Die Hälfte ist geschafft! Mittwoch um zwölf Uhr ist der halbe Mittwoch vorbei, die Hälfte der klassischen Montag-bis-Freitag-Woche und auch die Hälfte der Woche, die nach christlichem Verständnis mit dem Sonntag beginnt, liegt hinter einem. Von manchen wird dieser Moment als „Hump-day“ oder „Bergfest“ bezeichnet.

Wer die Hälfte hinter sich hat, hat schon viel erlebt und geschafft – Schönes und Trauriges, Abenteuerliches und Langweiliges, Verwunderliches oder Begeisterndes. Wer die Hälfte noch vor sich hat, kann sich noch auf Vieles freuen und so Manches meistern.

Die „Halbzeit“ ist also ein guter Moment, um kurz innezuhalten und sich eine gedankliche Pause zu gönnen. Mit kurzen Texten und Bildern laden wir Sie jeden Mittwoch zu einer kurzen Mittwochsandacht ein. Gönnen Sie sich diese kurze Halbzeit-Pause!

Jeden Donnerstag versenden wir die Halbzeit-Andacht des KDA aus Bayern in unserem Newsletter, um auch am Donnerstag noch mal inne zu halten.

Mütend

„Mütend“ – so wird inzwischen der Gemütszustand vieler in unserem Land nach bald zwei Jahren Corona beschrieben. „Mütend“ – eine Mischung aus „müde“ und „wütend“.
Müde angesichts von Arbeitstagen, die an Normalität vermissen lassen, ob in der Dauerschleife der Videokonferenzen, den Schutzroutinen am Arbeitsplatz mit Maskenpflicht, 3G-Kontrollen und Hygienemaßnahmen für sich und Schutzbefohlene. Müde angesichts der wiederholten Zuspitzung der Coronalage und dem beständigen inneren Schwanken, wie viel Vorsicht und wie viel Freiheit man sich für sich und seine Lieben so nehmen kann. Müde angesichts von privaten und öffentlichen Debatten darüber, was uns in dieser Gesundheitskrise hilft und was nicht.
Und wütend, weil es doch nicht so vorangeht, wie es doch sollte, weil die Verantwortlichen fehlen und scheitern, weil Menschen weiterhin en masse sterben, wiederholt ihre Arbeit oder ihre Geschäftsgrundlage verlieren, ihr Erspartes aufzehren, nicht dürfen, wie sie wollen, weil der Schwellenwert der Impfsolidarität bis heute verfehlt wird – mit bitteren Folgen für alle.

Lasst unter euch nicht eine Wurzel aufwachsen, die da Gift und Wermut hervorbringt.“ (5. Mose 29,17) Dieser Satz stammt aus der langen Rede, die Mose an das Volk Israel hält, bevor sie in das Gelobte Land einziehen werden – wohlgemerkt ohne ihn. Er weiß, dass er zurückbleiben wird nach einer zehrenden, vierzigjährigen Durststrecke in der Wüste, auf der er sie anführte. Und doch ist da kein Anflug von „mütend“. Vielmehr sorgt er sich, dass sie sich im Gelobten Land nicht einander das Wasser abgraben durch eine Wurzel, die da Gift und Wermut hervorbringt. Den Israeliten ist das auch nicht immer geglückt. Umso wertvoller, dass sie schwarz auf weiß hatten, was Mose ihnen da ins Stammbuch geschrieben hat.
Unsere Durststrecke dauert noch nicht einmal zwei Jahre. Viele von uns haben gelitten in dieser Zeit, die einen mehr, die anderen weniger. In allem, was derzeit so mütend macht, dürfen auch wir uns durch den Satz des Mose angesprochen fühlen – als Frage an uns, ob etwas in uns wurzelt, was Gift und Wermut hervorbringt. Es könnte ein erster Schritt heraus sein aus dem Mütend-Zustand. Mögen wir ihn gehen mit Gottes Hilfe.

Peter Lysy, kda München

Weitere Halbzeit-Andachten finden Sie direkt beim Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern https://kda-bayern.de/mensch-und-arbeit/halbzeit/

 

Peter Lysy

Pfarrer
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
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