Die Texte aus dem Buch 7x7 Mor­gen­brie­fing für Füh­rungs­kräfte ermög­li­chen das Nach­den­ken über ein gängiges, mal außer­ge­wöhn­li­ches Wort. Sie durch­kreu­zen das tägliche Handeln und wirken als Anregung für Geist und Seele. Die Autorin­nen und Autoren gehören wei­test­ge­hend zum Evan­ge­li­schen Verband Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt in der Evan­ge­li­schen Kirche in Deutsch­land. Sie arbeiten in den ent­spre­chen­den lan­des­kirch­li­chen Fach­ab­tei­lun­gen im Bereich der Füh­rungs­kräf­te­ar­beit und des Kirch­li­chen Dienstes in der Arbeits­welt.

Einsamkeit

Unfrucht­bar ist der gemein­same Tag ohne den einsamen Tag für die Gemein­schaft wie für den Ein­zel­nen.
Dietrich Bon­hoef­fer

„An der Spitze ist es einsam.“ Ein Satz, immer wieder gehört von Chefs, mal als Klage, mal als nüch­terne Fest­stel­lung. Wer führt, ist expo­niert, muss sich Erwar­tun­gen und Kritik stellen, antrei­ben und kon­fron­tie­ren, trösten und tragen – und hat dabei häufig ein hohes Maß an Selbst­kon­trolle zu zeigen. Per­sön­li­che Emp­fin­dun­gen und manch eigener Gedanke können einfach fehl am Platz sein, wenn viele, gar alle auf einen blicken.

Dietrich Bon­hoef­fer hat viel über Ein­sam­keit nach­ge­dacht. In seinem Buch „Gemein­sa­mes Leben“ widmet er ein ganzes Kapitel „dem einsamen Tag“. „Drei Dinge sind es, für die der Christ am Tag eine feste Zeit für sich braucht: die Schrift­be­trach­tung, das Gebet, die Fürbitte“, so schreibt Bon­hoef­fer.

Erstens also einsame Zeit, um einen Bibel­ab­schnitt zu lesen. In aller Ruhe sich diesen Worten aus­set­zen wie Mil­lio­nen andere, hoffend, dass einem ein Körnlein Inspi­ra­tion, Ermu­ti­gung, Weg­wei­sung geschenkt werde, geist­li­che Nah­rungs­auf­nahme für den Tag. Zweitens einsame Zeit zum Gebet, um auf das zu hören, was gerade bewegt, nagt und bohrt, erfreut und Dank auslöst, glaubend, dass ich so, genauso in Gottes Hand geborgen bin, in diesem Glauben Worte formend. Drittens einsame Zeit zur Fürbitte, das heißt: Zeit zur Liebe und zur Erkennt­nis, dass meine Liebe fehlt oder fehlgeht, Menschen Gott hin­hal­tend, mit denen ich es zu tun habe, mit denen ich es gut meine und mit denen ich es schwer habe, wissend, dass sie alle der Liebe Gottes würdig sind und ihrer bedürfen.

Es lohnt, sich einmal selbst in die Zeilen Bon­hoef­fer zu ver­tie­fen, gerade vor dem Hin­ter­grund, wie er diese Praxis der Ein­sam­keit ins große Ganze ein­ord­net: „Unfrucht­bar ist der gemein­same Tag ohne den einsamen Tag für die Gemein­schaft wie für den Ein­zel­nen.“

Autor: Peter Lysy

 

Peter Lysy
Pfarrer
Kirch­li­cher Dienst in der Arbeits­welt
der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
Schwan­tha­ler­str. 91
80336 München
Tel.: 01520–9889957
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