HANNOVER, 20.09.2021 – Der Bun­des­ver­band Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt (KWA) lud am Freitag zum FORUM rund um das Thema „Soli­da­ri­sche Zukunfts­si­che­rung“ ein. Auf der digi­ta­len Ver­an­stal­tung wurden nicht nur Fragen der Zukunfts­fä­hig­keit unserer sozialen Siche­rungs­sys­teme wie Kranken‑, Renten- oder Pfle­ge­ver­si­che­rung dis­ku­tiert. Auch die Fragen von ehren­amt­li­chem Enga­ge­ment in der sozialen Selbst­ver­wal­tung oder von Wohn­kon­zep­ten der Zukunft wurden beleuch­tet. Den Tag rei­cher­ten nicht nur die über 70 Teil­neh­men­den, sondern vor allem das breit auf­ge­stellte und hoch­ka­rä­ti­ges Team aus Refe­rie­ren­den aus Politik, Kirche und Wis­sen­schaft mit ihren unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven an.

Mut zur wirklichen Veränderung

Unter dem Motto des bibli­schen Auftrags „Einer trage des anderen Last“ (Galater 6,2) führte Pro­fes­sor Traugott Jäh­ni­chen in die Prin­zi­pien sozialer Siche­rung ein. Aus Per­spek­tive der evan­ge­li­schen Sozi­al­ethik, so machte er deutlich, müssen die „großen Risiken“ gesell­schaft­lich abge­si­chert sein, so wie es in Deutsch­land seit rund 150 Jahren der Fall ist. Doch um den aktu­el­len demo­gra­phi­schen wie wirt­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen zu begegnen, so ist er sich sicher, reichen kleine Ver­än­de­run­gen nicht mehr. „Wir brauchen deutlich größere Reform­schritte. Und das ist eine Frage des Mutes.“

Trennendes abbauen, Solidarität stärken

Wie diese Ver­än­de­run­gen aussehen könnten bzw. welche Aspekte sie berück­sich­ti­gen sollten, wurde anschlie­ßend aus der Per­spek­tive von Politik, Kirche und Ökonomie betrach­tet. Dabei machten alle drei Refe­rie­ren­den deutlich, dass es ein stär­ke­res Zusam­men­den­ken der viel­fäl­ti­gen Aspekte der sozialen Siche­rungs­sys­teme braucht.
Die Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete und ehe­ma­lige Gesund­heits­mi­nis­te­rin Ursula Schmidt möchte die Trennung von gesetz­li­cher und privater Ver­si­che­rung über­win­den. Sie betonte, „dass es Zeit ist, dass wir endlich eine Bür­ger­ver­si­che­rung ein­füh­ren.“
„In die Systeme nochmal rein­zu­den­ken und sie stärker integral zu ver­net­zen,“ dafür plä­dierte Ober­kir­chen­rat Steffen Merle und hofft, dass in Zukunft die Über­gänge zwischen den Systemen stärker in den Blick kommen.
Das Kern­ar­gu­ment von Marcel Fratz­scher vom Deut­schen Institut für Wirt­schafts­for­schung war, „dass Soli­da­ri­tät auch öko­no­misch vom Wohl­stand her (…) essen­zi­ell ist.“ Trag­fä­hige Sozi­al­sys­teme seien ein „win-win“ für alle, denn Gesell­schaf­ten, die hoch­so­li­da­risch sind, können Krisen auf allen Ebenen deutlich besser bewäl­ti­gen – auch öko­no­misch.

Ehrenamt in der Sozialen Selbstverwaltung stärken

Am Nach­mit­tag ging die Dis­kus­sion in ver­schie­de­nen Arbeits­grup­pen weiter, so auch zur Frage nach dem Ehren­amt­li­chen Enga­ge­ment in der Sozialen Selbst­ver­wal­tung. In der Dis­kus­sion wurde deutlich, dass das gesetz­lich ver­an­kerte Ehrenamt und seine Aufgaben in der Sozialen Selbst­ver­wal­tung weit­ge­hend unbe­kannt sind. Umso wich­ti­ger sei es deshalb, „dass das Ehrenamt in der Sozialen Selbst­ver­wal­tung von Arbeit­ge­bern und Dienst­ge­bern positiv mit­ge­tra­gen wird,“ so der Tenor der Arbeits­gruppe.

Das Forum war dieses Jahr ein Gemein­schafts­pro­jekt von lan­des­kirch­li­chen Fach­diens­ten für Arbeit und Wirt­schaft und dem Bun­des­ver­band Evan­ge­li­scher Arbeit­neh­mer­or­ga­ni­sa­tio­nen e.V. (BVEA). Beteilgt waren u.a. die Glied­kir­chen Kur­hes­sen-Waldeck, Olden­burg, Bayern und Nord­kir­che.

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Kontakt:
Gudrun Nolte, KWA Vor­sit­zende und Leiterin des KDA der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kirche in Nord­deutsch­land: Tel 040 30620–1351; Gudrun.Nolte@kda.nordkirche.de

Sabine Wein­gärt­ner, stv. Leitung des KDA der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kirche in Bayern: Tel 0911 43 100 – 226; weingaertner@kda-bayern.de

Axel Braßler, KWA Geschäfts­füh­rer, Tel 0511 473877–11; a.brassler@kwa-ekd.de