Hannover, den 24.09.2021: „Egal ob Jamaika, Ampel oder Rot-Rot-Grün – Hartz IV muss refor­miert werden!“

Kommt das Ende von Hartz IV, wie wir es kennen? Vor der Bun­des­tags­wahl 2021 kündigen die fünf Parteien, die Aussicht auf eine Regie­rungs­be­tei­li­gung haben, weit­ge­hende Reformen an der Grund­si­che­rung und Arbeits­ver­mitt­lung an. Vor­schläge des KWA für ein „Job­cen­ter der Zukunft“ finden Unter­stüt­zung.

Der Evan­ge­li­sche Verband Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt hat CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne und Linke vor der Wahl um eine Stel­lung­nahme zu seinem Konzept für ein men­schen­freund­li­ches „Job­cen­ter der Zukunft“ gebeten. Das Konzept umfasst unter anderem die Neu­be­rech­nung und Erhöhung der Hartz-IV-Leis­tun­gen, das Ende von Kür­zun­gen am Exis­tenz­mi­ni­mum, den Ausbau geför­der­ter Beschäf­ti­gung, höhere Inves­ti­tio­nen in Berufs­ab­schlüsse, Regel­ver­ein­fa­chun­gen und einen Umgang auf Augen­höhe mit den Erwerbs­lo­sen.

Ins­be­son­dere Die Grünen und Die Linke signa­li­sie­ren Unter­stüt­zung zu allen Vor­schlä­gen des evan­ge­li­schen Ver­ban­des. Die SPD teilt nach eigenen Worten einen Großteil der Thesen. Die CDU/CSU, die sich ansons­ten am stärks­ten zu einer Fort­füh­rung des bis­he­ri­gen Hartz-IV-Systems bekennt, stimmt zumin­dest den For­de­run­gen nach höheren Inves­ti­tio­nen in Berufs­ab­schlüsse und nach Büro­kra­tie­ab­bau zu.

Bei einem Kern­punkt der Hartz-IV-Debatte werden die Unter­schiede zwischen den Parteien beson­ders deutlich: Während die Grünen und die Linken die Sank­tio­nen gegen bedürf­tige Leis­tungs­be­zie­her gänzlich abschaf­fen wollen („grüne Garan­tie­si­che­rung“, „sank­ti­ons­freie Min­dest­si­che­rung“), möchte die SPD nur „sinn­wid­rige und unwür­dige Sank­tio­nen“ abstel­len. Die Union will die Sank­ti­ons­me­cha­nis­men wie bisher bei­be­hal­ten.

Bei der Frage, wie das Job­cen­ter künftig Menschen qua­li­fi­zie­ren und in Arbeit ver­mit­teln soll, wollen alle Parteien weg von der früheren Praxis der schnel­len Ver­mitt­lung in prekäre Arbeit. Grüne, Linke und SPD möchte Rechts­an­sprü­che auf Qua­li­fi­zie­run­gen und auf das Nach­ho­len von Berufs­ab­schlüs­sen schaffen. Die CDU/CSU sieht eben­falls einen Vorrang der Qua­li­fi­zie­rung vor der schnel­len Ver­mitt­lung in Hel­fer­tä­tig­kei­ten. Und auch die FDP möchte Menschen künftig nicht mehr in den erst­bes­ten Job ver­mit­teln.

Aus Sicht der KWA Vor­sit­zen­den Gudrun Nolte muss es nach 16 Jahren Hartz IV nun zu einer Neu­jus­tie­rung des Systems kommen, und zwar unab­hän­gig von der Regie­rungs­kon­stel­la­tion: „Egal ob Jamaika, Ampel oder Rot-Rot-Grün – Hartz IV muss refor­miert werden. Das Job­cen­ter trägt als Garant der Exis­tenz­si­che­rung und Teilhabe von Mil­lio­nen Menschen eine große gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung. Der poli­ti­sche Wille, diese Behörde men­schen­freund­li­cher und effi­zi­en­ter zu machen, ist derzeit in vielen Parteien vor­han­den. Nach der Bun­des­tags­wahl müssen sie dieses Ver­spre­chen einlösen.“

Die Pres­se­mit­tei­lung als PDF-Dokument.

Rück­mel­dun­gen der Parteien zu den KWA „Job­cen­ter der Zukunft“-Thesen können Sie hier lesen:

Parteien unterstützen KWA-Vorschläge für ein „Jobcenter der Zukunft“

Kontakt:

Gudrun Nolte, KWA Vor­sit­zende und Leiterin des KDA der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kirche in Nord­deutsch­land: Tel 040 30620–1351; Gudrun.Nolte@kda.nordkirche.de
Axel Braßler, KWA Geschäfts­füh­rer, 0511 473877–11; a.brassler@kwa-ekd.de

Der Evan­ge­li­sche Verband Kirche-Wirt­schaft-Arbeits­welt (KWA) ist eine Stimme der Evan­ge­li­schen Kirche in Deutsch­land (EKD), die sich im gesell­schafts­po­li­ti­schen Diskurs für gute Arbeit und soziale Gerech­tig­keit einsetzt. Durch Ver­an­stal­tun­gen, Publi­ka­tio­nen und Kam­pa­gnen fördert er den Dialog zwischen Kirche, Wirt­schaft und Arbeits­welt. Der KWA ori­en­tiert sich mit seinem bun­des­wei­ten Netzwerk an einer nach­hal­ti­gen und sozialen Wirt­schafts­ord­nung, die dem Wohl des Menschen dient.