Die Texte aus dem Buch 7×7 Morgenbriefing für Führungskräfte ermöglichen das Nachdenken über ein gängiges, mal außergewöhnliches Wort. Sie durchkreuzen das tägliche Handeln und wirken als Anregung für Geist und Seele. Die Autorinnen und Autoren gehören weitestgehend zum Evangelischen Verband Kirche-Wirtschaft-Arbeitswelt in der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie arbeiten in den entsprechenden landeskirchlichen Fachabteilungen im Bereich der Führungskräftearbeit und des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt.

Expat

Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel.
Philippe 3,20

„Wenn Sie wieder nach Hause kommen, stellen Sie fest, dass keiner auf Sie gewartet hat.” Ich weiß nicht, wie repräsentativ dieser Satz für Expats ist. Ich weiß nur, dass ich ihn immer wieder mal höre. Und ähnliche Geschichten dazu: entsandt mit dem Versprechen, der Auslandsaufenthalt werde ein wichtiger Karriereschritt sein, meist drei Jahre Leben und Arbeiten in einem fremden Land, die Kinder auf der deutschen Schule, der Ehepartner in der gattet Community. Bei den einen wiegen die neuen Erfahrungen die Herausforderungen eines Lebens in der Fremde auf, bei den anderen wächst auf Dauer die Vorfreude, endlich in die Heimat zurückzukehren.

„Wenn Sie wieder nach Hause kommen, stellen Sie fest, dass keiner auf Sie gewartet hat.” Ich höre die Enttäuschung, ja die Verletzung aus solchen Worten. Statt des roten Teppichs der Termin bei der Personalabteilung: fieberhafte Suche, wo man den (neuerdings) Fremden wieder unterbringen könnte. Verständlich, wenn da der eine oder die andere abwinkt und die Homebase dem Expat-Dasein vorzieht.

Dieses Fremdeln und Fremdfühlen, von dem Expats berichten, steht für mich für eine Erfahrung, die nicht nur Manager machen. Fremdgefühle kennen viele. Die Bibel behauptet gar, dass es uns allen so geht. Da heißt es, dass wir „hier in der Fremde weilen”, „unser Bürgerrecht im Himmel ist” oder „wir hier keine bleibende Stadt haben, sondern die zukünftige suchen”. Hier auf Erden sind wir also noch nicht wirklich daheim angekommen, auch wenn uns heimatliche Gefühle immer wieder packen. Schon jetzt dürfen wir dabei auf eines hoffen: Wenn wir nach Hause kommen, nach siebzig, achtzig, neunzig Jahren auf Erden, dann wird einer auf uns warten, so wie wir es ersehnen.

Autor: Peter Lysy

 

Peter Lysy

Pfarrer
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
der Evang.-Luth. Kirche in Bayern
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