„Unser täg­li­ches Brot gib uns heute“ – Im Gespräch mit Bäcke­rin­nen und Bäckern 

Wunsch­be­ruf 

Die jungen Frauen und Männer in der Bäcker­klasse der Berufs­bil­den­den Schule sitzen mir gegen­über. „Wann beginnt Ihr Arbeits­tag?“ frage ich. „Meistens fange ich um zwei Uhr in der Nacht an.“ „Meine Schicht beginnt schon um eins.“ „Bei uns geht’s um vier los.“ Alle sagen das mit großer Selbst­ver­ständ­lich­keit und auch mit Stolz. 

„Was war der Grund dafür, dass Sie sich diesen Beruf aus­ge­sucht haben?“ Mehrere Schüler erzählen, dass sie gerne backen. Für eine Aus­zu­bil­dende ist es der zweite Beruf. Sie möchte einmal die Bäckerei ihrer Eltern über­neh­men. 

Ver­än­de­run­gen 

Mit dem Ober­meis­ter einer Bäcker­innung bin ich zum Tele­fon­ge­spräch ver­ab­re­det. „Wie ist die Situa­tion der Bäcke­reien in Ihrem Land­kreis?“ möchte ich wissen. „Wir haben die kleinen fami­li­en­ge­führ­ten Hand­werks­be­triebe mit wenigen Mit­ar­bei­ten­den“, erklärt er. „Und es gibt die großen Back­fa­bri­ken in der Stadt, die überall ihre Filialen betrei­ben. Beide Betriebs­for­men können gut neben­ein­an­der bestehen.“ 

Ich horche auf: „Die Back­fa­bri­ken sind keine Bedro­hung für die klei­ne­ren Betriebe?“ „Nein, alle machen aus­rei­chend Umsatz. Das Problem der kleinen Betriebe ist, dass sie keinen Nach­fol­ger finden. So muss Jahr für Jahr eine Bäckerei im Land­kreis schlie­ßen.“ 

Her­aus­for­de­run­gen 

Im Got­tes­dienst spreche ich mit einem Bäcker­meis­ter über seine Arbeit: „Das Bäcker­hand­werk ist eines der ältesten der Welt. Was ver­än­dert sich gerade?“ „Als ich in die Lehre gegangen bin, habe ich noch richtig schwere Säcke geschleppt. Das muss heute keiner mehr. Viele Arbeits­gänge werden von Maschi­nen erledigt. Statt­des­sen tragen wir andere Lasten, der Bedarf an Fach­kräf­ten und die enormen Ener­gie­kos­ten.“ 

„Wer backt, braucht Zutaten. Was sind Ihre wich­tigs­ten Zutaten?“ „Wir achten auf regio­nale Roh­stoffe. Dazu bilden wir Koope­ra­tio­nen mit hei­mi­schen Land­wir­ten. Manche Roh­stoffe gibt es gerade nicht, Son­nen­blu­men­kerne aus der Ukraine.“ 

Wert­schät­zung 

Mir ist noch ein Aspekt wichtig: „Im Vater­un­ser beten wir Unser täg­li­ches Brot gib uns heute. Ohne Bäcke­rin­nen und Bäcker wäre das gar nicht möglich. Fühlen Sie sich gesehen?“ „Ja, es macht mich stolz, in der Back­stube zu stehen und für die Menschen im Ort zu backen. Unsere Kun­din­nen und Kunden schätzen die Qualität. Und Brot kommt ja auch in der Bibel vor: Im Abend­mahl und in der Geschichte von der Brot­ver­meh­rung.“ 

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V.i.S.d.P.: Kirch­li­cher Dienst in der Arbeits­welt Hannover

Wort­mel­dung Sep­tem­ber 2022 – PDF

Hille de Maeyer

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