste/

Ansprech­part­ner:
Philip Büttner
Wis­sen­schaft­li­cher Referent
Kirch­li­cher Dienst in der Arbeits­welt
der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (kda)
Schwan­tha­ler­str. 91
80336 München
Tel: 089 530737 33
buettner@kda-bayern.de