„Die Kampagne Steuer gegen Armut kri­ti­siert aufs Schärfste, dass das EU-Finanz­mi­nis­ter­tref­fen zur Finanz­trans­ak­ti­ons­steuer (FTS) am 10. Juli auf unbe­stimmte Zeit ver­scho­ben werden soll“ erklärte der Sprecher der Kampagne Steuer gegen Armut, Detlev von Larcher. „Diese Ver­schie­bung geht auf das Konto des fran­zö­si­schen Staats­prä­si­den­ten Macron und das obwohl die alte Regie­rung in Paris einem fertigen Kom­pro­miss bereits zuge­stimmt hatte“.

„Macrons Sabotage an der FTS ist Teil eines Pakets von Geschen­ken an die Banken, zu dem auch die Her­aus­nahme des Intra-Day-Handels aus der derzeit gel­ten­den fran­zö­si­schen Trans­ak­ti­ons­steuer gehört, sowie Steu­er­erleich­te­run­gen für Spit­zen­ge­häl­ter und Boni von Bankern,“ erklärte Peter Wahl von WEED – Welt­wirt­schaft, Ökologie & Ent­wick­lung.

„Offenbar wird der Ausstieg aus aus­ver­han­del­ten Ver­ein­ba­run­gen Mode“, so von Larcher weiter. „Nach Trumps Ausstieg aus dem Kli­ma­ab­kom­men will jetzt Macron offen­sicht­lich aus der Finanz­trans­ak­ti­ons­steuer aus­stei­gen. Zwar geht er dabei nicht ganz so plump vor, wie sein US-Kollege, und gibt vor, end­gül­tig nach dem BREXIT ent­schei­den zu wollen, tat­säch­lich aber läuft das Manöver auf die klamm­heim­li­che Liqui­die­rung des Vor­ha­bens hinaus.“

„Das Argument mit dem BREXIT ist ein faden­schei­ni­ger Vorwand“ ergänzte dazu Peter Wahl. „Schließ­lich wird die Finanz­in­dus­trie der Eurozone zum großen Gewinner des BREXIT, weil ein erkleck­li­cher Teil des Geschäfts aus der Londoner City in die Stand­orte auf dem Kon­ti­nent umzieht, darunter nach Paris,“ so Wahl, „Wett­be­werbs­nach­teile für die fran­zö­si­schen Banken wird es daher nicht geben – im Gegen­teil.“

„Die Bun­des­re­gie­rung muss die bevor­ste­hen­den deutsch-fran­zö­si­schen Regie­rungs­kon­sul­ta­tio­nen am 13. Juli  nutzen, um Paris von seiner destruk­ti­ven Haltung abzu­brin­gen“, erklärte Pia Schwert­ner von Oxfam. „Sollten die Ver­hand­lun­gen aus­ge­rech­net von Frank­reich in letzter Minute tor­pe­diert werden, wäre dies ein Schlag ins Gesicht der Zivil­ge­sell­schaft. Macron darf den Willen der euro­päi­schen Bevöl­ke­rung nicht igno­rie­ren. Er muss sich ent­schei­den, ob er der Prä­si­dent der Banken oder der Prä­si­dent der Bürger sein will. “

Die Evan­ge­li­sche Kirche in Deutsch­land fordert seit 2010 die Ein­füh­rung einer Finanz­trans­ak­ti­ons­steuer. Sie ist einer­seits ein Mittel zur Regu­lie­rung der Finanz­märkte und Ein­däm­mung von Spe­ku­la­tion. Ande­rer­seits können die Ein­nah­men zur Armuts­be­kämp­fung und für den Klima- und Arten­schutz und damit zur Bewah­rung der Schöp­fung genutzt werden. „Es ist mehr als ent­täu­schend, dass der Prozess hin zur Ein­füh­rung einer Finanz­trans­ak­ti­ons­steuer kurz vor dem Ziel abge­bro­chen wird. Zugleich ist es ein trau­ri­ges Beispiel dafür, wie es der Finanz­in­dus­trie gelingt, Politik in ihrem Sinne handeln zu lassen“, sagt Thomas Krämer, The­men­be­auf­trag­ter des Kirch­li­chen Dienst in der Arbeits­welt der Evan­ge­li­schen Kirche in Deutsch­land.

 

Weitere Infor­ma­tio­nen zur Kampagne: http://www.steuer-gegen-armut.org

Thomas Krämer
Kirch­li­cher Dienst in der Arbeits­welt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
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90459 Nürnberg 
Tel: 0911 43100–225 
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Annelies Bruhne
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