Es gibt einen Zusam­men­hang zwischen auf­tre­ten­den Kon­flik­ten und der Moti­va­tion von Mit­ar­bei­ten­den. Man kann zwar nicht sagen, dass ein kon­flik­t­ar­mes Arbeits­ver­hält­nis auto­ma­tisch die Mit­ar­bei­ten­den moti­viert, aber anders­herum gilt das auf alle Fälle. Da wo es eine Menge Kon­flikte gibt, fehlt häufig die Moti­va­tion für zufrie­den­stel­len­des Arbeiten und zufrie­den­stel­lende Arbeits­er­geb­nisse.

 

In Zeiten da Arbeits­kraft in im Übermaß vor­han­den ist, lässt sich auf die Zufrie­den­heit der Mit­ar­bei­ten­den gut ver­zich­ten. Manchen Fir­men­in­ha­bern, Managern und Vor­ge­setz­ten waren die Menschen in den Betrie­ben oder Ein­rich­tun­gen trotzdem wichtig. Diese Betriebe haben in den nun auf uns zu kom­men­den Jahren schon eine Phi­lo­so­phie vor­zu­wei­sen und Erfah­rung in Füh­rungs­fra­gen erworben. Anderen wird erst die „Not am Mann, die Not an der Frau“ klar machen, dass die Art und Weise des Mit­ein­an­ders bei der Wahl des Arbeits­plat­zes mit­ent­schei­det.

 

Aus den Per­so­nal­ab­tei­lun­gen einiger klein- und mit­tel­stän­di­scher Unter­neh­men, vor allem in länd­li­chen Gebieten und von Hand­wer­kern hören wir, dass geeig­nete Mit­ar­bei­tende zu finden, ein Problem ist. Die Gründe dafür sind viel­fäl­tig, genauso die Maß­nah­men, die für Werbung für die freien Stellen ein­ge­setzt werden. Es wird teil­weise viel Geld aus­ge­ge­ben, um Mit­ar­bei­tende anzu­wer­ben. Das ist eine Seite der Pro­ble­ma­tik. Andere drehen sich um die Frage, ob und wie es gelingt qua­li­fi­zierte und moti­vierte Mit­ar­bei­tende im Betrieb zu halten.

 

Die Hemm­schwelle ein Unter­neh­men zu ver­las­sen sinkt aus viel­fäl­ti­gen Gründen. Die Bindung der Mit­ar­bei­ter an ihre Unter­neh­men ist all­ge­mein gering. Nur ungefähr jeder achte Mit­ar­bei­tende hat eine hohe emo­tio­nale Bindung zum Unter­neh­men. Umfragen, Sta­tis­ti­ken und Daten­er­he­bun­gen gibt es viele zum Thema. Die Aussagen gehen dabei ein­deu­tig in eine Richtung. Geld ist nicht so wichtig wie man denken mag, sondern die Unter­neh­mens­kul­tur nimmt den höchsten Stel­len­wert ein. Inter­es­sant ist auch, dass bei den Ursachen für Fehl­zei­ten, psy­chi­sche Probleme in die Spit­zen­gruppe gerückt sind (Fehl­zei­ten-Report 2017).

 

Nicht allen Kon­flik­ten soll und muss aus dem Wege gegangen werden und kei­nes­falls sind alle Kon­flikte zu ver­mei­den. Manche Kon­flikte sind sogar sehr hilf­reich. Unge­löste per­sön­li­che Kon­flikte am Arbeits­platz aber nehmen dem Mit­ar­bei­ten­den die Freude und die Moti­va­tion an der Arbeit, wirken sich daneben negativ auf das Pri­vat­le­ben aus und machen letzt­lich krank.

 

Wer sich die Klagen mancher Betriebs­räte, Per­so­na­ler und Mit­ar­bei­ter anhört, die meist unter vor­ge­hal­te­ner Hand mit­ge­teilt werden, kann kaum zu glauben, von welchen Zustän­den berich­tet wird. Die mensch­li­che Ver­wahr­lo­sung im Umgang mit­ein­an­der geht in manchen Betrie­ben, Orga­ni­sa­tio­nen und Behörden ins Unsäg­li­che. Ich ertappe mich dabei, vieles zu rela­ti­vie­ren und lieber weg­zu­schauen, weil ich nicht bereit bin zu glauben, was sich hier und da abspielt.

 

Psy­chi­sche Belas­tun­gen am Arbeits­platz sind teil­weise durch die Arbeit an sich gegeben. Wer im Job mit Not, Elend, Krank­hei­ten oder Schick­sals­kri­sen aller Art kon­fron­tiert ist, erlebt zwei­fels­ohne starke psy­chi­sche Belas­tun­gen und muss damit umgehen lernen. Diese Nöte gibt es. Wir müssen dankbar sein für alle, die sich den Aufgaben in diesen Feldern stellen.

 

An fehlende Füh­rungs­kom­pe­tenz, man­geln­den Respekt im Umgang mit­ein­an­der, Maß­lo­sig­keit, Vor­teils­nahme, Macht- oder Amts­miss­brauch, muss, kann und will ich mich aber nicht gewöhnen. Solches wird dennoch viel zu oft hin­ge­nom­men. Keine Frage, dass sich Mit­ar­bei­tende nicht mehr für ihre Arbeit­ge­ber inter­es­sie­ren und nur noch Dienst nach Vor­schrift machen. Dabei hat doch jeder einmal mit Elan ange­fan­gen. Manche Arbeit­ge­ber haben das ver­stan­den und arbeiten daran. Zusammen mit ihren Mit­ar­bei­ten­den schaffen sie Struk­tu­ren, die am Ende allen Nutzen bringen.

 

Aber nicht nur Füh­rungs­ebe­nen lassen im Umgang mit Wei­sungs­emp­fän­gern Fragen offen. Die Soli­da­ri­tät auf gleicher Hier­ar­chie­ebene lässt eben­falls nach. Macht­ge­ba­ren, Nie­der­tracht, Neid oder Miss­gunst sind Haupt­be­weg­gründe, warum sich Mit­ar­bei­tende unter­ein­an­der das Leben zur Hölle machen. Kaum zu glauben, dass höhere Ebenen das nicht sehen wollen und die Chancen liegen lassen, durch ein besseres Kon­flikt­ma­nage­ment zumin­dest die ver­lo­ren­ge­hen­den Res­sour­cen zurück­zu­ge­win­nen. Ein besserer Umgang mit­ein­an­der könnte ja viel­leicht als Kol­la­te­ral­ge­winn mit­ge­nom­men werden.

 

Im schlimms­ten Falle aber passiert es, dass als per­so­nal­pla­ne­ri­sches Mittel, Sozio­pa­ten zum Abwra­cken ein­ge­stellt werden. Deren Job ist es, unlieb­same Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen so unter Druck zu setzen, dass sie über die Schiene des psy­chi­schen Zusam­men­bruchs die Stelle räumen müssen. Für derlei Handeln gibt es Seminare und Hil­fe­stel­lung durch Fach­an­wälte. Es gibt sozu­sa­gen einen Aus­bil­dungs­markt für soziales Fehl­ver­hal­ten. Das ist bekannt und bleibt doch wei­test­ge­hend medial unkom­men­tiert und auch seitens der Politik wird nicht wirklich etwas dagegen unter­nom­men. Wer möchte eigent­lich bei einem so han­deln­den Arbeit­ge­ber beschäf­tigt sein?

 

Zu einem direkt Betrof­fe­nen gehören Familie, Ver­wandte, Freunde und Bekannte. Die Zahl derer, die sich durch Fehl­ver­hal­ten „von irgendwo da oben“ betrof­fen fühlen können, ist also Größer als die Zahl der direkten Opfer. Moti­vie­rend ist das nicht.

 

Wenn die Kosten für krank­ma­chen­des Ver­hal­ten von den Ver­ur­sa­chern getragen werden müssten, käme Bewegung ins Spiel. Die Kosten trägt aber in dop­pel­tem Sinne die Gemein­schaft der Kran­ken­kas­sen­bei­trags­zah­ler. Das moti­viert auch nicht.

 

So trägt es sich natür­lich nicht überall zu, aber leider all zu oft. Das sich, wie oben beschrie­ben, nur eine geringe Pro­zent­zahl Mit­ar­bei­tende ihrem Arbeit­ge­ber gegen­über emo­tio­nal ver­bun­den fühltr und dafür ein ebenso großer Anteil sich in innerer Emi­gra­tion befindet, hat sicher auch damit zu tun, dass auf das see­li­sche und psy­chi­sche Wohl der Arbei­ten­den zu wenig Wert gelegt wurde. Auf Dauer können wir uns das als Gesell­schaft aber gar nicht leisten. Es besteht geradezu eine Not­wen­dig­keit mit den Mit­ar­bei­ten­den das Minen­feld gegen­sei­ti­gen Umgangs zu räumen.

 

In der Pflicht stehen die Vor­ge­setz­ten. In alle Hier­ar­chie­ebe­nen gehört die Aufgabe für respekt­vol­len Umgang zu sorgen. Ein Ziel könnte heißen, dass in meinem Ver­ant­wor­tungs­be­reich die Arbei­ten­den ein Umfeld vor­fin­den, das ihnen Respekt und psy­chi­sche Unver­sehrt­heit gewährt. Führen muss besser gelehrt und gelernt werden.

 

Das Maß der Arbeits­zu­tei­lung soll nicht über und nicht unter­for­dern. Hierbei ist auch ein gene­rel­les Umdenken gefor­dert. Die Menschen sind nicht gleich und haben deswegen auch unter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten Arbeit zu leisten. Es muss neue Modelle geben, die das berück­sich­ti­gen. Jeden­falls da, wo immer das möglich ist.

 

In der Pflicht stehen aber auch die Mit­ar­bei­ten­den und Wei­sungs­emp­fän­ger. Teil­weise kin­di­sches Ein­for­dern von Gleich­be­hand­lung, die Ver­drän­gungs­kämpfe, Neid und Miss­gunst sind all­ge­gen­wär­tige Phä­no­mene und sie sind gewis­ser­ma­ßen uner­träg­lich. Wir alle tragen auch Ver­ant­wor­tung für­ein­an­der. Dieses Bewusst­sein muss zurück in unser Denken. Wenn Ver­ant­wor­tung immer nur auf Andere abge­wälzt wird, zer­bricht unser System an uns selbst. Soli­da­ri­tät unter­ein­an­der und Loya­li­tät gegen­über dem Arbeit­ge­ber sollten keine Gegen­sätze sein.

 

Jeder Einzelne kann an seinem Arbeits­platz zum beenden dieses Krieges bei­tra­gen. Jeder Betrieb, der ein gutes Kon­flikt­ma­nage­ment betreibt, kann damit werben und sollte unter­stützt werden.

 

Heute einen Krieg beenden? Das geht!

 

Quellen:

- TÜV-SÜD: https://www.tuev-sued.de/uploads/images/1345810110112213890885/studie-bei-mitarbeiterzufriedenheit-liegt-grosses-potenzial-brach.pdf

- Fehl­zei­ten-Report 2017, Badura, Bernhard u.a. (Hrsg.) Krise und Gesund­heit – Ursachen, Prä­ven­tion, Bewäl­ti­gung, Springer 2017

 

 

Peter Grohme
Bil­dungs­re­fe­rent
Kirch­li­cher Dienst in der Arbeits­welt
Referat Wirt­schaft-Arbeit-Soziales der EKKW
Tel: 06456 3059956
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