Hannover, 27. April 2020

Der 1. Mai ohne Volks­fest auf dem grünen Hügel in Reck­ling­hau­sen

Die Geburts­stunde der Ruhr­fest­spiele liegt im Winter 1946/47. Betriebs­rat und Ver­wal­tungs­di­rek­tor der Ham­bur­ger Theater suchten damals Hilfe bei den Zechen im Ruhr­ge­biet, weil sie ihre Gebäude nicht beheizen und ihre Büh­nen­tech­nik nicht betrei­ben konnten. Sie brauch­ten Kohle. Berg­leute der Zeche König Ludwig in Reck­ling­hau­sen umgingen die Kon­trol­len der Besat­zungs­mächte und beluden die LKW aus Hamburg mit Kohle aus dem Revier. – Ein Akt der Soli­da­ri­tät. Soli­da­risch ist man nicht allein!

Im dar­auf­fol­gen­den Sommer brachten 150 Schauspieler*innen aus Hamburg „Kunst für Kohle“ ins Ruhr­ge­biet. Ham­bur­gi­sche Staats­oper, Phil­har­mo­ni­sches Orches­ter und Thalia Theater spielten für  die Menschen, die sie unter­stützt hatten. – Auch das: ein Akt der Soli­da­ri­tät. Soli­da­risch ist man nicht allein!

Aus diesen Anfängen ent­wi­ckelte sich eines der ältesten und größten Thea­ter­fes­ti­vals in Europa: die Ruhr­fest­spiele. Und die beginnen an jedem 1. Mai mit einem großen Volks­fest auf dem Hügel des Stadt­gar­tens rund um das Fest­spiel­haus. Das Volks­fest wiederum beginnt mit der Kund­ge­bung des Deut­schen Gewerk­schafts­bun­des, der mit der Stadt Reck­ling­hau­sen Gesell­schaf­ter des Fes­ti­vals ist.

Im Zeichen von Corona: keine Ruhr­fest­spiele, kein Volks­fest, keine Kund­ge­bung

Der 1. Mai ohne traditionelle Kundgebung

Auf Soli­da­ri­tät ist der Sozi­al­staat auf­ge­baut, das spüren wir in Zeiten der Corona-Pandemie deut­li­cher denn je. Das Leben kon­fron­tiert uns mit unvor­her­ge­se­hen Lebens­er­eig­nis­sen, die einen aus der Bahn werfen können. Bin ich soli­da­risch und frage nicht, was jemanden zusteht und was ich wann zurück­be­komme? Sondern ich bin über­zeugt, dass ich irgend­wann, wenn ich Hilfe benötige, mir jemand wieder auf die Beine hilft. Du bist nicht allein – wir stehen für­ein­an­der ein – in einer Welt, in der soli­da­risch sein nicht unbe­dingt angesagt ist! Ein unso­li­da­ri­sches Leben ist ein armes Leben.

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