Hier den Aufruf Unter­zeich­nen: www.weareinthistogether.eu

Sven Giegold, Mitglied der Grü­nen­/EFA-Fraktion im Euro­pa­par­la­ment, ruft zur Unter­zeich­nung des Deutsch-ita­lie­ni­schen Appells auf:

Liebe Freun­din­nen und Freunde,

wir erleben einen ent­schei­den­den Moment für Europa. Die Soli­da­ri­tät der euro­päi­schen Gemein­schaft steht auf der Probe. Die Coro­na­krise wurde von keinem Land allein ver­schul­det. Euro­päi­sche Soli­da­ri­tät ist das Gebot der Stunde. Die Pandemie trifft uns als Euro­päe­rin­nen und Europäer gemein­sam, wir müssen sie deshalb auch gemein­sam bewäl­ti­gen. Statt euro­päi­scher Einheit, erleben wir natio­nale Spaltung unter den Regie­run­gen. Eine Spaltung Europas ist die denkbar schlech­teste Antwort auf diese gemein­same Her­aus­for­de­rung. Die Bun­des­re­gie­rung beför­dert die Spaltung Europas.

Wir, Italiener*innen und Deutsche, fordern unsere Regie­run­gen auf, die alten Muster der Spaltung in Europa zu über­win­den. We are in this together. Mit diesem deutsch-ita­lie­ni­schen Aufruf wollen wir ein Zeichen setzen. Zu den Erst­un­ter­zei­chern gehören u.a Mario Monti und Enrico Letta (ehe­ma­lige Pre­mier­mi­nis­ter Italiens), Hans Eichel (ehe­ma­li­ger Finanz­mi­nis­ter Deutsch­lands) und der bekannte Euro­pa­ab­ge­ord­nete a.D. Elmar Brok (CDU) sowie eine lange Reihe von Top-Ökonomen aus Italien und Deutsch­land.

Viele Deutsche sind mit dem Kurs der Bun­des­re­gie­rung nicht ein­ver­stan­den und ver­lan­gen auch finan­zi­elle Soli­da­ri­tät in Europa auch durch gemein­same Anleihen. Und viele Ita­lie­ner wollen Europa zusam­men­hal­ten und den Popu­lis­ten etwas ent­ge­gen­set­zen. Unseren For­de­run­gen haben sich bereits viele pro­mi­nente Deutsche und Italiener*innen aus Politik, Wirt­schaft, Wis­sen­schaft, Kultur und Sport ange­schlos­sen.

Bitte setzen Sie auch ein Zeichen und unter­zeich­nen unseren deutsch-ita­lie­ni­schen Aufruf hier: www.weareinthistogether.eu

Wir fordern: Alle EU-Insti­tu­tio­nen sowie die Mit­glied­staa­ten müssen sich dringend an einer gemein­sa­men Anstren­gung mit vier Schlüs­sel­ak­tio­nen betei­li­gen:

  1. Die EZB hat wichtige erste Maß­nah­men ergrif­fen. Wir brauchen einen umfas­sen­den finan­zi­el­len Schutz­schild für Europa und den Euroraum.
  1. Dies ist nicht nur die Aufgabe der Geld­po­li­tik, sondern gehört auch demo­kra­tisch ent­schie­den im Rahmen der Fis­kal­po­li­tik.Alle Mit­glieds­staa­ten der Eurozone müssen einen zuver­läs­si­gen und lang­fris­ti­gen Zugang zu den von der EZB ermög­lich­ten Nied­rig­zins­fi­nan­zie­run­gen erhalten.Deshalb unter­stüt­zen wir die sofor­tige Eröff­nung einer „Gesundheits“-Kreditlinie im ESM, mit fokus­sier­ten Bedin­gun­gen um sicher­zu­stel­len, dass die Kredite für genau defi­nierte Kate­go­rien von gesund­heits­be­zo­ge­nen Pro­gram­men ver­wen­det werden, ohne dass zusätz­li­che Bedin­gun­gen gestellt werden.
  1. Aber wir brauchen auch eine Las­ten­tei­lung, da die Krise alle Länder gleich­zei­tig trifft und sich kein einziges Land aufgrund schlech­ter wirt­schafts- oder finanz­po­li­ti­scher Ent­schei­dun­gen der Ver­gan­gen­heit in dieser Krise befindet. Wir brauchen eine Las­ten­tei­lung, weil einige Länder sonst Gefahr laufen könnten, nicht genug für Gesund­heit und eine rasche Wie­der­auf­nahme der wirt­schaft­li­chen Akti­vi­tä­ten ausgeben zu können. Dies würde nicht nur dem betrof­fe­nen Land schaden, sondern den gesamten Bin­nen­markt gefähr­den. Wir fordern daher dieAusgabe von Euro­päi­schen Gesund­heits­an­lei­hen mit einem klaren und defi­nier­ten gemein­sa­men Ziel und unter Ein­hal­tung gemein­sam ver­ein­bar­ter Richt­li­nien.Dies würde es ermög­li­chen, die Last gemein­sam und auf demo­kra­ti­sche Weise zu schul­tern.
  1. Die Dring­lich­keit besteht in der Bekämp­fung der Coro­na­vi­rus-Pandemie und ihrer unmit­tel­ba­ren Folgen. Wir sollten jedoch Maß­nah­men vor­be­rei­ten, die not­wen­dig sind, um zu einem guten Funk­tio­nie­ren unserer Gesell­schaf­ten zurück zu kehren und zu einer nach­hal­ti­gen wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung über­zu­ge­hen, indem wir unter anderem Kli­ma­schutz und die digitale Trans­for­ma­tion inte­grie­ren. Dies erfor­dert einekoor­di­nierte Aus­stiegs­stra­te­gie, einen umfas­sen­den Kon­junk­tur­plan und bei­spiel­lose Inves­ti­tio­nen. Wir fordern die Prä­si­den­ten der Kom­mis­sion und des Euro­päi­schen Rates auf, in Zusam­men­ar­beit mit dem Euro­päi­schem Par­la­ment und anderen Insti­tu­tio­nen, ins­be­son­dere der EZB und der EIB, einen ent­spre­chen­den Akti­ons­plan vor­zu­le­gen.

Dieser Appell wurde von Fran­ziska Brantner MdB, Sven Giegold MdEP und Alex­an­dra Geese MdEP initi­iert.

Zu den Erstunterzeichner*innen gehören Mario Monti, Enrico Letta, Lorenzo Bini Smaghi, Carolin Emcke, Fran­ce­sca Melandri, Marcel Fratz­scher, Sebas­tian Dullien, Elmar Brok, Tito Boeri, Michael Hüther, Peter Bofinger, Jens Südekum, Chris­toph Trebesch, Gabriel Fel­ber­mayr, Hans Eichel, René Obermann, Emma Bonino, Ulrike Guérot, Ruprecht Polenz, Jagoda Marinic, Amelie Deufl­hard, Matthias Lili­en­thal, Giuliano Pisapia, Beatrice Weder di Mauro, Leoluca Orlando, Carlo Fel­tri­nelli, Igor Levit, Aleida Assman und Lars Cas­tel­lucci.

Der voll­stän­dige Text mit allen Unterzeichner*innen steht offen zur Mit­zeich­nung unter: www.weareinthistogether.eu

Mit hoff­nungs­vol­len euro­päi­schen Grüßen,

Sven Giegold