Die Texte aus dem Buch 7x7 Mor­gen­brie­fing für Füh­rungs­kräfte ermög­li­chen das Nach­den­ken über ein gängiges, mal außer­ge­wöhn­li­ches Wort. Sie durch­kreu­zen das tägliche Handeln und wirken als Anregung für Geist und Seele. Die Autorin­nen und Autoren gehören wei­test­ge­hend zum Evan­ge­li­schen Verband Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt in der Evan­ge­li­schen Kirche in Deutsch­land. Sie arbeiten in den ent­spre­chen­den lan­des­kirch­li­chen Fach­ab­tei­lun­gen im Bereich der Füh­rungs­kräf­te­ar­beit und des Kirch­li­chen Dienstes in der Arbeits­welt.

Ehrlichkeit

Mache nur solche Geschäfte,
dass wir bei Nacht
ruhig schlafen können.

(Thomas Mann, Bud­den­brooks)

Mal ehrlich: Haben Sie ver­gan­gene Nacht gut geschla­fen? – Das waren noch Zeiten, als für Kauf­leute der gute Schlaf mit einem guten Gewissen die Regel war. Im Zeit­al­ter der Rund-um-die-Uhr-Ver­füg­bar­keit kennt das Business keinen Schlaf und vielfach auch keine mora­li­schen Vor­be­halte mehr. Nahezu täglich wird von kleinen und großen Trick­se­reien im Wirt­schafts­le­ben berich­tet. Und dennoch fühlen sich noch immer viele Manager und Unter­neh­mer dem Leitbild vom „ehrbaren Kaufmann“ ver­pflich­tet. Zahl­rei­che Studien bestä­ti­gen, was der gesunde Men­schen­ver­stand schon immer wusste: Ehr­lich­keit und Ver­trauen sind die Kern­ele­mente einer nach­hal­ti­gen Geschäfts­be­zie­hung. Sie machen ein wert­vol­les Kapital aus, das, einmal ver­spielt, schwer wieder her­zu­stel­len ist.

In der pro­tes­tan­ti­schen Berufs­ethik, die auch bei den Bud­den­brooks durch­scheint, ist der „ehrbare Kaufmann“ zu einem Synonym für eine bestimmte beruf­li­che Grund­hal­tung geworden. Am Ende des Tages zählen die mensch­li­che Glaub­wür­dig­keit und das Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein für das große Ganze. Diese Tugenden haben auch zum Erfolgs­mo­dell der Sozialen Markt­wirt­schaft bei­getra­gen. Aus ihnen wächst das, was man den „Erfolg mit Anstand“ nennen könnte. – Nein, es ist nicht immer leicht seinem Gewissen zu folgen und ehrlich zu bleiben. Aber dass, „ehrlich am längsten währt“, wie es das Sprich­wort sagt, dafür würde ich noch immer eine Wette eingehen.

Autor: Thomas Löffler, Mannheim

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