Autor: Stephan Eimterbäumer

Lied von einer besseren Welt

Worum geht es Weihnachten? Um die Geburt eines besonderen Kindes, das die Welt zum Guten ändert.

Ist das nicht Träumerei? Gerade die schrecklichen Ereig- nisse in Paris haben uns die Fragen wieder sehr nahe vor Augen geführt: Wird sich die Welt je zum Besseren verändern? Welche Kraft hat die christliche Botschaft? Wie steht es mit dem Lied, das die junge Maria noch vor der Geburt Jesu anstimmt?

„Gewaltiges hat Gott vollbracht mit seinem Arm, zerstreut hat er, die hochmütig sind in ihrem Herzen, Mächtige hat er vom Thron gestürzt und Niedrige erhöht,

Hungrige hat er gesättigt mit Gutem und Reiche leer weggeschickt.“ (Lukas 1, 51-53)

Zu direkt?

Manch eine/r mag sich so ein machtvolles Eingreifen Gottes auch heute noch wünschen, damit Terroristen von ihren Taten abgehalten werden, damit Verant- wortliche in Politik und Wirtschaft alles tun, damit Hungrige satt werden. Aber so einfach ist das nicht (mehr). Unsere Welt ist sehr komplex geworden. Ein einseitiges direktes machtvolles Eingreifen läuft Ge- fahr, ein Schaden für andere zu sein.

Symbolische Deutung

Was bedeutet dieser eigentlich gar nicht in unsere üb- liche Weihnachtsstimmung passende Text heute? Man kann das Lied der engagierten Teenagerin symbolisch verstehen: Wer vor Gott hochmütig ist und nur auf seine eigenen Qualitäten vertraut, wird von seinem „inneren Thron“ geholt. Und: Wer spirituell auf der

Suche bleibt, wer nach Sinn hungert, der wird gesättigt und erlebt bei Jesus ein Festmahl. Das ist richtig, erfasst aber nicht das Ganze.

Soziale Deutung

Der Hymnus bezieht sich zugleich auf das äußere Leben. Ich weiß nicht, ob Maria an zurückgetretene Bankvorstände oder Fußballfunktionäre gedacht hätte. Jedenfalls ist das Lied eine Erinnerung an alle, denen Macht und Kapital anvertraut sind – dass sie demütig bleiben vor Gott und den Menschen. Dass sie das Gute befördern und integer handeln. Dass sie sich Räume suchen, um sich darauf zu besinnen, wem sie mit dem anvertrauten Einfluss und Geld dienen wollen. Sei es in Unternehmen, Gewerkschaften, Kirchen oder Parlamenten.

Für Benachteiligte ist Marias Lied ein Mutmacher: Bei diesem Gott treten Außenseiter in die Mitte, Verach- tete erhalten viele „Likes“, Arme befreien sich aus der Sozialhilfe und „Loser“ steigen auf. Mitten in das da- mals von Rom besetzte Israel singt Maria – fast trotzig und voller Zuversicht – von der Sehnsucht nach einer besseren Welt. In Vielem kann man diese schon heute erleben; in Fülle erst in einem neuen Zeitalter.

Dass Maria den Mund so voll nimmt, hilft weiter: So bleibt unsere Sehnsucht nach dem guten Leben stark.

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