Wir wissen, dass wir unsere Lebens­weise und vor allem das Wirt­schaf­ten ändern müssen, wenn wir unseren Kindern und Enkeln eine gute Lebens­grund­lage hin­ter­las­sen wollen. Und dennoch rückt das Datum des jähr­li­chen Earth Over Shoot Day immer weiter nach vorne. Seit dem 22. August leben wir daher schon auf Kosten der Zukunft und ver­brau­chen mehr an Res­sour­cen als die Erde in einem Jahr bereit­stel­len kann. Dass wir unsere Lebens­weise ver­än­dern können, wenn wir alle es wollen, zeigt sich während der Corona-Pandemie. Wir ändern Gewohn­hei­ten und schrän­ken uns ein, um uns selbst und andere zu schützen. Ähnlich ent­schie­den müssten wir auch handeln, wenn wir den Kli­ma­wan­deln noch auf­hal­ten wollen.

Die Euro­päi­sche Kom­mis­sion hat mit dem euro­päi­schen grünen Deal das Thema Umwelt zu einer ihrer Prio­ri­tä­ten gemacht und einen – in ihren Worten – ambi­tio­nier­ten Plan für Klima- und Umwelt­schutz vor­ge­legt. Bis zum Jahr 2050 möchte die Euro­päi­sche Union, dass Europa der erste kli­ma­neu­trale Kon­ti­nent wird und Treib­haus­gase auf null redu­ziert sein werden. Anliegen des euro­päi­schen grünen Deals ist es, die dafür anste­hen­den wirt­schaft­li­chen, tech­no­lo­gi­schen und gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen, in den Berei­chen Indus­trie, Handel, Verkehr, Ener­gie­ver­sor­gung, sowie Land- und Forst­wirt­schaft, wirt­schafts­po­li­tisch aus­ge­wo­gen und sozial gerecht zu gestal­ten. So soll sicher­ge­stellt werden, dass es einen breiten Kon­sen­sus in der Gesell­schaft für Ver­än­de­run­gen gibt. Das alles sind gute Ansätze und Vorhaben. Die ent­schei­dende Frage ist jedoch, ob wir tat­säch­lich noch 30 Jahre Zeit für diese Ver­än­de­run­gen haben werden. 30 Jahre sind ange­sichts der Geschwin­dig­keit mit der das Klima sich schon jetzt ändert eine lange Zeit und der euro­päi­sche grüne Deal mag daher wenig ambi­tio­niert und als zu langsam erschei­nen. In diesen 30 Jahren muss es uns gelingen, kli­ma­neu­tral zu werden. Daher ist umso wich­ti­ger, dass wir uns sofort alle auf dem Weg zu mehr Kli­ma­schutz machen und große Schritte schon jetzt gehen, um spä­tes­tens 2050 beim Ziel null Emis­sio­nen ange­kom­men zu sein.

Ein wich­ti­ger Schritt hin zu diesem Ziel ist, dass unter der deut­schen EU-Rats­prä­si­dent­schaft bis Ende Dezember ein Entwurf für ein euro­päi­sches Kli­ma­ge­setz vor­lie­gen soll. Im euro­päi­schen Kli­ma­ge­setz soll die Kli­ma­neu­tra­li­tät der Euro­päi­schen Union bis 2050 recht­lich ver­bind­lich fest­ge­schrie­ben werden. Wichtig wäre aber auch, dass die EU sich bis Ende Dezember auf ver­bind­li­che CO2-Ver­rin­ge­run­gen bis 2030 festlegt. Das aktuelle Kli­ma­ziel für 2030 sieht eine Ver­rin­ge­rung der Emis­sio­nen um 40 % vor. Dieses aktuelle Ziel ist jedoch zu gering um die Ver­pflich­tun­gen aus dem Pariser Kli­ma­ab­kom­men ein­zu­hal­ten. Daher sollte eine Reduk­tion auf 50–55% besser noch 65 % bis 2030 beschlos­sen werden. Der Akti­ons­plan für Kreis­lauf­wirt­schaft, das 8. Umwelt­ak­ti­ons­pro­gramm der EU sowie eine neue Bio­di­ver­si­täts­stra­te­gie stehen eben­falls auf der Agenda der deut­schen EU-Rats­prä­si­dent­schaft. Es tut sich was in Sachen Kli­ma­schutz unter der deut­schen EU-Rats­prä­si­dent­schaft und mit dem euro­päi­schen grünen Deal, doch ambi­tio­niert ist es noch nicht. Wir könnten und müssten noch mehr leisten.

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Und wir Chris­tin­nen und Christen? Die Bewah­rung der Schöp­fung ist ein Kern­an­lie­gen von uns Chris­tin­nen und wir können in unserem täg­li­chen Leben ver­su­chen, unsere Lebens­weise so öko­lo­gisch wie es uns möglich ist, zu gestal­ten. Das ent­bin­det jedoch nicht die Politik davon, ver­bind­li­che Maß­nah­men und Rege­lun­gen zum Kli­ma­schutz zu treffen. Wir  können daher mehr Kli­ma­schutz von der Politik ein­for­dern. Auch die Indus­trie muss ihren Beitrag zu mehr Kli­ma­schutz leisten. Auch hier findet schon von vielen Unternehmer:innen ein Umdenken statt und sie wirt­schaf­ten bereits jetzt fair und nach­hal­tig. Diese Menschen können wir in ihrem Tun unter­stüt­zen und bestär­ken.

Autorin und Kontakt

Dr. Julia Dinkel
Spre­che­rin des Europa-Aus­schus­ses KWA

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