Hannover, 29. April 2021

Keine halben Sachen mehr! Solidarität ist Zukunft, DGB-Motto zum 01. Mai

„Wir müssen die Bedin­gun­gen in der Pflege, in der Fleisch­in­dus­trie und in der Ernte im Blick behalten.“ Dazu fordert der Evan­ge­li­sche Verband Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt e.V. (KWA) zum Tag der Arbeit auf. „Als Teil der Evan­ge­li­schen Kirche setzen wir uns stets für gute Arbeit und soziale Gerech­tig­keit ein“, so Gudrun Nolte, Vor­sit­zende im KWA. „Beson­ders wichtig ist uns eine nach­hal­tige und soziale Wirt­schafts­ord­nung. Ohne soli­da­ri­sches Handeln ist die nicht denkbar.“ Sie fügt hinzu: „Gerade prekäre Beschäf­ti­gung bedarf wei­ter­hin unserer großen Auf­merk­sam­keit. Prekär beschäf­tigte Arbeitnehmer*innen erhalten häufig keinen „anstän­di­gen“ Lohn, im Gegen­teil zahlen sie einen hohen Preis für ihre Arbeit – ins­be­son­dere dann, wenn ihre Gesund­heit aufs Spiel gesetzt wird.“ Das haben die Corona-Aus­brü­che bei Erntehelfer*innen und in der Fleisch­in­dus­trie deutlich gezeigt.

Fleisch­in­dus­trie:
Wir begrüßen das seit Januar geltende Arbeits­schutz­kon­troll­ge­setz und das darin for­mu­lierte Verbot von Werk­ver­trä­gen in der Fleisch­in­dus­trie als not­wen­di­gen ersten Schritt. Um jedoch die Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der Beschäf­tig­ten nach­hal­tig zu ver­bes­sern, müssen weitere Schritte folgen. Dazu gehört z.B., beengte und schlechte Wohn­ver­hält­nisse zu über­win­den und ein ange­mes­se­ner, garan­tier­ter Lohn. Wir unter­stüt­zen den Vor­schlag der EU-Kom­mis­sion, Min­dest­löhne in der EU an 60% des Medi­an­wer­tes aller Ein­kom­men eines Landes aus­zu­rich­ten. Um Armuts­löhne zu ver­hin­dern, dürfen neue (Branchen-) Min­dest­löhne nur oberhalb dieser Grenze abge­schlos­sen werden.

Wir fordern: Keine halben Sachen mehr, wenn es um Men­schen­würde, Gesund­heit und Gerech­tig­keit in der Fleisch­in­dus­trie geht.

Ernte:
Auch Erntehelfer*innen waren im ver­gan­ge­nen Jahr stark von Corona und schlech­ten Arbeits­be­din­gun­gen betrof­fen. Beson­ders schwie­rig in diesem Jahr: Der Gesetz­ge­ber duldet erneut, dass Sai­son­be­schäf­tigte nicht sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig sind, wenn sie weniger als 102 Tage in Deutsch­land arbeiten. Damit sind Erntehelfer*innen u.U. nur sehr unzu­rei­chend oder im Extrem­fall über­haupt nicht kran­ken­ver­si­chert.

Pflege:
Auf die Pfle­ge­kräfte schauen wir mit erheb­li­cher Sorge. Pfle­gende in Kran­ken­häu­sern und Alten­hei­men leisten seit Jahren viel mehr Mehr­ar­beit als ihnen und ihrer Gesund­heit guttut. Die schwie­ri­gen Arbeits­be­din­gun­gen und die man­gelnde Per­so­nal­be­mes­sung für die Mit­ar­bei­ten­den in Kran­ken­häu­sern führen zu Über­for­de­rung und extremer psy­chi­scher und phy­si­scher Belas­tung. Im Corona-Jahr 2020 haben weitere 9000 Pfle­ge­kräfte den Pfle­ge­be­ruf ver­las­sen. Sie brauchen unsere Soli­da­ri­tät und Unter­stüt­zung, weil ihnen häufig die Kraft für Arbeits­kämpfe fehlt.

Erst vor wenigen Wochen schien ein flä­chen­de­cken­der Tarif­ver­trag in der Alten­pflege zum Greifen nahe.  Ein solcher Tarif­ver­trag hätte Pfle­ge­kräf­ten Aner­ken­nung gegeben, den Rücken gestärkt, in vielen Berei­chen für bessere Arbeits­be­din­gun­gen gesorgt und zur sozialen Gerech­tig­keit bei­getra­gen. Die Caritas hat abge­lehnt und die Diakonie hat keinen Beschluss dazu gefasst.

Auch hier sagen wir: Keine halben Sachen mehr! Soli­da­ri­tät ist Zukunft.

Öku­me­ni­sche Kir­chen­tag:
Wenige Tage nach dem Tag der Arbeit beginnt der Öku­me­ni­sche Kir­chen­tag unter dem Motto „Schaut hin“.  Der KWA und seine Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen in den Lan­des­kir­chen schauen genau hin und werden das auch in Zukunft tun. „Schaut hin“ ist eine Mahnung an uns alle, Miss­stände und Unge­rech­tig­kei­ten nicht hin­zu­neh­men.  Genau hin­schauen steht am Beginn von soli­da­ri­schem Handeln und nur Soli­da­ri­tät ist Zukunft.

Soli­da­ri­tät zu leben ist nicht leicht. Es bleibt geboten, sie ein­zu­for­dern. Im neuen Tes­ta­ment erinnert Paulus im Brief an die Galater an die Pflicht zur Soli­da­ri­tät: „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal. 6, 2).

Gewerk­schaft und Kirche enga­gie­ren sich oft gemein­sam für gute Arbeit und soziale Gerech­tig­keit. Zum 01.  Mai wird das in zahl­rei­chen Aktionen deutlich.

 Kontakt:
Gudrun Nolte, KWA Vor­sit­zende und Leiterin des KDA der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kirche in Nord­deutsch­land: Tel 040 30620–1351; Gudrun.Nolte@kda.nordkirche.de
Axel Braßler, KWA Geschäfts­füh­rer, 0511 473877–11; a.brassler@kwa-ekd.de

Der Evan­ge­li­sche Verband Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt (KWA) ist eine Stimme der Evan­ge­li­schen Kirche in Deutsch­land (EKD), die sich im gesell­schafts­po­li­ti­schen Diskurs für gute Arbeit und soziale Gerech­tig­keit einsetzt. Durch Ver­an­stal­tun­gen, Publi­ka­tio­nen und Kam­pa­gnen fördert er den Dialog zwischen Kirche, Wirt­schaft und Arbeits­welt. Der KWA ori­en­tiert sich mit seinem bun­des­wei­ten Netzwerk an einer nach­hal­ti­gen und sozialen Wirt­schafts­ord­nung, die dem Wohl des Menschen dient.

www.kwa-ekd.de

PM KWA zum 1. Mai 2021

Beitragsfoto: Pixabay, Michael Gaida